Interview mit Alexander Ebering, Regionalvorstand KPMG Südwest

Mit Veränderungen umgehen lernen

Alexander Ebering, Regionalvorstand KPMG Südwest, zu den Herausforderungen technologischer Entwicklungen für Belegschaften und Jobprofile

Wie beeinflussen die aktuellen nationalen und globalen Veränderungen unsere Unternehmen im Personalbereich?
Alexander Ebering: Neben der gestiegenen politischen Unsicherheit ist es vor allem die rasante technologische Entwicklung, die unsere Mandanten vor große Herausforderungen stellt, gerade im Personalbereich.

Neue Technologien und Künstliche Intelligenz (KI) sind zentrale Themen, die eine gezielte Weiterentwicklung aller Mitarbeitenden erfordern. Auch der hohe Kostendruck zwingt Unternehmen dazu, ihre bisherigen HR-Strategien zu überdenken und vor allem ihre digitalen Fähigkeiten stärken.

Dabei ist es wahrscheinlich noch entscheidender als früher, Belegschaften für die neuen Technologien zu begeistern und zur aktiven Mitgestaltung zu motivieren. Es braucht ein „Digital Mindset“. Viele Unternehmen bewegen sich hier in einem anspruchsvollen Spannungsfeld zwischen einer motivierenden, leistungsfördernden Personalstrategie und den Anforderungen struktureller Umbrüche. Da gilt, es die richtigen Prioritäten zu setzen.

Welche Konsequenzen fordern diese Veränderungen von Unternehmen?
Ebering: Um den aktuellen Herausforderungen im Personalbereich effektiv zu begegnen, müssen viele Unternehmen ihre Strategien und Strukturen grundlegend anpassen. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland sind noch nicht ausreichend auf die digitale Zukunft vorbereitet, was gezielte Maßnahmen zur Befähigung und Motivation erfordert.

Eine klare Zielsetzung und Verankerung in der Unternehmensstrategie sowie die enge Zusammenarbeit zwischen IT und Personalabteilung sind die Erfolgsfaktoren, um Arbeitskräfte erfolgreich zu schulen. Auch Kommunikation und Veränderungsmanagement spielen eine zentrale Rolle, um Ängste abzubauen und den Mehrwert der Veränderungen zu verdeutlichen. Vertrauen wird durch Standards und Transparenz gestärkt. Das frühzeitige Einbinden und Qualifizieren der Mitarbeiter ist entscheidend, während Führungskräfte sehr flexibel und beweglich sein müssen, um die Veränderungen effektiv zu steuern. Nicht ohne Grund haben wir unsere Personalberatung bei KPMG „People & Change Advisory“ genannt. Wir haben hier ein sehr starkes Team von HR-Expertinnen und -Experten, das von meiner Kollegin Anna Richter geleitet wird und auch in unserer Niederlassung in Mannheim vertreten ist.

Um den aktuellen Herausforderungen im Personalbereich effektiv zu begegnen, müssen viele Unternehmen ihre Strategien und Strukturen grundlegend anpassen.

Alexander Ebering, Regionalvorstand KPMG Südwest

Lassen sich die wirtschaftlichen Auswirkungen der beschriebenen Veränderungen beziffern?
Ebering: Um den Übergang zu einer KI-gestützten Arbeitswelt erfolgreich zu gestalten, sind gezielte Investitionen in vielen Unternehmensbereichen notwendig, zum Beispiel beim ­Recruiting von Talenten und der Ausbildung in den neuen Technologien und der ­Anpassung von Prozessen und Teams. Auf der Haben-Seite stehen aber oft erhebliche Produktivitäts- und Effizienzgewinne für die Unternehmen.

Bieten sich auch weitere Chancen?
Ebering: Obwohl umfassende Studien zu den Arbeitsplatzeffekten noch rar sind, sind zum Beispiel große Veränderungen in der Softwareentwicklung und in „Schreibtisch-Berufen“ sichtbar. Generell wird die Halbwertszeit von Fähigkeiten abnehmen und Aufgaben werden sich schnell verändern, was sicherlich positive wie negative Aspekte haben kann.

Die Integration von KI in Unternehmen bietet aber eindeutig auch viele Chancen für die Mitarbeitenden und Unternehmen. Einige internationale Organisationen und Think-Tanks prognostizieren, dass KI neue Arbeitsplätze schaffen wird, indem sie Menschen von repetitiver Arbeit entlastet. Viele Unternehmen erwarten wie gesagt, ihre Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität zu steigern.

In welchen Bereichen sehen Sie Nachholbedarf?
Ebering: Nachholbedarf sehe ich vor allem in der Integration dieser Technologien in den Arbeitsalltag. Manche Unternehmen sind noch zögerlich, wenn es darum geht, neue Technologien flächendeckend einzuführen. Zudem müssen wir weiter die Akzeptanz und das Verständnis bei den Mitarbeitenden fördern, damit sie die Vorteile dieser Technologien voll ausschöpfen können.

Sind Sie dennoch zuversichtlich?
Ebering: Die Unsicherheit hat generell zugenommen und die Herausforderungen für unsere Mandanten in der momentanen Weltlage sind enorm.

In vielen Gesprächen mit Mandanten höre ich aber auch sehr ermutigende Berichte. Diese Unternehmen haben die aktuellen Herausforderungen klar erkannt und zeigen in beeindruckender Weise, wie anpassungsfähig und kreativ sie sind. Sie passen ihre Geschäftsmodelle und Prozesse an und gehen die technologischen Herausforderungen mutig an. Gerade in Mannheim und der Metropolregion fallen mir da einige sehr bemerkenswerte Beispiele ein, zumal diese Region mit ihren Unternehmen schon immer mit sich verändernden Rahmenbedingungen innovativ und erfolgreich umging.

Auch unsere aktuellen Studien zeigen, dass die Dynamik im Umgang mit den neuen Technologien in den meisten Unternehmen deutlich gestiegen ist. In unserer Studie „Generative KI in der deutschen Wirtschaft 2025“ gehen 64 Prozent der Befragten davon aus, dass die KI-Einführung Umschulungen erfordern werde, die Zahl der Arbeitsplätze jedoch nicht grundlegend beeinflusse. Immerhin 72 Prozent fühlen sich gut oder sogar sehr gut darauf vorbereitet, ihre Mitarbeiter im Umgang mit KI zu schulen. Es gibt also durchaus Gründe, positiv in die Zukunft zu blicken.

Zur Person

Foto: KPMG
Dr. Alexander Ebering ist seit Oktober 2024 Regionalvorstand der KPMG Region Südwest. Damit übernimmt er die Marktverantwortung für alle Geschäftsbereiche von KPMG in der Region. KPMG ist in Baden-­Württemberg mit sechs Standorten (Freiburg, Friedrichshafen, Karlsruhe, Mannheim, Stuttgart und Ulm) und insgesamt ca. 1.500 Mitarbeitenden aus allen Dienstleistungsbereichen vertreten.
Dr. Alexander Ebering kam 2013 zu KPMG und wurde 2015 zum Partner bestellt. Von 2018 bis 2024 verantwortete er die Steuerberatung von KPMG in der Region Südwest.
Der promovierte Volkswirt verfügt über umfangreiche Erfahrungen in der Beratung von Familienunternehmen sowie kapitalmarktorientierten­ Unternehmen.