Interview mit Stefan Fuchs, Vorstandsvorsitzender FUCHS PETROLUB
Die zukünftige Mobilität braucht Spezialisten

Auch beim Thema Elektromobilität ist FUCHS erfolgreich unterwegs. Foto: Schmiedel/Fuchs

Mehr als 100.000 Firmen, darunter Unternehmen aus den Bereichen Maschinenbau, Bergbau, Luft- und Raumfahrt, Energie, Landwirtschaft und vielen anderen Branchen beliefert der Mannheimer Schmierstoffhersteller FUCHS PETROLUB mit einem breiten Programm von 10.000 Produkten für die unterschiedlichsten Anwendungen. Mit einem Umsatzanteil von 31 Prozent gehört die Automobilindustrie zu den wichtigsten Kunden.Die Automobilbranche setzt zunehmend auf das Thema Elektromobilität. Was bedeutet das für FUCHS?

Stefan Fuchs: In der Tat stehen unsere Kunden in der Automobilindustrie vor großen Herausforderungen, und der Wandel hin zur E-Mobilität ist dabei neben autonomem Fahren und Mobilität als Dienstleistung zentral. Der elektrifizierte Antriebsstrang wird eine tragende Rolle bei zukünftigen Verkehrskonzepten spielen – und damit auch neue Kombinationen aus E-Motor und Getriebe, mit und ohne Verbrennungsmotor. Solche Systeme verlangen teilweise andere Betriebsstoffe als ein konventioneller Antriebsstrang. Deshalb sind wir derzeit dabei, passende Produkte für diese neuen Anwendungen zu entwickeln. Als Entwicklungspartner der Autohersteller verfügen wir über die notwendige Expertise. 

Können Sie uns Ihr Vorgehen vielleicht noch etwas näher erklären?

Fuchs: Neu geschaffene Teams bei FUCHS in Deutschland, China und den USA konzentrieren sich derzeit auf das Thema E-Mobilität, analysieren die Kundenanforderungen und definieren die passenden Produkte für die Märkte der Zukunft. Schon rund 100 Projekte rund um Elektro- und Hybridfahrzeuge wurden in enger Abstimmung mit den Partnern aus der Industrie ins Leben gerufen. Bereits jetzt sind wir mit entsprechenden Produkten in Elektro- und Plug-In-Hybrid-Modellen verschiedener führender europäischer Hersteller vertreten, die schon auf dem Markt sind oder demnächst auf den Markt kommen werden. 

Was gilt es denn bei den neuartigen Schmierstoffen zu beachten?

Fuchs: Das Fließen von Strom stellt hohe Anforderungen an den Schmierstoff – aber auch die hohen Temperaturen und Drehzahlen, die wegen der enormen Leistungsdichte in E-Antrieben herrschen. Ein großes Thema sind auch unsere High-Performance-Schmierfette, denen im E-Auto eine noch größere Bedeutung zukommt. Schmieren sie in sogenannten „trockenen“ Antrieben doch statt des Öls den Elektromotor und müssen damit bei den schon genannten höheren Temperaturen und Drehzahlen so manchen Härtetest bestehen. Aber auch die Kälte bedeutet größere Herausforderungen. So muss beispielsweise eine Lenkung, die im Elektroauto ohne die Strahlungswärme eines Verbrennungsmotors auskommen muss, bei kälteren klimatischen Bedingungen noch einwandfrei leichtgängig und geräuschlos funktionieren.  

 Braucht man denn auch komplett neue Produkte? 

Fuchs: Davon sind wir überzeugt. Beispielsweise Thermofluide, die bei der Batterie als zentralem Baustein im elektrischen Antrieb eine „Wohlfühltemperatur“ zwischen 15 und 30 Grad sicherstellen – und auch bei den Schnellladesäulen zur Kühlung dringend benötigt werden.  

 Ist das traditionelle Motoröl nun ein Auslaufprodukt? 

Fuchs: Nein, auf keinen Fall – deshalb werden wir hier unseren traditionellen Markt auch nicht aus dem Auge verlieren. Beispielsweise bei der Landtechnik sowie im sogenannten Offroadbereich gibt es derzeit noch sehr wenig Alternativen zum Verbrennungsmotor. 

Die Fragen stellte Ulla Cramer.