Investitionen in die Zukunft

Bekenntnis zum Standort Mannheim

Von FUCHS PETROLUB über ABB, Siemens, BAUHAUS und die Heinrich Schmid-Gruppe bis zur Geschichtsagentur H&C Stader: In Mannheim entstehen derzeit zahlreiche neue Firmengebäude. Sie werden den Anforderungen an Klimaneutralität und Energieeffizienz, aber auch an die aktuellen New Work-Modelle gerecht.

VON ULLA CRAMER

Gemütliche Räume dienen dem Austausch zwischen den Mitarbeitenden. FOTO: FUCHS

FUCHS PETROLUB: Neue Heimat für die Holding

Die Stimmung war gut am 24. Juni 2022: Bei den Klängen einer Live-Band, leckerem Fingerfood und Cocktails feierten die Mitarbeitenden von FUCHS PETROLUB die offizielle Einweihung des neuen Holding-Gebäudes in der Einsteinstraße 11, das mit den ehemaligen Arbeitsplätzen in der Friesenheimer Straße fußläufig über eine Brücke über die Bahnschienen verbunden ist. Auch der einsetzende Regen konnte die gute Laune nicht verderben. „Ich schätze an unserem neuen Gebäude besonders die Möglichkeiten zum persönlichen Austausch und zum Beisammensein“, so Simone Binder, Manager Corporate Marketing & Communications. „Wohnlich eingerichtete Treffpunkte wie der mit Sesseln und Couch ausgestattete Hangout-Room sind perfekt geeignet für eine entspannte Kommunikation.“

Die rund 170 Mitarbeitenden von FUCHS PETROLUB waren in den letzten Jahren auf mehrere Standorte verteilt. Seit April 2022 sind sie nun wieder unter einem Dach vereint. Auf einem Grundstück von mehr als 15.000 Quadratmetern entstanden Büros mit insgesamt 226 Arbeitsplätzen. Neben dem Hangout-Room bieten eine Cafeteria mit Terrasse und ein Gaming-Room mit Tischtennisplatte Gelegenheiten zum Krafttanken und Auspowern. Motivation und Kreativität werden in speziell eingerichteten Design Thinking-Räumen gefördert. Von 278 Pkw-Stellplätzen sind 100 mit Elektroladepunkten ausgestattet. Bei derzeit insgesamt 48 Dienstfahrzeugen werden diese bereits von 18 Hybriden genutzt – und die Nachfrage steigt stetig. Rund 25 Millionen Euro wurden in den Bau investiert. Das alte Gebäude in der Friesenheimer Straße kann nun komplett von der FUCHS-Tochter FUCHS LUBRICANTS GERMANY genutzt werden.

ABB CAMPUS: Innovationszentrum wächst empor

Gut ein Jahr nach Spatenstich und Baustart feierte ABB am 29. April 2022 das Richtfest für sein neues Innovationszentrum an der Ecke Rollbühlstraße/Kallstadter Straße in der zukünftigen Halle des Forschungszentrums, einer der Bereiche, der hier angesiedelt werden wird.„Campus bezeichnet im Amerikanischen Universitätskomplexe – und im Einklang damit sehen wir unseren ABB Campus als Innovationszentrum für industrielle Digitalisierung und Künstliche Intelligenz”, erklärte Markus Ochsner, Vorstandsvorsitzender der ABB AG, die Namenswahl. „Hier werden ABB-Forschung, die Geschäftsbereiche des Unternehmens, seine Kunden und Partner sowie Universitäten und Start-ups unmittelbar zusammengebracht.” Das fünfgeschossige Gebäude, in dem über 1.300 Mitarbeitende ihren Arbeitsplatz finden werden, ist 28 Meter hoch und weist eine Bruttogeschossfläche von rund 30.000 Quadratmetern sowie eine Nutzfläche von knapp 26.000 Quadratmetern auf.

Feiern das Richtfest für das neue Innnovationszentrum: Ralf Eisenhauer, Bürgermeister für Bauen, Planung, Verkehr und Sport Mannheim (l.), und Markus Ochsner, Vorstandsvorsitzender ABB AG. FOTO: ABB/ANDREAS HENN

Das Bauvorhaben wird ein Vorzeigeprojekt im Sinne von Smart Buildings. Das komplette ABB-Portfolio an intelligenten Produkten und Systemen sowie digitalen Technologien zur Gebäudeautomation und Energieverteilung wird hier verbaut. Die eingesetzten Lösungen leisten einen wesentlichen Beitrag zu Energieeffizienz, Klimaschutz, Ressourcenschonung und Komfort. Im Rahmen des Neubaus konsolidiert ABB die Standorte in der Metropolregion Rhein-Neckar von drei auf zwei in Mannheim und Heidelberg und gibt den Standort in Ladenburg auf. Das Raumkonzept unterstützt eine flexible Nutzung der Arbeitsplätze. In ihre Ausgestaltung wurden die Beschäftigten von Beginn an eng eingebunden.

SIEMENS: Umzug in neues Domizil

Die Struktur und technische Ausstattung der aktuell angemieteten Flächen der Siemens-Niederlassung in der Dynamostraße entsprechen nicht mehr den Anforderungen an Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und die notwendige flexible Flächengestaltung für die neuen Arbeitsmodelle der Siemens AG. Im Frühjahr 2024 will der Mannheimer Standort des Technologiekonzerns deshalb umziehen. Neue Adresse: die Hans-Thoma-Straße im Stadtteil Neuostheim. „Hier finden sich ideale Voraussetzungen für Siemens, seine Kunden sowie unsere rund 660 Mitarbeitenden und Auszubildenden“, ist Jürgen Britzius, Sprecher der Niederlassung, überzeugt. „Die SAP Arena sowie die Duale Hochschule Baden-Württemberg, mit der wir eng zusammenarbeiten, liegen in unmittelbarer Nähe. Die Mannheimer Innenstadt sowie der Hauptbahnhof sind über die innerstädtischen Verkehrsachsen mit Fahrrad, Pkw und den öffentlichen Verkehrsmitteln in wenigen Minuten erreichbar und der Standort hat eine ausgezeichnete Anbindung an die Autobahn 656, die A6 sowie die Bundesstraßen 38a und 36.“

Die Mannheimer Siemens-Niederlassung wird in ein Multi-User-Objekt in der Hans-Thoma-Straße einziehen. FOTO: ADLER IMMOBILIEN INVESTMENT

Durch einen CO2-neutralen Gebäudebetrieb, der durch den Einsatz von Wärmepumpen und Wärmetauschern, Photovoltaik sowie Strom aus umweltfreundlichen Energieträgern ermöglicht wird, unterstützt der Umzug zudem das Ziel von Siemens, bis 2030 CO2-neutral zu sein. „Die Etagen werden außerdem so geplant und gebaut, dass sie unserem auf der Basis des ‚New Normal Working Model‘ entwickelten Siemens-Office-Konzept mit einer besonders effizienten Nutzung der Fläche entgegenkommen“, so Britzius. Der Bedarf an klassischen Schreibtischarbeitsplätzen wird dadurch geringer sein, der Bedarf an kollaborativen Flächen steigen. Insgesamt wird Siemens vor diesem Hintergrund weniger Gesamtbürofläche benötigen als in der Dynamostraße und nur etwa 75 Prozent der Bruttogeschossfläche mieten, die 14.700 Quadratmeter beträgt. Projektentwickler und Vermieter des Büroensembles ist Adler Immobilien Investment in Viernheim. Das Unternehmen plant zudem in der direkten Nachbarschaft ein zweites, 5.000 Quadratmeter großes Bürogebäude „ARTEM“ – und bringt damit den südlichen Teil des Gewerbegebiets Hans-Thoma-Straße deutlich voran. Fast alle dort angesiedelten größeren Grundstücke der Stadt Mannheim wurden bereits verkauft oder die Verträge stehen kurz vor ihrem Abschluss.

BAUHAUS: Fundament für die Zukunft

Ab Ende 2023 soll es soweit sein: Die Erweiterung des BAUHAUS Service Center Deutschland im Stadtteil Wohlgelegen wird bezugsfertig sein. Nach dem Abriss eines eingeschossigen Flachbaus 2021 entsteht auf dem Gelände in der Gutenbergstraße ein neues Bürogebäude. Das geplante Konzept soll dann gemeinsam mit den Bestandsgebäuden auf einer zusätzlichen Bruttogeschossfläche von rund 25.000 Quadratmetern Platz für weitere 650 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bieten, die derzeit an verschiedenen Standorten in Mannheim verteilt sind. Insgesamt bietet das erweiterte Service Center dann Raum für 1.500 Menschen. „BAUHAUS ist in den vergangenen Jahren beständig gewachsen – auch personell. Diesen Anforderungen trägt das Unternehmen mit einer Investition von rund 60 Millionen Euro Rechnung“, so Dieter Bien, Mitglied der Unternehmensleitung von BAUHAUS bei der Grundsteinlegung. „Wir legen damit das Fundament für die Zukunft, präsentieren uns als innovativer und attraktiver Arbeitgeber in der Region und verdeutlichen die enge und langjährige Verbundenheit zur Stadt Mannheim als unserem Gründungsort.“

Ziehen bei der Grundsteinlegung für die Erweiterung der BAUHAUS-Verwaltung an einem Strang: (v.l.) Dieter Bien, Mitglied der Unternehmensleitung BAUHAUS AG, Heinz Scheidel, geschäftsführender Gesellschafter DIRINGER & SCHEIDEL Unternehmensgruppe, Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz, Dieter Blocher, geschäftsführender Gesellschafter blocher partners, und Steffen Walter, Leiter Bau- und Planungsabteilung bei BAUHAUS    FOTO: BAUHAUS

Auf fünf oberirdischen und einem unterirdischen Geschoss sollen die Abteilungen Prozess- und Organisationsentwicklung, Service Desk, Expansion, Bau und Einrichtung, IT, Digital Commerce, Marketing und Logistik eine Heimat finden. Die Wahl des Arbeitsplatzes ist flexibel: Es kann überall im Gebäude gearbeitet werden, ob im Büro, dem Bistro, den offen gestalteten Besprechungsräumen oder – im Sinne der Nachhaltigkeit – der begrünten 3.000 Quadratmeter großen Dachterrasse mit Freiluftküche und Fernblick in den Odenwald oder den Pfälzer Wald. „Dieser Erweiterungsbau zeigt beispielhaft auf, wie auch in bestehenden Gewerbegebieten durch eine ökologisch sinnvolle Nachverdichtung und eine effiziente Flächennutzung neue Aufenthaltsqualitäten und attraktive Arbeitsplätze geschaffen werden können“, freut sich auch Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz über die Investition des Spezialisten für Werkstatt, Haus und Garten (siehe auch Seite 53).

HEINRICH SCHMID- UNTERNEHMENSGRUPPE: Alles unter einem Dach

Sie ist ein bundesweit aktiver Spezialist für die Renovierung und Sanierung von Bestandsbauten: die Reutlinger Heinrich Schmid-Unternehmensgruppe, die an über 150 Standorten rund 5.500 Mitarbeitende beschäftigt, davon rund 100 in Mannheim. In der Elsa-Brändström- Straße 33a in Mannheim errichtet das Unternehmen ein neues Büro- und Lagergebäude. Ende Dezember 2022 soll das vierstöckige Gebäude mit einer Brutto-Bürofläche von ca. 3.040 Quadratmetern, wovon die Hälfte zur Eigennutzung geplant ist, fertiggestellt werden. Zwei Stockwerke mit je einer Bruttogrundfläche von ca. 760 Quadratmetern werden als Bürofläche vermietet. Neben der Lagerhalle gibt es auch eine Lehrwerkstatt. „So können Mitarbeitende und Lehrlinge stärker gefördert werden. Eine bessere Erreichbarkeit für Kunden und die Lieferfähigkeit werden hierdurch ebenfalls sichergestellt. Schön ist auch, dass zwei Standorte aus Mannheim, die Generalisten und Spezialisten, künftig unter einem Dach zusammenkommen“, so Andreas Liebert, Geschäftsführer Komplettausbau, und Markus Olejniczak, Standortleiter Mannheim.

Bei der Grundsteinlegung zum Büro- und Lagergebäude der Heinrich Schmid-Unternehmensgruppe: (v.l.) Andreas Liebert, Geschäftsführer Komplettausbau, Markus Olejniczak, Standortleiter Mannheim, Carlo Schmid und Dr. Carl-Heiner Schmid, Gesellschafter, Dieter Lohner, Geschäftsführer Verwaltungs-GmbH, Wirtschaftsbürgermeister Michael Grötsch, Max Schmid, Gesellschafter. FOTO: HEINRICH SCHMID-UNTERNEHMENSGRUPPE

„Der Neubau in Mannheim ist das erste Projekt von Heinrich Schmid, bei welchem neben einem Großteil der Ausbauleistungen die Projektleitung, die Bauleitung und große Teile der Planung aus dem eigenen Haus kommen. Wir legen den Fokus dabei nicht nur auf die Errichtung einer eigenen Immobilie für den Standort Mannheim, sondern betrachten es auch als ‚Lern- und Entwicklungsprojekt‘, um Erfahrungen der gesamtheitlichen Projektabwicklung im eigenen Haus zu sammeln und Heinrich Schmid dabei übergreifend in vielen Bereichen weiterzuentwickeln“, fasst Florian Neidhart, Geschäftsführer Heinrich Schmid Immobilienmanagement, zusammen.

„Wirtschaftsunternehmen zu fördern heißt in einigen Fällen auch, dass wir städtische Grundstücke an diese abgeben. Dieses Grundstück haben wir der Heinrich Schmid-Unternehmensgruppe für ihren Neubau überlassen, weil wir in dem Unternehmen einen Partner erkannt haben, der genauso wie wir die Erreichung der Nachhaltigkeitsziele des städtischen Leitbilds 2030 unterstützt. Unternehmen, die ihre soziale Verantwortung ausfüllen und eben darum wirtschaftlich erfolgreich bleiben, spielen für uns eine wichtige Rolle“, so Wirtschaftsbürgermeister Michael Grötsch.

H&C STADER: Raum für Unternehmensgeschichte

Ob 100 Jahre DIRINGER & SCHEIDEL oder 200 Jahre Sparkasse Rhein Neckar Nord: Die Mannheimer Geschichtsagentur H&C Stader ist fast immer mit im Boot. Ende 2023, zehn Jahre nach seiner Gründung, plant das Unternehmen nun den Einzug in einen modernen Büro- und Magazinneubau auf den TAYLOR-Konversionsflächen. Unter einem Dach werden die beiden Unternehmenssparten History & Communication, also die Aufarbeitung der Firmenhistorie, ihre Darstellung in ansprechenden und modernen Formaten sowie der Bereich Archiv vereint. Teil des Fachbereichs Archiv ist die Beratung und der Aufbau von Unternehmensarchiven sowie die Unterstützung beim laufenden Betrieb bereits etablierter Unternehmensarchive. Kunden kann H&C Stader hier zudem die dauerhafte sichere Unterbringung ihres Firmenerbes gewährleisten.

Freuen sich auf den Neubau für ihr Unternehmen auf dem Konversionsareal TAYLOR: Dr. Ingo Stader (l.) und Ingo Fiedler. FOTO: CHRISTOPH BEHRMANN

Das Erdgeschoss des Neubaus verfügt über eine Rollregal-Anlage für 3,5 km analoge Aktenbestände und ist mit moderner Sicherheits- und Klimatechnik ausgestattet. Räumlichkeiten für die Restaurierung und Konservierung von gefährdeten Beständen sind ebenso vorhanden wie die technische Ausstattung zur Digitalisierung und langfristigen Sicherung aller gängigen Medienformate. Das Büro- und Magazingebäude versteht sich zudem als „History Hub“, in dem Tagungen und Seminare zu Themen aus den Bereichen Unternehmens- und Wirtschaftsgeschichte abgehalten werden sollen. „Mit einem Investitionsvolumen von über vier Millionen Euro setzen wir klar auf weiteres Wachstum und bekennen uns zum Agenturstandort Mannheim“, so Dr. Ingo Stader, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens, das an den Standorten Mannheim, Hamburg und Berlin aktuell 25 Mitarbeitende zählt. „Und dass uns die Stadt Mannheim mit einem kostengünstigen Grundstück auf einem geschichtsträchtigen Areal wie TAYLOR unterstützt hat, ist für uns natürlich ein echter Traum“.