Interview mit Thomas Kowalski, Vorstandsmitglied der Sparkasse Rhein Neckar Nord

„Manchmal müssen wir auch Psychologen sein“

Von Tilgungsaussetzungen bis zu KfW-Krediten: Mit zahlreichen Maßnahmen hilft die Sparkasse Rhein Neckar Nord ihren Kunden durch die Corona-Pandemie.

Mit welchen Problemen kamen die Firmen in der Corona-Pandemie anfangs auf Sie zu und wie konnten Sie ihnen helfen?

Thomas Kowalski: Die ersten Gespräche mit unseren Kunden waren häufig sehr emotional und wir waren oft nicht nur als Problemlöser, sondern auch als Psychologen gefragt. Keine Umsätze, keine Aufträge, aber gleichbleibende Fixkosten – die Situation vieler Firmen war in der Tat äußerst schwierig. Wir halfen in einem ersten Schritt vor allem durch eine Anpassung der Kreditlinien der Girokonten. Bei laufenden Darlehen haben wir die Tilgungen ausgesetzt – in der Regel bis Frühjahr 2021. Da haben wir schneller reagiert als beispielsweise die KfW und darauf bin ich schon ein bisschen stolz.

Als Unterstützung für den Mittelstand hat der Bund ein großes Kreditprogramm über die staatliche Förderbank KfW auf den Weg gebracht. Die Abwicklung lief jedoch über die Hausbanken … Kowalski: Dieses Thema hat uns über Monate beschäftigt und wir haben über die KfW bis zum 31. Juli 2020 Kredite von rund 22 Millionen Euro ausgegeben. Den größten Anteil machten Darlehen zwischen 50.000 und 200.000 Euro aus. Der Knackpunkt: Die KfW und damit der Staat übernehmen zwar in der Regel 90 Prozent des Ausfallrisikos – doch die Prüfpflicht liegt bei uns. Werden uns hier Versäumnisse nachgewiesen, stehen wir für die gesamte Summe gerade, wenn der Schuldner den Kredit nicht zurückzahlt. Ergänzend haben wir unsere Kunden auch bei Themen unterstützt, die eigentlich nicht in unserer ureigenen Kompetenz liegen – angefangen von Kurzarbeit bis zur Steuerstundung.

Wie sind Sie mit der Herausforderung durch die KfW-Kredite umgegangen?

ZUR PERSON Thomas Kowalski gehört seit Juli 2020 neben Stefan Kleiber und Helmut Augustin dem Vorstandstrio der Sparkasse Rhein Neckar Nord an. Aufgewachsen in Bochum, arbeitete der Wirtschaftswissenschaftler unter anderem bei der Santander Bank in Köln, bevor er 2012 zur Sparkasse nach Mannheim wechselte. Nach der Leitung der Filialdirektion Mannheim Nord und des Firmenkundengeschäfts rückte er nun in den Vorstand auf.

 

Kowalski: Wir haben unsere Kapazitäten auf diesen Bereich konzentriert – vor allem unsere 50 Firmenkundenberater und in etwa die gleiche Zahl an Mitarbeitenden im Backoffice. Diese wurden geschult und regelmäßige Meetings angesetzt. Die große Herausforderung war, dass quasi täglich Änderungen von Seiten der KfW und auch der Kommunen ins Haus flatterten. Aus diesem Grunde haben wir Newsletter für unser Haus, aber auch für Kommunen, erstellt, in denen die Updates unmittelbar kommuniziert wurden.
Wie liefen denn die Kontakte zu Ihren Kunden, da doch ein Großteil Ihrer Filialen geschlossen war? Kowalski: 19 unserer 31 Filialen waren zeitweise geschlossen – und in den offenen Niederlassungen mussten wir Sicherheitspersonal einsetzen, weil das Klima dort oft aufgeheizt war. Das war ein immenser Kostenfaktor für uns. Doch über eine spezielle Hotline, erhöhte Kapazitäten in den Callcentern und die Umstellung auf Videoberatung konnten wir diese Problematik weitgehend auffangen.

Wie beurteilen Sie die Situation der Wirtschaft in der Region derzeit?

Kowalski: Wir sehen aktuell eine leichte Erholung – und hatten bei unseren Kunden bisher noch keine Insolvenzen zu beklagen. Wir können nur hoffen, dass die Situation bei uns stabil bleibt.
Seit Juli 2020 sind Sie Vorstandsmitglied der Sparkasse Rhein Neckar Nord – vorher waren Sie lange Jahre bei der Santander Bank in Köln beschäftigt. Was hat Sie zu diesem Wechsel bewogen? Kowalski: Ich schätze bei einer regionalen Bank wie der Sparkasse Rhein Neckar Nord vor allem die Möglichkeit, etwas zu bewegen und eigene Ideen einzubringen. Das ist bei einem international aufgestellten Institut schwieriger möglich. Außerdem schätze ich die optimistische und vorwärts gerichtete Art der Mannheimer und habe mich auch auf Dauer hier niedergelassen. Im Laufe des Jahres 2021 werden meine Frau und ich in unser neues Haus auf dem Konversionsareal Franklin ziehen.

Das Interview führte Ulla Cramer.