Joblinge

Chancen für alle

Die Initiative „Joblinge“ ermöglicht jungen Menschen, einen Job oder einen Ausbildungsplatz zu bekommen – unabhängig von der Herkunft.

Von Jörg Runde

Für viele Jugendliche und junge Erwachsene ist der Weg ins Berufsleben heute längst nicht mehr selbstverständlich. Vor allem diejenigen, die aus schwierigen sozialen Verhältnissen stammen, geraten häufig ins Hintertreffen. Nach Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung sind aktuell 2,8 Millionen Menschen zwischen 20 und 34 Jahren deutschlandweit ohne Ausbildung, 630.000 Menschen unter 24 Jahren sind weder in der Schule noch in einem Job.

Fehlende Netzwerke, Sprachbarrieren, persönliche Rückschläge oder mangelndes Selbstvertrauen stellen auf dem Weg in eine ­gesicherte Erwerbstätigkeit eine große Hürde dar. Hier setzt das Programm Joblinge an – seit 2022 auch mit einem Standort in Mannheim.

Jeder verdient eine faire Perspektive

Die Grundidee ist, jungen Menschen – unabhängig von ihren bisherigen Lebensumständen – zu einer Chance zu verhelfen, sich ihren Ausbildungs- oder Arbeitsplatz aus eigener Kraft zu erarbeiten. Das sechsmonatige Programm richtet sich an Kandidaten zwischen 15 und 30 Jahren.

„Meist fehlt es ihnen nicht an Motivation, sondern an gezielter Unterstützung und an dem Wissen, wie sie den entscheidenden ersten Schritt ins Berufsleben schaffen können“, erklärt Lavan Sabir, Managing Director der Joblinge Metropolregion Rhein-Neckar. Sie sieht den Ansatz ihrer Organisation als Baustein im Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit und für mehr Chancengleichheit in der Region.

Intensive Begleitung: mehr als nur Bewerbungstipps

Was Joblinge von anderen Maßnahmen unterscheide, sei der ganzheitliche und praxisnahe Ansatz. Zentral sei die Eins-zu-eins-Betreuung durch ehrenamtliche Mentorinnen und Mentoren aus Wirtschaft und Gesellschaft. Sie begleiten die Teilnehmenden über die gesamte Programmdauer hinweg, hören zu, motivieren. Sie bieten nicht nur Ratschläge rund um Bewerbung, Praktikum, Umgangsformen oder Berufswahl – sie bauen gleichzeitig Brücken ins Berufsleben.

Diese persönliche Beziehung schafft Vertrauen und gibt Halt, insbesondere wenn es schwierig wird. „„Eine Absage auf eine Bewerbung, Prüfungsängste oder die Sorge, im Betrieb nicht akzeptiert zu werden: Oftmals sind es kleine Rückschläge, die junge Menschen aus der Bahn werfen können. Da ist es ungemein wertvoll, jemanden an der Seite zu haben, der seine Erfahrung teilt und Mut macht, dranzubleiben“, so Sabir. „Joblinge ist ein wichtiger Baustein für Chancengleichheit und Integration in Mannheim“, sagt Oberbürgermeister Christian Specht.

Partnerunternehmen: Brücken zur Praxis

Die Arbeit der Joblinge Mannheim wäre ohne ein breites Netzwerk an Partnerunternehmen nicht möglich. Lokale Unternehmen wie Fuchs + Möller, Pfeiffer & May oder Trans-o-flex­ öffnen jungen Teilnehmern die Türen. Sie bieten Praktikumsplätze, Betriebs­führungen und geben vielfach im Rahmen sogenannter Azubi-Tage Einblicke in den ­Berufsalltag.

Immer öfter resultieren die ersten Einblicke auch in direkte Übernahmen in eine Ausbildung. So profitieren Betriebe ebenso wie die Jugendlichen, indem sie dringend benötigte Nachwuchskräfte kennenlernen, die sie andernfalls womöglich nie auf dem Radar gehabt hätten.

2,8

Mio. Menschen

zwischen 20 und 34 Jahren sind
deutschlandweit ohne Ausbildung

Informationsveranstaltungen, Workshops und Ansprache in Schulen, Jugendzentren oder sozialen Netzwerken sorgen dafür, dass auch junge Menschen angesprochen werden, die sich vielleicht mit dem klassischen Bewerbungsverfahren schwertun oder bisher wenig Zugang zum Ausbildungsmarkt hatten. Das Ergebnis gibt dem Ansatz recht: 2024 wurden 86 Prozent der Joblinge-Teilnehmer in eine Ausbildung vermittelt.

Erfolgsgeschichten, die Mut machen

Ein Beispiel ist Zahra Yaqubi, die in Afghanistan geboren wurde und über Schweden nach Deutschland kam. Sprachbarrieren, eine wiederholte Schulklasse und unzählige Absagen auf Bewerbungen prägten ihren Weg. Die junge Frau nahm am Programm teil und fand einen Ausbildungsplatz bei der Lieblang-Gruppe. „Wir erfahren immer wieder, dass Jugendliche über sich hinauswachsen, wenn sie ernst genommen werden und erleben dürfen, dass ihr Engagement gesehen und honoriert wird“, berichtet eine Mentorin. Viele Absolventen des Programms bleiben ihren Mentorinnen und Mentoren auch nach dem offiziellen Ende verbunden und geben ihre Erfahrungen als Mutmacher an die nächsten Teilnehmenden weiter.

Joblinge ist ein wichtiger Baustein für Chancengleichheit und Integration in Mannheim.

Oberbürgermeister Christian Specht

Die Begleitung endet nicht mit dem Start in die Ausbildung. Auch danach können die jungen Erwachsenen auf das Netzwerk und die Hilfe der Organisation zählen – beispielsweise bei Fragen rund um den Arbeitsalltag, Krisensituationen im Betrieb, oder wenn es um den nächsten Karriereschritt geht. Das Ziel: Niemand soll auf halber Strecke verloren gehen. Vielmehr werden die Berufseinsteiger auf ihrem Weg zu einem eigenständigen, stabilen Leben begleitet – so lange, wie sie es brauchen.