
Foto: Hitachi Energy
Mannheim liegt beim Zuwachs ausländischer Direktinvestitionen in Deutschland ganz oben. Besonders Global Player aus Asien zieht es in die Quadratestadt.
Von Ulla Cramer
Als Anbieter hochwertiger Stromkabel und Systemlösungen spielt Südkabel, ein Unternehmen mit über 125 Jahren Erfahrung, eine Schlüsselrolle beim Ausbau der Energieinfrastruktur und der Stromnetze in Deutschland und Europa. Im Oktober 2024 wurde bei dem traditionsreichen Mannheimer Unternehmen ein neues Kapitel aufgeschlagen: Sumitomo Electric, weltweit führend in den Bereichen Energieübertragung, Werkstofftechnologie und Energielösungen mit über 290.000 Mitarbeitern in 40 Ländern, übernahm die Firma von der Wilms-Gruppe.
Eine enge Kooperation zwischen den beiden Unternehmen begann bereits 2020, als Sumitomo Electric den Auftrag des Übertragungsnetzbetreibers Amprion für das weltweit erste 525-kV-HVDC-XLPE-Kabelprojekt (A-Nord) erhielt, in dessen Rahmen eine neue Gleichstromverbindung verlegt werden soll, die Windstrom aus dem Norden Niedersachsens nach Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg transportiert – eines der zentralen Projekte der Energiewende in Deutschland.
„Südkabel wurde dabei mit einem Teil der Kabelproduktion betraut – der Auftakt einer bedeutenden strategischen Zusammenarbeit“, sagt Hiroshi Shikata, neuer Präsident der Südkabel GmbH. Im Juni 2024 erhielt Sumitomo Electric einen weiteren Auftrag von Amprion für eine zweite geplante Stromleitung, das Projekt Korridor B – und entschied sich, in Deutschland in eine eigene Kabelproduktion zu investieren. „Um diese großen Vorhaben in Deutschland mit einem Gesamtvolumen von über drei Milliarden Euro erfolgreich umzusetzen, übernahm Sumitomo Electric im Oktober 2024 Anteile von Südkabel in Höhe von 90 Prozent.“
Gleichzeitig wurde beschlossen, rund 90 Millionen Euro in die Anlagen von Südkabel zu investieren, um die Produktionskapazitäten weiter auszubauen – ein Prozess, an dem wir bereits intensiv arbeiten“, berichtet Shikata. Schon kräftig aufgestockt wurde die Belegschaft: von 260 bei der Übernahme auf 360 im Sommer 2025 – und weitere Mitarbeiter werden gesucht.
Im Bereich Energiewende ist auch Hitachi Energy unterwegs. Nach der Übernahme der Energietechnik-Sparte von ABB, die in zwei Schritten 2020 und 2022 an den japanischen Konzern überging, ist Mannheim Hauptsitz der Hitachi Energy Germany AG. Von rund 700 Mitarbeitern, die ursprünglich von ABB übernommen wurden, ist die Belegschaft in Mannheim inzwischen auf rund 1.000 angestiegen. Die neue Unternehmenszentrale im Gewerbegebiet Columbus auf dem ehemaligen Konversionsareal Franklin wird Ende 2025 bezugsfertig sein.
Hitachi Energy entwickelt und liefert Produkte für Stromnetze wie Transformatoren und Schaltanlagen. Das Geschäft der beiden Systembereiche Grid Automation und Grid Integration in Deutschland wird aus Mannheim gesteuert. Im Bereich Grid Automation geht es unter anderem um die Automatisierung und Digitalisierung in Umspannwerken oder im Netz.
Der Bereich Grid Integration umfasst einen weiten Bereich von Anwendungen für das Stromnetz auf der Verteil- und der Übertragungsebene, die z. B. eine effiziente Integration erneuerbarer Energien ermöglichen. So werden z. B. sogenannte STATCOM-Anlagen gebraucht, um das Netz zu stabilisieren, da immer mehr Kraftwerke vom Netz gehen. In Korridorprojekten wie SuedLink DC4 (TenneT) oder Korridor B (Amprion), bei dem auch Südkabel engagiert ist, wird die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungs-Technologie (HGÜ) eingesetzt, die Hitachi Energy vor mehr als 70 Jahren entwickelt hat, um Strom innerhalb Deutschlands effizient zu übertragen. Realisiert wurden von dem Unternehmen auch mehrere Projekte zur Integration der in Windparks in der Nordsee gewonnenen Energie ins Stromnetz an Land wie BorWin1 und DolWin1 und 2. In Mannheim sind außerdem die Funktionsbereiche des Unternehmens wie Personal, Finanzen, Rechtsabteilung und Kommunikation angesiedelt.

Foto: Develon
Der japanische Konzern Kyocera hat 2019 die Keramiksparte von Aliaxis Deutschland in Mannheim-Friedrichsfeld übernommen und Mannheim als Stammsitz der neu gegründeten Kyocera Fineceramics Europe etabliert. Mit dem Plan, sich auch auf dem europäischen Markt stärker mit seinen Hochleistungskomponenten aus Keramik zu etablieren, ist Kyocera Fineceramics Europe seitdem deutlich vorangekommen. Mitte 2025 wurde ein neues Verwaltungs- und ein neues Produktions- und Logistikgebäude auf dem neu erworbenen Gelände bezogen (siehe auch Seite 90).
Die Eröffnung seiner neuen Deutschlandzentrale hat Develon, die Marke für Baumaschinen des südkoreanischen Konzerns HD Hyundai Infracore (früher: Doosan Construction Equipment), im April 2025 in Mannheim gefeiert. In weniger als zwölf Monaten Bauzeit realisierte der Viernheimer Projektentwickler Adler Immobilien Investment auf einem rund 11.000 Quadratmeter großen Grundstück in der Lembacher Straße 30 die neue Zentrale. Der Vertriebs-, Miet- und Servicestandort in Mannheim dient als strategischer Knotenpunkt und Basislager für Ingenieure und Produktmanagement. Die Region Deutschland/Österreich/Schweiz spielt eine zentrale Rolle bei der Expansion in Europa des südkoreanischen Unternehmens, einem der weltweit größten Hersteller für Baumaschinen und Motoren (siehe auch Seite 91). ■
