Klimaschutz in Mannheim | Im Dialog mit der Industrie

Im Juli 2021 fand das Kick-off-Meeting der städtischen Initiative „Industriestandort Mannheim“ statt. FOTO: STADT MANNHEIM

Im Leitbild „Mannheim 2030“ ist es festgeschrieben: das strategische Ziel der Klimaneutralität – und auch die Wirtschaft spielt hier eine wichtige Rolle.

VON BEATE PRADEL
Es war ein Treffen auf hohem Niveau, das im Juli 2021 stattfand: Zum Auftakt der Initiative „Industriestandort Mannheim“ kamen Vorstands- und Geschäftsleitungsvertreter der größten zwölf Mannheimer Konzerne von ABB Deutschland bis Roche mit der Mannheimer Stadtspitze zusammen. Die Wirtschaftsverbände IG Metall Mannheim, Südwestmetall, die IHK Rhein- Neckar und die Agentur für Arbeit Mannheim beteiligten sich ebenfalls an der Diskussion. Organisiert wurde die Veranstaltung durch den Fachbereich für Wirtschafts- und Strukturförderung der Stadt Mannheim, der federführend die Initiative koordiniert.

Das gemeinsame Ziel: die klimaneutrale Transformation von Produktion und Wertschöpfung am Standort Mannheim mit konkreten Projekten gemeinsam mitzugestalten.

Nach einem Impulsvortrag von Professor Achim Wambach, Präsident des ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim, zum Thema „Puzzles der Klimapolitik“ tauschten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung über die zentralen Themen- und Handlungsfelder der neuen Initiative aus. Einen ersten Rahmen zur Sondierung von Verbundprojekten mit der übergeordneten Zielsetzung einer CO2-neutralen Produktion und Wertschöpfung bilden dabei unter anderem die Themenfelder Produktionstechnologie, standortnahe Energieversorgungssicherheit, „Smart Building“ / Gebäudetechnik mit intelligenter Gebäudeautomation, Wasserstofftechnologien, Fachkräftegewinnung und Zukunftsperspektiven für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Verbundvorhaben mit Hochschulen sowie Kreislaufwirtschaft. Die Teilnehmenden waren sich darin einig, möglichst konkrete Projekte umsetzen zu wollen. Diese sollen sowohl Leuchtturmcharakter im Sinne des Klimaschutzes haben als auch die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Mannheim sichern und weiter ausbauen. Zur Anbindung des industriellen Mittelstandes an die Initiative erklärte die IHK Rhein-Neckar ihre Unterstützung. Zudem wurde der Arbeitsplatzerhalt als weiteres wichtiges Thema genannt.
Erste weiterführende Gespräche wurden im Herbst 2021 geführt und jeweils relevante Handlungsfelder und Transformationschancen auf Unternehmensebene bestimmt. Nun können darauf aufbauend konkrete gemeinsame Projektverbünde zwischen den beteiligten Akteuren der Initiative organisiert werden. Dazu gehört auch die gezielte Akquise von Fördermitteln für diese Verbundvorhaben und deren Verstärkung durch einschlägige Forschungseinrichtungen, wie beispielsweise das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie in Bezug auf CO2Reduktion.

Die Initiative „Industriestandort Mannheim“ ist Teil des Klimaschutz-Aktionsplans 2030, der im Frühjahr 2022 fertiggestellt werden soll, denn Mannheim soll bis spätestens 2050 klimaneutral werden. Ein Lenkungskreis, der sich aus Politik, Umweltverbänden, Initiativen, Bürgerschaft, aber auch der IHK und der Handwerkskammer sowie Gewerkschaften zusammensetzt, soll den Rahmen vorgeben, acht Strategiegruppen weitere konkrete Maßnahmen zum Klimaschutz erarbeiten.

Ein Projekt, das schon weiter fortgeschritten ist, ist ein im Mai 2021 gegründetes Joint Venture zwischen der Stadt Mannheim und dem Mannheimer Energieversorger MVV unter dem Namen „sMArt City Mannheim GmbH“, das die Dekarbonisierung und die Digitalisierung im kommunalen Sektor vorantreibt.

Konkret angepeilt ist es, den Stromverbrauch der stadteigenen Liegenschaften, einschließlich Schulen und Eigenbetriebe, bis 2027 „klimaneutral“ zu stellen. Technologisch setzt man dabei vor allem auf Photovoltaikanlagen. Aktuell plant MVV bis Ende 2021 noch rund acht Solaranlagen auf städtischen Liegenschaften zu installieren – unter anderem auf der neuen Hauptfeuerwache. In den nächsten Jahren werden dann voraussichtlich ca. 20 Anlagen jährlich umgesetzt. Die ersten Freiflächen-Photovoltaikanlagen auf der Gemarkung von Mannheim sind ab 2023/24 vorgesehen.

Mit dem Gemeinschaftsunternehmen setzte man das vom Bund geförderte Modellprojekt „sMArt roots“ mit konkreten Anwendungen um. Mit diesem Projektantrag konnte Mannheim im September 2020 überzeugen und als eine von 20 Städten den Zuschlag als „Smart City“-Modellstadt erhalten. Im Mittelpunkt von „sMArt roots“ steht ein agiler Prozess zur Entwicklung und Implementierung einer validierten und vernetzten „Smart City“-Strategie für Mannheim.