John Deere

Landmaschinen für die ganze Welt

Der Hafen Mannheim ist einer der größten Binnenhäfen Deutschlands.
Der Traktorenbauer John Deere nutzt den Rhein als umweltfreundliche Wasserstraße – zwei Binnenschiffe pendeln zwischen Mannheim und Rotterdam hin und her.

VON GABRIELE BOOTH

Linienverkehr auf dem Wasser? Zwischen Mannheim und der Nordsee ist das seit vielen Jahren Alltag. Nicht für Touristen, vielmehr für schwere Güter. Der Rhein ist die ökonomische Lebensader, die die Metropolregion Rhein-Neckar mit den Häfen Rotterdam und Antwerpen verbindet. Der Mannheimer Rheinauhafen ist Ausgangs- und Endpunkt für den Transport von Landmaschinen von John Deere. Regelmäßig legen hier die beiden holländischen Schiffe „Vera“ und „Dynamica“ an und nehmen ihre wertvolle Fracht auf: nagelneue Traktoren, die von hier aus auf ihre Reise in die ganze Welt geschickt werden.
Produziert wurden die Landmaschinen im John Deere-Werk in Mannheim-Lindenhof. Sie sind bestimmt für Kunden in Neuseeland, Australien und Südafrika. Aber auch Farmer in den USA, Irland und England haben die hochmodernen Traktoren aus Germany bestellt.
Der Ladevorgang ist Präzisionsarbeit. Denn die grünen Landmaschinen mit dem springenden gelben Hirsch als Emblem dürfen nicht nur keinen Kratzer bekommen, sie müssen zudem so geparkt werden, dass möglichst viele auf die Schiffe passen. Und so, dass die Fahrzeuge an der nächsten Station, in den Nordseehäfen Rotterdam und Antwerpen, für den Weitertransport ebenso problemlos wieder aus dem Schiffsbauch herausmanövriert werden können. Kein Problem für die Fahrer auf dem Mannheimer Speditionsgelände, die die verschiedenen Modelle sorgfältig nebeneinander parken.
Im Hafenbecken in der Antwerpener Straße auf dem Gelände von Rhenus Port Logistics RheinNeckar geschieht dies fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Die Fahrzeuge werden per Tieflader vom Werk Lindenhof in den Rheinauhafen gebracht, das dauert nur ein paar Minuten. Dann geht es den Rhein hinab zu den Nordseehäfen.
Das dauert 30 Stunden.

Von Mannheim aus steuert Markwart von Pentz unter anderem das Europa-Geschäft von John Deere.

Auch einige Stunden nimmt der Ladevorgang in Anspruch.Riesige Kräne und die Rollon-/Roll-off-Anlage machen im Hafen das Verladen der Giganten möglich. Pro Woche transportiert „Vera“ mit ihrem Schwesterschiff „Dynamica“ rund vierhundert Traktoren den Rhein hinunter. Je nach Größe passen 200 Traktoren auf ein Schiff. Im Linienverkehr sind die „Bargen“, so heißen die Binnenschiffe auf holländisch, 50 Wochen im Einsatz. Ihre Fracht besteht zu sechzig Prozent aus Mannheimer Traktoren, zu etwa dreißig Prozent aus Daimler-Fahrzeugen. Wenn „Vera“ und „Dynamica“ wieder nach Mannheim zurückkehren, sind sie nicht etwa leer. Meist haben sie in den USA produzierte größere Traktoren an Bord, die von euopäischen Landwirten – häufig in Osteuropa – bestellt wurden.
Schon seit Jahrzehnten nutzt John Deere diesen umweltfreundlichen Transport. Zwischen 13.000 und 15.000 Traktoren werden pro Jahr auf diesem Weg transportiert, ohne die Straßen zu belasten. Im Werk Mannheim von John Deere sind rund 2.800 Mitarbeiter beschäftigt. Hier laufen pro Jahr 30.000 Traktoren vom Band. Neunzig Prozent davon sind für den Export bestimmt, zehn Prozent bleiben in Deutschland. Am Standort Mannheim-Lindenhof ist zudem das Kompetenzzentrum für die Entwicklung der 5er und 6er Baureihe sowie die Bereichsleitung Europa untergebracht. Das US-amerikanische Unternehmen beschäftigt an sieben deutschen Standorten 6.900 Mitarbeiter. Das Mannheimer Werk ist die größte John Deere-Produktion außerhalb der USA.

„Die Transportmöglichkeit auf dem Rhein ist von unschätzbarem Wert für die Umwelt und unser Unternehmen.“

Markwart von Pentz, Präsident für Europa, CiS und Lateinamerika John Deere

Die Produktion von Landmaschinen hat in Mannheim Tradition. Die Wurzeln liegen bei der Heinrich Lanz AG, die schon Ende des 19. Jahrhunderts mit der Herstellung einer Dampfdreschgarnitur auf den Markt kam und in den 1880er-Jahren zur bedeutendsten Landmaschinenfabrik Europas wurde. Nach dem Tod ihres Gründers 1906 wurde die Fertigung in Mannheim-Lindenhof zusammengefasst.
Mit dem von Fritz Huber konstruierten „Bulldog HL“ mit Glühkopfmotor stellte Lanz 1921 den ersten Rohölschlepper der Welt her. Im Jahr 1956 erwarb der US-amerikanische Landmaschinenhersteller Deere & Company die Aktienmehrheit an der Heinrich Lanz AG,was 1960 zur Umfirmierung in „John DeereLanz AG“ führte. Seit 1967 heißt das Werk„John Deere Werke Mannheim“. Als eine der wichtigsten Wasserstraßen Europas bietet der Rhein die Möglichkeit, Güter aller Art kostengünstig und umweltfreundlich zu transportieren. Ein Binnenschiff ersetzt übrigens 150 Lkw. Im Hafen 2, im Süden Mannheims, haben sich Speditionen niedergelassen, die sich um die „dicken Brocken“ kümmern, die nur schlecht über die Straße transportiert werden können. Windräder, Turbinen, Schiffsmotoren für Hochseekreuzer oder Eisenbahnwaggons zum Beispiel. Mit der Fertigstellung der Roll-on-/Roll-offAnlage im Rheinauhafen schlug der Mannheimer Hafen schon im Jahre 1983 ein neues Kapitel auf und setzte umweltpolitische Akzente. Mit dieser Umschlaganlage für rollende Güter wurde die „schwimmende Landstraße“ zwischen Mannheim und den Seehäfen Antwerpen und Rotterdam eröffnet.