Interview mit Dr. Michael Düpmann, Vorstand VR Bank Rhein-Neckar | Apfelsaft aus eigener Ernte

Auch die VR Bank Rhein-Neckar engagiert sich im Modellquartier FRANKLIN. Die neue Filiale auf dem Konversionsareal ist jedoch nur ein Baustein der Nachhaltigkeitsstrategie des Kreditinstituts.

Dr. Michael Düpmann, Vorstandsmitglied der VR Bank Rhein-Neckar, übernimmt zum Jahres- anfang 2022 den Vorstandsvorsitz des Kreditinstituts. Das Thema Nachhaltigkeit hat bei ihm einen hohen Stellenwert. FOTO: VR BANK RHEIN-NECKAR

Wo wird man in Zukunft die geplante Filiale der VR Bank Rhein-Neckar auf FRANKLIN finden?
Dr. Michael Düpmann: Unsere neue Niederlassung planen wir im Quartierszentrum, dem sogenannten „Grünen Hügel“, in dem ein Supermarkt, eine Bäckerei, eine Apotheke und ein Drogeriemarkt geplant sind und das 2023 fertiggestellt werden soll. Außerdem haben wir noch Flächen im zweiten Obergeschoss gemietet, die wir auch für Kundengespräche nutzen können. Seit August 2021 bereiten wir dieses Engagement schon vor und sind mit zwei Ansprechpartnern bereits jetzt in der MVV-Nachbarschaftsoase auf FRANKLIN präsent.
Für uns ist es wichtig, unsere neue Filiale in einem umweltfreundlichen Gebäude zu eröffnen. Im Rahmen unserer Nachhaltigkeitsstrategie hat es für uns jedoch auch einen hohen Stellenwert, Teil der FRANKLIN-Community zu werden und diese zu unterstützen. Eine reine Bankfiliale, davon bin ich überzeugt, hat in Zukunft keine Existenzberechtigung mehr. Wir müssen für die Nachbarschaft, für den Stadtteil einen Mehrwert stiften. Und ob und in welcher Form es hier einen Bedarf gibt, das wollen wir auf FRANKLIN lernen. Denkbar ist es beispielsweise, unser Netzwerk für die neuen Bewohner zu nutzen, um Kontakte zu Dienstleistern zu vermitteln.

Vielleicht stößt ja Ihr neues nachhaltiges Produktportfolio in einem Modellquartier wie FRANKLIN auf eine besonders große Nachfrage …
Düpmann: In der Tat sind wir dabei, unter der geschützten Marke „Rhein-Neckar Lebens- Wert“ ein solches Angebot aufzubauen. Der erste Schritt ist eine nachhaltige Vermögensverwaltung, die bei der Anlage der Kundengelder die ESG-Regeln, also die Berücksichtigung von Umwelt- und sozialen Aspekten, aber auch die ethische Verantwortung des Managements in den Unternehmen und Organisationen berücksichtigt, in die wir investieren. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass es in zehn bis fünfzehn Jahren nur noch solche Produkte am Markt geben wird. Wir haben uns zudem entschlossen, einen festen Anteil der jährlichen Servicegebühr unserer Kunden für diese Vermögensverwaltung in regionale nachhaltige Projekte zu investieren.

Haben Sie bereits eine Entscheidung getroffen?
Düpmann: Wir haben – finde ich – ein ganz tolles Projekt gefunden, das sowohl unserer Verbundenheit mit der Region, als auch unseren Wurzeln gerecht wird, denn unsere genossenschaftliche Gruppe kommt ja aus der Landwirtschaft. Wir haben uns entschlossen, drei Streuobstwiesen in Mannheim, Heddesheim und Ludwigshafen-Oppau, die im kommunalen Besitz sind, zu pflegen – angefangen vom Schnitt der Bäume über die Ernte der Früchte bis zum Einsammeln von Müll. Auch Schafe könnten dort weiden, wir möchten Insekten-Nisthilfen und Bienenstöcke errichten und auch anderen Tieren wieder einen Lebensraum bieten. Außerdem planen wir Führungen und weitere pädagogische Maßnahmen für die nahegelegenen Schulen. Wir arbeiten hier eng mit Experten aus den Kommunen und der BUGA zusammen, sind aber auch im Austausch mit dem BUND und dem NABU, und ich muss sagen, das macht total viel Spaß und ermöglicht uns den Einblick in eine ganz andere Welt. Ein zusätzlicher Mehrwert: Als Kreditinstitut für den Mittelstand können wir die Aufträge rund um die Betreuung der Streuobstwiesen natürlich an unsere Mitglieder und Kunden vergeben. Im Oktober 2021 haben wir im Übrigen zum ersten Mal in Ludwigshafen-Oppau unsere Äpfel geerntet, die in Meckenheim zu Apfelsaft verarbeitet wurden. Dass wir als Bank nun unseren Kunden und Freunden Apfelsaft aus eigener Ernte anbieten können, das ist schon etwas Besonderes.
Die Fragen stellte Ulla Cramer.