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Nachhaltig wirtschaften ist nicht mehr die Frage, die Frage ist nur: Wie geht es am besten? Im Mannheimer Energieeffizienz- und Nachhaltigkeitsnetzwerk KliMAnetz begeben sich Unternehmen gemeinsam auf den Weg.
Von Stefanie Ball
Ohne Nachhaltigkeit kommt kein Unternehmen mehr aus. Sowohl strategisch als auch operativ wird nachhaltiges Wirtschaften immer mehr in den Geschäftspraktiken verankert, das fordert die Regulatorik, das fordern aber auch Kunden sowie die eigenen Mitarbeiter. Trotzdem ist das Thema für viele Betriebe Neuland, und es fehlt vor allem an fachlicher Expertise. „Das Thema ist unumgänglich geworden, und wir wollen uns dem auch stellen“, sagt Marc-Steffen Lochbühler. Der 30-Jährige unterstützt seinen Großvater, seinen Vater und seinen Onkel bei der Führung der Geschäfte des Mannheimer Traditionsunternehmens Lochbühler Aufzüge.
Zusammen mit neun weiteren Mannheimer Unternehmen bildet Lochbühler Aufzüge seit April 2024 das Mannheimer Energieeffizienz- und Nachhaltigkeitsnetzwerk KliMAnetz. Das Projekt, das auf insgesamt drei Jahre angelegt ist, ist Teil der Bundesinitiative Energieeffizienz-Netzwerke und wird von der Klimaschutzagentur Mannheim organisiert und moderiert. Für die energietechnische Beratung ist dem Netzwerk eine externe Firma an die Seite gestellt, die Eproplan GmbH aus Stuttgart. Gemeinsame Ziele haben sich die Unternehmen auch schon gesetzt. So sollen zusammen Maßnahmen umgesetzt werden, die mindestens 2.400 MWh Energie jährlich einsparen. Dies entspricht einer zukünftigen jährlichen Reduktion der CO₂-Emissionen um rund 1.200 Tonnen.
Marc-Steffen Lochbühler betont, dass die Produktion des Unternehmens schon nachhaltig gewesen sei, bevor es das Wort überhaupt gab. „Wo möglich, modernisieren wir die Anlagen, anstatt sie komplett auszutauschen, und alte Bauteile wie zum Beispiel Stahlträger werden wiederverwertet.“ Doch die Liste eines schonungsvollen Umgangs mit Ressourcen, seien es Rohstoffe, Energie oder menschliche Arbeit, ist lang, und so lernen die einen von den anderen. „Nachhaltigkeit ist noch immer ein neues Thema, vieles verändert sich, da ist der Austausch wichtig“, sagt Nina Burger von Sax + Klee. Sie ist die Tochter von Geschäftsführer Andreas Burger und im Bauunternehmen offiziell für Nachhaltigkeit zuständig. Sie betont, dass es wichtig ist, bei diesem Thema branchenübergreifend und auch insbesondere entlang der Wertschöpfungskette, also mit Auftraggebern und Lieferanten, zusammenzuarbeiten. Dass Energieeffizienz und Klimaneutralität gerade die Baubranche vor große Herausforderungen stellen, sei dem Unternehmen bewusst: „Wir beschäftigen uns schon lange damit, aber Baustellen nachhaltig zu gestalten, ist eine komplexe Angelegenheit.“ Pilotmäßig wird zurzeit auf einer „perfekten Baustelle“ erprobt, wo Ressourcen, in erster Linie sind es die mit Diesel betriebenen Baugeräte, eingespart werden können.
Bei Diringer & Scheidel, dem Mannheimer Bauprojektentwickler, waren es die Nachhaltigkeitsberichtspflichten, die die Frage aufgeworfen haben: Wie machen wir das jetzt? „Andere Unternehmen stehen vor den gleichen Herausforderungen. Zu sehen, wie lösen das die anderen, ist extrem hilfreich“, berichtet Vorstandsassistentin Jaqueline Ott. Dass in dem Netzwerk unterschiedliche Branchen zusammenkommen, sieht sie nicht als Nachteil: „Die Fragen sind am Ende ähnlich.“ Sie betont zwar, dass der bürokratische Aufwand durch die gesetzlichen Berichtspflichten, für die Unternehmen detailliert Nachhaltigkeitsziele und Kennzahlen nachweisen müssen, groß sei. „Aber wir sind ein Familienunternehmen, und wir wollen, dass nachfolgende Generationen den Betrieb erfolgreich weiterführen können, Nachhaltigkeit liegt also in unserem eigenen Interesse.“
Michael Kolb, Energieberater für Industrie und Gewerbe bei der Klimaschutzagentur und gleichzeitig Organisator des Netzwerks, ist überzeugt, dass das Mannheimer Projekt nicht nur Pilot- und Vorbildcharakter hat, sondern auch die Betriebe selbst weiterbringt. „Jede kosteneffizient vermiedene Tonne CO₂ ist nicht nur nachhaltig ökologisch, sondern stärkt auch die Wettbewerbsfähigkeit der teilnehmenden Unternehmen.“ Das Interesse an dem Thema ist jedenfalls groß, größer als die derzeitige Gruppe. Laut Kolb haben sich inzwischen mehrere Unternehmen bei der Klimaschutzagentur gemeldet, um ebenfalls Teil des Netzwerks zu werden. „Voraussichtlich 2026 werden wir deshalb mit der zweiten Gruppe starten.“
VAG-Gruppe: Energieeffizienz als Geschäftsmodell
Auch die VAG-Gruppe in Mannheim, weltweit führender Anbieter von Armaturen für die Wasser- und Abwasserbranche, engagiert sich im Bereich Energieeffizienz – durch langlebige und ressourcenschonende Produkte sowie durch eine nachhaltige Fertigung. Ein Beispiel: die EKN-Absperrklappen des Unternehmens, die im Vergleich zu Standard-Absperrklappen bis zu 59 Prozent CO2 einsparen. Sie dienen dazu, den Durchfluss in Rohrleitungen zu stoppen oder zu regulieren und werden in der Wasserverteilung, der Wasseraufbereitung, in der Industrie und im Druckmanagement eingesetzt. Es gibt sie in zahlreichen Größen bis zu fünf Metern Durchmesser – wie erst kürzlich im Pumpspeicherkraftwerk Kühtai in Österreich mit 4.000 mm verbaut.
Auch bei der Fertigung setzt die VAG-Gruppe auf die Einsparung von Energie. Erst jüngst wurde im Mannheimer Stammwerk eine hochmoderne 5-Achs-Dreh-/Fräsmaschine für eine siebenstellige Investitionssumme in Betrieb genommen, betrieben mit ausschließlich ökologischer Energie. Die 41 Tonnen schwere Maschine zählt zu den modernsten ihrer Art. Ausgestattet mit über 100 Werkzeugen, ermöglicht sie eine noch präzisere und effizientere Herstellung komplexer Komponenten – insbesondere im Großformat. Dazu zählen neben der Herstellung von EKN-Absperrklappen mit Nennweiten von bis zu 2.000 mm leistungsfähige Ringkolbenventile sowie robuste oder strömungsgünstige SKR-Rückschlagarmaturen. Zum Einsatz kommen die Großarmaturen vom Waldhof in Mannheim in Wasserkraftwerken, Staudämmen und Trinkwasseranlagen.
Die Geschichte der VAG-Gruppe in Mannheim begann 1872, als der 26-jährige Ingenieur Carl Reuther per Zeitungsinserat einen Teilhaber und Geldgeber für seine Geschäftspläne zur „Fabrikation von Armaturen für Wasser, Gas und Dampf“ suchte und in Carl Bopp, dem Besitzer einer mechanischen Werkstätte, fand. Das Unternehmen Bopp & Reuther war erfolgreich, expandierte und schloss sich 1925 zum Vertrieb mit sechs weiteren Armaturenherstellern zur VAG mbH zusammen.
Heute zählt das Unternehmen mehr als 1.000 Beschäftigte weltweit, davon rund 200 am Stammsitz in Mannheim, wo die feuerroten Hydranten zur Löschwasserversorgung Teil des Straßenbilds sind. uc

Der Mannheimer Stadtteil Waldhof und die VAG gehören einfach zusammen.
Marcel Erné, Director Global Marketing VAG-Gruppe
Foto: VAG

Werfen Sie einen Blick
in die Fertigung der VAG-Gruppe.
