Interview mit Jürgen Britzius, Repräsentant der Siemens-Niederlassung Mannheim

„Ich sehe nur noch Menschen mit lächelnden Gesichtern“

Jürgen Britzius ist begeistert vom neuen Sitz des Unternehmens in Mannheim. Foto: Siemens

Warum ist Siemens von seinem alten Standort in der Dynamostraße 4 in die Hans-Thoma-Straße gezogen?
Jürgen Britzius: Unser Unternehmen hatte seinen Mannheimer Sitz rund 40 Jahre in der Dynamostraße 4. Diese lange Zeit hatte ihre Spuren hinterlassen, das Gebäude war in die Jahre gekommen. So gab es beispielsweise keine flächendeckenden Klimaanlagen und auch die Struktur und technische Ausstattung eigneten sich nicht für eine zukünftige flexible Flächengestaltung im Rahmen einer New-Normal-Arbeitsumgebung.

An Ihrem neuen Standort haben Sie jedoch auch die Flächen deutlich verkleinert. Statt 19.000 Quadratmetern verfügen Sie in Ihrem neuen Gebäude nun über eine Fläche von 10.000 Quadratmetern. Dabei ist Ihre Mitarbeitendenzahl in Mannheim jedoch stabil geblieben …
Britzius: In der Tat haben wir die Flächen reduziert – und auch die Anzahl der Büroarbeitsplätze vor Ort um etwa die Hälfte. Die Covid-19-Pandemie hat die Arbeitswelt nachhaltig verändert. Die Krise hat gezeigt, dass ortsunabhängiges Arbeiten viele Vorteile bietet und in weitaus größerem Rahmen möglich ist als ursprünglich angenommen. Weltweite Umfragen hatten den Wunsch der Siemens-Mitarbeitenden nach mehr Flexibilität und individuellen Lösungen beim Arbeitsort bestätigt. Heute buchen unsere Mitarbeitenden per App oder Browser einen Arbeitsplatz vor Ort, wenn sie ihn benötigen – beispielsweise, wenn Treffen oder Gespräche vor Ort geplant sind. Dabei können sie eine moderne technische Ausstattung nutzen, die es beispielsweise ermöglicht, auch Menschen von anderen Standorten in Diskussionen und Abstimmungen mit einzubeziehen. Trotzdem gibt es für die verschiedenen Abteilungen ein Stück „Heimat“. Sie konnten sich bei der Wahl der Möbel, der Ausstattung oder bei der Wahl unterschiedlicher Fototapeten einbringen. Nach ihren Vorschlägen wurden zudem die Konferenzräume benannt – die Entscheidung fiel hier auf die verschiedenen Planeten. In unserem Multifunktionsraum Galaxy kann man sich außerdem zu sportlichen Aktivitäten treffen – oder an einem Gemeinschaftstisch in der Kantine, der explizit eingerichtet wurde, um neue Kontakte aufzunehmen. Das mache ich manchmal selbst und freue mich, dass ich weitgehend Menschen mit lächelnden Gesichtern sehe. Die Umgebung und die Atmosphäre unseres neuen Gebäudes haben darauf einen erheblichen Einfluss.

Wie wichtig ist für Siemens der Standort Mannheim?
Britzius: Der erste elektrische Aufzug der Welt, erbaut von Werner von Siemens, wurde auf der Pfalzgauausstellung zu Mannheim im Jahr 1880 vorgestellt. Er beförderte sechs Personen, war 20 Meter hoch und eine echte Sensation. Ein Bild von diesem Aufzug, der an den Aussichtsturm des Hauptzollamts montiert worden war, ist heute noch in unserem neuen Gebäude zu sehen. Elf Jahre später, im Jahr 1891, wurde eine Bezirksvertretung in der Stadt Mannheim gegründet. Siemens ist der Stadt Mannheim sowie der Metropolregion Rhein-Neckar eng verbunden. Und das wird sich auch nicht ändern.

Die Fragen stellten Ulla Cramer und Sabine Rößing.