Interview mit Natalie Waterboer, Geschäftsführerin der Mannheimer Parkhausbetriebe GmbH | Konzepte für die Zukunft

ZUR PERSON
Aufgewachsen in Mülheim/Ruhr befasste sich Natalie Waterboer in ihrem Studium mit den Themen Wirtschaftswissenschaften, Rechtswissenschaft und Immobilienfachlehre – ein Bereich, der ihr beruflicher Schwerpunkt wurde. Seit 20 Jahren lebt sie in Mannheim und arbeitete dort in der Gewerbeimmobilienbranche. Auch für ein internationales Unternehmen der Parkraumbewirtschaftung war sie aktiv. FOTO: MPB

Im April 2021 hat Natalie Waterboer die Geschäftsführung der Mannheimer Parkhausbetriebe (MPB) GmbH übernommen, die allein in Mannheim über 30 Parkobjekte betreibt und bewirtschaftet. Mit „Mannheim – Stadt im Quadrat“ sprach sie über ihre Zukunftspläne.

Welche Projekte stehen bei der MPB derzeit besonders im Fokus?
Natalie Waterboer: Ganz oben auf der Agenda steht aktuell das Zugangsgebäude, mit dem wir den Lindenhofplatz und den Hauptbahnhof verbinden möchten. Im oberen Teil des Gebäudes ist ein Fahrradparkhaus mit rund 600 Stellplätzen vorgesehen, im Untergeschoss mit der Anbindung an die Unterführung zu den Gleisen und zum Bahnhofsgebäude ist eine kleinere Gewerbeeinheit geplant – wir denken hier zum Beispiel an einen Kiosk. Im ebenerdigen Teil ist Platz für ein Bistro mit Außenbestuhlung, um den Platz zu beleben und eine kleine Oase zu schaffen. Barrierefrei erschlossen wird das Ensemble durch zwei Aufzugs- sowie eine Treppen- und eine Rampenanlage. Der Verbau ist fertiggestellt, der Aushub wurde begonnen. Eines kann ich schon jetzt versprechen: Unser Zugangsgebäude wird den Lindenhofplatz erheblich aufwerten.

Ein wichtiges Thema ist ja auch die neue Stadtbibliothek …
Waterboer: Das wird für uns sehr spannend. Wir sind ganz begeistert von dem Siegerentwurf des Berliner Büros Bruno Fioretti Marquez, dessen Umsetzung das Quadrat N2, wo die neue Bibliothek entstehen wird, und den Dalbergplatz deutlich aufwerten wird. Für uns bedeutet das, dass wir unser Parkhaus an diesem Standort abreißen und eine neue Tiefgarage unter dem neuen Gebäude errichten werden. Im Moment erstellen wir eine Konzeptstudie zum Abriss und den damit verbundenen Herausforderungen, zum Beispiel mit Blick auf die Statik der benachbarten Gebäude. Im Auge haben wir hier unter anderem die Verbindung zur Tiefgarage in N1 oder die Absicherung der Baugrube. Parallel geht es um die Kostenermittlung sowohl für den Rückbau als auch den Neubau. Unser Ziel ist es, Ende 2022 dem Mannheimer Gemeinderat einen validen Plan zur Entscheidung vorlegen zu können.

Ende August 2021 starteten Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung in Mannheim. Bis zu 80 Kurzzeitparkplätze fallen weg. Können die Parkhäuser dies auffangen?
Waterboer: Ich unterstütze den Ansatz, den motorisierten Individualverkehr mit Blick auf den Klimaschutz zu reduzieren und damit die Aufenthaltsqualität in der City zu erhöhen. Wir müssen es gemeinsam mit der Stadt schaffen, dass die Pkw-Fahrer direkt die Parkhäuser nutzen, und den Parksuchverkehr einschränken. Ich glaube, die Bürger und Bürgerinnen müssen einfach akzeptieren, dass der öffentliche Straßenraum auch Geld kostet und dieser nicht einfach jedem zur Verfügung steht. Die Kapazitäten der Parkhäuser reichen jedenfalls aus.

Gibt es denn Möglichkeiten, den Autofahrern diese Entscheidung zu erleichtern?
Waterboer: Mit dem neuen geplanten Parkleitmanagementsystem können wir Verkehre steuern – und denkbar wären zudem dynamische Preismodelle, um die Attraktivität weniger frequentierter Parkhäuser zu erhöhen. Grundsätzlich parkt der Kunde im Parkhaus günstiger als am Parkscheinautomaten, hat keine zeitliche Begrenzung und sein Fahrzeug steht witterungsgeschützt. Zur Qualitätsoptimierung unserer Parkobjekte setzen wir auf kontinuierliche Verbesserungsprozesse.

Viele Kommunen haben bei der Parkraumbewirtschaftung inzwischen auch die Digitalisierung entdeckt …
Waterboer: Das ist eines meiner Lieblingsthemen. Gleich nach meinem Einstieg habe ich eine IT-Abteilung ins Leben gerufen. Meine Vorstellung ist die Vernetzung der unterschiedlichen Mobilitätsarten, wie Fahrrad, Pkw und ÖPNV. Einen ersten Schritt haben wir mit unserer „Mobilitätskarte Flex“ gemacht, mit der man berührungs- bzw. bargeldlos in vielen unserer Parkhäuser in Mannheim und Schwetzingen parken kann – und am Monatsende die Kosten vom Konto ganz einfach abgebucht werden. Doch in diesem Bereich steckt noch viel Entwicklungspotenzial.

Die Fragen stellte Ulla Cramer.