Interview mit Uwe Köhn, Geschäftsführer der Staatlichen Rhein-Neckar-Hafengesellschaft Mannheim mbH | Wachwechsel im Hafen

Steht seit Anfang 2021 an der Spitze des Hafens: Uwe Köhn FOTO: PRIVAT

Hafendirektor Uwe Köhn ist fest überzeugt: Häfen sind wichtig für die erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung des Landes und die Binnenschifffahrt ist eine umweltfreundliche Transportoption, die gerade mit Blick auf den Klimaschutz und eine Verkehrswende dringend zu stärken ist.

Welche Bedeutung hat der Hafen für die Mannheimer Wirtschaft?
Uwe Köhn: Der traditionsreiche Mannheimer Hafen an Rhein und Neckar ist eine einzigartige Logistikdrehscheibe, die alle Verkehrsträger verbindet. Das Motto dabei lautet: soviel Wasser und Schiene wie möglich, soviel Straße wie nötig. Denn nur wenn wir diese Verkehrsverlagerung noch besser schaffen, wird auch der Verkehrssektor seine Klimaschutzvorgaben erreichen. Der Hafen hilft mit seiner Infrastruktur auch den ansässigen Unternehmen, ihren Treibhausgas-Footprint zu verringern und damit künftig noch deutlich steigende CO2-Abgaben zu vermeiden. Diese Unternehmen schaffen 13.500 Arbeitsplätze und sind damit die Grundlage für den Wohlstand vieler Familien. Daher: Wer den Hafen stärkt und unterstützt, hilft auch der Wirtschaft bei der anstehenden Transformationsaufgabe und trägt dazu bei, Arbeitsplätze zu erhalten.

Wie sehen Sie die Zukunft des Hafens?
Köhn: Der Green Deal der Europäischen Kommission zum Klimaschutz macht noch einmal deutlich: Wir alle müssen uns auf ungeheure Anstrengungen gefasst machen, um den nachfolgenden Generationen eine lebenswerte Erde zu hinterlassen. Hier müssen wir auch im Hafen ansetzen. Wir wollen Teil der erforderlichen Infrastruktur zur Bewältigung dieser Aufgabe sein. Dazu gehören leistungsfähige Umschlags- und Gleisanlagen, um Transporte über Schiene und Wasser weiter auszubauen. Aber auch bei der Bereitstellung von Treibstoffen für umweltschonende Antriebe wie Wasserstoff, Methan, LNG und natürlich Strom wollen wir helfen, dies zu gewährleisten. Daneben möchten wir die von uns verwalteten Gebäude künftig noch nachhaltiger betreiben. Das erfordert erhebliche Investitionen, beispielsweise in Gebäudedämmung, neue Heizsysteme und die Installation weiterer Photovoltaik.

ZUR PERSON
Einer der größten Binnenhäfen Europas hat einen neuen Chef: Uwe Köhn (59) ist seit 1. Januar 2021 Hafendirektor in Mannheim. Nach verschiedenen Stationen im baden-württembergischen Finanz- sowie im Staatsministerium war der Jurist und leidenschaftliche Segler zuletzt Chef des Rheinhafens von Kehl, dem zweiten der beiden landeseigenen baden-württembergischen Häfen, und kennt den Mannheimer Hafen und dessen Bedeutung seit Jahren.

Was sind die wichtigsten Herausforderungen?
Köhn: Die Stärke des Mannheimer Hafens ist zugleich seine Schwäche: die Nähe zur Stadt inmitten einer wirtschaftsstarken Metropolregion. Einerseits trägt er zur Versorgung mit Waren und Gütern bei. Andererseits braucht er dafür aber gesellschaftliche Akzeptanz und Raum zur Entwicklung. Dafür müssen wir uns einsetzen. So kann beispielsweise die Suche nach Win-win-Situationen zwischen Hafen und Stadt einen Interessenausgleich bewirken. Ein Beispiel: Der Hafen ermöglicht auf seinen Flächen einen Micro-Hub zum Umladen auf E-Bikes für die Belieferung der Innenstadt – und die Stadt verbessert dort die Lebensqualität durch reduzierte lokale Emissionen. Oder: Der Hafen ermöglicht Infrastruktur zur Versorgung mit Wasserstoff, den die Stadt auch für ihren Fuhrpark nutzen kann. Hier müssen Stadt und Hafen im konstruktiven Dialog bleiben.

Das Interview führte Kira Hinderfeld.