Interview mit Top-Handballer Uwe Gensheimer
„Mannheim ist meine Heimatstadt“

2019 kehrte Uwe Gensheimer, Kapitän der deutschen Handball-Nationalmannschaft, nach einem Zwischenspiel bei Paris Saint-Germain wieder zu den
Rhein-Neckar Löwen zurück. Foto: Binder

Drei überaus erfolgreiche Jahre spielte der bekannteste deutsche Handballer Uwe Gensheimer beim französischen Spitzenclub Paris Saint-Germain (PSG). Mit dem Verein wurde der Ausnahmesportler mehrfach Meister. 2019 kehrte der Linksaußen zu den Rhein-Neckar Löwen zurück, bei denen er bereits zuvor 13 Jahre unter Vertrag stand. „Mannheim – Stadt im Quadrat“ sprach mit Gensheimer über seine Zeit in Paris, seine Pläne für die Löwen und sein neues Restaurant.

Herr Gensheimer, wie sind Sie in Frankreich sprachlich klargekommen?

Uwe Gensheimer: Ehrlich gesagt hatte ich Französisch nach der elften Klasse abgewählt. Aber die Grundlagen hatte ich weiter drauf und bin sehr schnell wieder reingekommen.

Welche Erfahrungen haben Sie bei Paris Saint-Germain gemacht?

Gensheimer: Der Club ist einfach das Maß aller Dinge. Sportlich wie wirtschaftlich. Ich wäre auch nicht zu jedem Club gegangen. Alle Spiele waren ausverkauft, und für jeden Gegner war es das Spiel des Jahres. Das Team ist international aufgestellt und ich habe mit Kroaten, Dänen, Schweden und Spaniern gespielt.

Was war anders als in Deutschland? 

Gensheimer: Zum Beispiel der Zeitfaktor. Wir sind im Charterflieger zu Spielen der Champions League geflogen, was uns eine enorme Zeitersparnis brachte. In Frankreich ist auch die Sommerpause zwei Wochen länger, sodass die Spieler insgesamt über mehr Freizeit verfügen. Ein weiterer Unterschied ist, dass es in Deutschland mehr große Hallen als in Frankreich gibt und mehr Atmosphäre. Darum freue ich mich, wieder hier zu spielen.

Bereuen Sie das französische Intermezzo?

Gensheimer: Es war schon eine Herausforderung, in einem anderen Land zu leben und in dieser Liga mitzuspielen. Aber rückblickend bin ich sehr glücklich über diesen Schritt, da er mich sportlich auf ein anderes Level gehoben hat. Auch persönlich war es eine wichtige Erfahrung. 

  Nun sind Sie zu den Rhein-Neckar Löwen zurückgekehrt. War ein anderer deutscher Club je eine Option?

Gensheimer: Nein, Mannheim ist meine Heimatstadt und die Löwen waren immer mein Herzensverein.

Der Verein ist relativ jung. Welche Bedeutung hat er für Mannheim?

Gensheimer: Die Entwicklung des Vereins habe ich ja quasi von den Anfängen mitgemacht. Es gab große Widerstände von Seiten der damaligen Spielgemeinschaft Kronau/Östringen, nach Mannheim zu wechseln. Aber die wirtschaftlichen Möglichkeiten und die Aussicht, in einer Multifunktionshalle zu spielen, konnte man einfach nicht ausschlagen. Mittlerweile ist der Verein gut in der Stadt angekommen, was sich an seinem Renommee zeigt.

Wie werden die Löwen jenseits von Mannheim wahrgenommen?

Gensheimer: Sowohl in Deutschland als auch im europäischen Ausland habe ich die Erfahrung gemacht, dass der Verein mit der Stadt und der Region verbunden wird. Und inzwischen kommen die Fans auch aus Baden-Baden, Karlsruhe und der ganzen Pfalz. Unsere Ziele waren, die Anzahl der Dauerkarten zu erhöhen und den Einzugsraum zu vergrößern – das haben wir geschafft. 

Welche Ziele wollen Sie denn in der laufenden Saison erreichen?

Gensheimer: Es ist ein starker Wettbewerb. Aber wir wollen auf jeden Fall wieder in die Champions League einziehen. Der Vorteil der Löwen war immer unsere Konstanz. Mit der Hälfte der Mannschaft habe ich schon vor meinem Wechsel nach Paris zusammen gespielt. Nun haben wir allerdings einen neuen Trainer und es hat Umstellungen gegeben.

Mit Ihren Team-Kollegen Andy Schmid und Marko Vukelic haben Sie UANDWOO gegründet, eine Firma für Socken und Unterwäsche. Wie kam es dazu?

Gensheimer: Alle drei haben wir ein Faible für bunte Socken. Und damals gab es noch nicht so viele Anbieter. Und da wir Spaß an einem gemeinsamen Projekt hatten, wollten wir die Sache selbst antreiben und Socken produzieren. Unsere Popularität hat uns beim Start natürlich geholfen.

  Sie haben BWL studiert. Was ist Ihr Part im Unternehmen?

Gensheimer:  Anfangs haben wir zu dritt das Konzept entworfen und auch selbst designt. Inzwischen haben Experten die Aufgaben übernommen, weil wir es zeitlich nicht mehr leisten konnten. Andy Schmid ist übrigens ebenfalls BWLer.

 Wo sind denn Socken von UANDWOO in Mannheim erhältlich?

Gensheimer: Bislang gab es unsere Artikel nur im Online-Shop. Aber zukünftig sollen sie auch im Einzelhandel angeboten werden.

 Trotz all Ihrer Verpflichtungen haben Sie mit dem Cornelienhof ein neues Projekt gestartet. Wie kam es dazu?

Gensheimer: Mit meinem Partner Boris Antic habe ich zusammen Abitur gemacht. Wir kennen uns also schon sehr lange, und außerdem verbindet uns eine Vorliebe für gute Küche. Boris führt bereits erfolgreich zwei Restaurants, und als wir auf den leer-
stehenden Cornelienhof in Mannheim-Neckarau stießen, war klar, dass wir gemeinsam einen Neustart wagen wollen.

Im Netz ist der Cornelienhof lediglich bei Instagram zu finden. Ansonsten halten Sie sich mit PR eher bedeckt. Ist das Restaurant nur etwas für Insider?

Gensheimer: Nein, da wir uns mit der Eröffnung im Mai 2019 erst in der Anfangsphase befinden, wollten wir nicht, dass uns die Leute die Bude einrennen, und dann klappen die Dinge womöglich nicht so, wie sie geplant waren.

Welches Konzept verfolgen Sie und wie ist die bisherige Resonanz?

Gensheimer: Es ist sehr gut angelaufen und die Leute sind zufrieden. Wir haben eine kleine Karte, die alle zehn Tage wechselt und ausschließlich beste Qualität bietet. Der Cornelienhof soll ein Ort sein, an dem wir uns selbst auch wohlfühlen.

Sind Sie selbst ein bislang unbekanntes Kochtalent?

Gensheimer: Nein, und niemand muss befürchten, dass ich kochen werde. Aber ich werde jedem Gast, der es wünscht, einen Espresso oder Kaffee machen.

Die Fragen stellte Markus Weckesser.