Kurzarbeit

Extraschichten bei der Arbeitsagentur

Die Kurzarbeit ist in der Corona-Pandemie ein wichtiges Instrument, dessen Einsatz die Agentur für Arbeit in Mannheim mit hohem Engagement fördert.
Im Herbst 2019 hat Thomas Schulz die Leitung der Agentur für Arbeit in Mannheim übernommen.

Im Vergleich zu anderen Städten ist Mannheim überdurchschnittlich stark betroffen“, weiß Thomas Schulz, Leiter der Agentur für Arbeit in Mannheim. „Beinahe jeder dritte Beschäftigte wurde zeitweise durch seinen Betrieb zur Kurzarbeit angemeldet.“ In Zahlen: Bis September 2020 beantragten in der Quadratestadt fast 3.900 Unternehmen Kurzarbeit, wovon schätzungsweise über 67.000 Beschäftigte betroffen sind. Zum Vergleich: In der Wirtschaftskrise wurden für das ganze Jahr 2009 unter dem Strich 2.329 Kurzarbeitergeld-Anträge bewilligt. Für das ganze Jahr 2019 lag die Zahl bei 330. Mit weitem Abstand betreffe die Krise vor allem die Gastronomie. Auch der örtliche Handel kämpfe mit großen Problemen, weil er so lange schließen musste. „Aber selbst Handwerker, die sich vor der Covid-19-Pandemie nicht vor Aufträgen retten konnten, werden nun mit Stornierungen konfrontiert, weil die Kunden aufgrund der Ansteckungsgefahr derzeit keine fremden Menschen im Haus haben möchten“, berichtet Schulz.
Um die ab März 2020 rasant gestiegenen Anzeigen für Kurzarbeitergeld (KuG) zu bearbeiten, legte das Team der Agentur für Arbeit Extraschichten an Wochenenden ein und stockte die Anzahl der Mitarbeiter auf. Statt wie bisher 24 standen zeitweise bis zu 280 Kolleginnen und Kollegen zur Verfügung, um sich um die zahlreichen Anzeigen und Anträge zu kümmern. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus anderen Bereichen wie der Arbeitsvermittlung oder der Berufsberatung, aber beispielsweise auch aus der Wirtschaftsförderung, wurden kurzfristig mit dem Thema vertraut gemacht, um die schnelle Bearbeitung zu gewährleisten.
Darüber hinaus entwickelte die Agentur IT-Lösungen zur Vereinfachung der Verfahren. Die KuG-App bietet Unternehmen die Möglichkeit, die notwendigen Unterlagen per Smartphone-Kamera zu scannen und zu versenden.
Bis Ende 2020 ist es außerdem möglich, sich über das sogenannte „Selfie-Ident-Verfahren“ über Handy oder Tablet zu identifizieren, ohne persönlich bei der Agentur für Arbeit zu erscheinen. Die Identitätsprüfung muss aber in jedem Fall nachgeholt werden.


Kurzarbeit

Kurzarbeit ist eine Maßnahme, um Kündigungen zu vermeiden. Kommt es zu erheblichen Arbeitsausfällen, wird die Arbeitszeit im Betrieb gekürzt. Zugleich aber mindert die Arbeitsagentur den für die Beschäftigten entstandenen Verdienstausfall durch die Ersatzleistung Kurzarbeitergeld. Die Anforderungen für die Gewährung wurden angesichts der Corona-Pandemie gelockert, aktuell muss der individuelle Arbeitsausfall nur mindestens 10 Prozent der Arbeitszeit umfassen (früher waren es 30 Prozent). Zusätzlich müssen mindestens 10 Prozent der Belegschaft von Arbeitsausfall betroffen sein.
Die Bezugsdauer des Kurzarbeitergelds, die ursprünglich zwölf Monate betrug, wurde inzwischen – befristet bis zum Jahresende 2020 – auf 21 Monate erhöht.