Labels der Spitzenklasse
Mode „made in Mannheim“
von Gabriele Booth

„Pfalzgräfin“ Eva Bonnet vom Weingut Georg Naegele in Neustadt-Hambach ist das Gesicht der Marke im Jahr 2019. Foto: Pfalzgräfin

Mit der Marke „Pfalzgräfin“ besetzen Verena König und Alena Bauer eine Nische des Luxusmodemarktes. Doch sie sind nicht die einzigen Top-Modemacher in der Quadratestadt.

Schmeichelnder Kaschmirstoff, feine Goldknöpfe, Ziernähte, Rockschößchen, innen wie außen bis ins kleinste Detail sorgfältig verarbeitet: Die edlen Kleidungsstücke tragen das Etikett „Pfalzgräfin“ und haben eine Mannheimer Adresse. Sie stammen aus dem Atelier Bernd Agne und sind ein Unikat.

Zwei kreative Frauen mit viel Gespür für exklusive Mode haben die „Pfalzgräfin“ erschaffen. Alena Bauer und Verena König sind die Schöpferinnen dieser Luxusmarke – eine Hommage an Mechthild von der Pfalz, die vor 600 Jahren in der Kurpfalz geboren wurde. Die Gräfin förderte schon zu Lebzeiten Musiker und Künstler, zählte zu den herausragenden Persönlichkeiten der spätmittelalterlichen Gesellschaft und war eine selbstbewusste Frau mit philanthropischem Lebensstil. „Mechthild hat uns in unserem Schaffen inspiriert“, sagen Alena Bauer und Verena König.

Es kommt nicht von ungefähr, dass sich die beiden Frauen gefunden haben, um die Luxusmarke „Pfalzgräfin“ für die Modewelt zu kreieren. Alena Bauer hat sich von Kind an dem Schneidern verschrieben und das Handwerk von Grund auf gelernt. Vor über zehn Jahren übernahm sie das renommierte Atelier Bernd Agne und erhielt zahlreiche Preise. So ist Alena Bauer die erste Frau in Deutschland, die die „Goldene Schere“ als höchste Auszeichnung für Maßschneiderei gewonnen hat.

Prof. Dr. Verena König ist Hochschullehrerin an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Mannheim und Spezialistin, was Markenentwicklung und Einkaufsverhalten angeht. In ihren Seminaren und Veröffentlichungen beschäftigt sie sich seit Jahren mit dem Thema Premium- und Luxusmarkenführung. Sie schätzt Mannheim als Einkaufsstadt, die ihrer Meinung nach insbesondere für weibliche Zielgruppen viel zu bieten hat. „Es gibt in Mannheim sowohl alteingesessene Einkaufshäuser als auch abwechslungsreiche Boutiquen und Fashion-Start-ups“, beschreibt sie die Shoppingszene, die vor allem mit positiven Emotionen verknüpft sei.

„Mannheim steht für ein vielseitig und ideenreich präsentiertes Einzelhandelsangebot, verbunden
mit einer attraktiven Aufenthaltsqualität und einer facettenreichen Gastronomie.“
Professor Dr. Verena König, Hochschullehrerin an der DHBW Mannheim und Markenexpertin

Zurück zur „Pfalzgräfin“: Dezent und mit Understatement, die regionalen Wurzeln aufgreifend, erscheint diese als kleine, aber feine Kollektion – als Cape, Mantel oder Jacke. Die edlen Stoffe kommen überwiegend aus England, Frankreich und Italien. Das Logo der „Pfalzgräfin“ fällt auf und hebt sich ab. Das zarte Antlitz von „Mechthild“ erscheint im Etikett und auf den goldfarbenen Knöpfen.

Die Kundinnen schätzen die Individualität der Maßschneiderei Bernd Agne in der Mannheimer Oststadt, vis-à-vis des Congress Center Rosengarten. Sie ist die letzte verbliebene echte Maßschneiderei in Mannheim, sämtliche Arbeiten werden in diesem Meisterbetrieb in Handarbeit ausgeführt. Die Kundinnen kommen aus der ganzen Metropolregion, aber auch aus der Schweiz oder Luxemburg. Mit Lineal und Bleistift fertigt die Grande Couturière die individuellen Schnitte an. Es finden mindestens zwei Anproben statt, bis das letzte Detail stimmt. Neben ihren zwei Gesellen, zwei Auszubildenden und einer weiteren Mitarbeiterin ist Alena Bauer selbst regelmäßig im Einsatz. Knopflöcher, Kragen, Nähte, Futter – alles ist aufwändig handgearbeitet. Und – falls gewünscht – macht die Chefin auch Hausbesuche. Die Marke „Pfalzgräfin“ ist im Jahr 2019 gestartet und hat das Zeug dazu, als Luxusmarke nicht nur die Mannheimer Modeszene zu bereichern.

Eine andere Modeschöpferin aus der Quadratestadt bedient schon seit vielen Jahren die Kategorie Luxusmarke: Dorothee Schumacher macht seit über 30 Jahren „Mode made in Mannheim“. Sie ist mit Dependancen und Shops in allen großen Metropolen der Welt vertreten und dennoch dem Standort Mannheim treu geblieben. Die geborene Düsseldorferin hat sich bewusst dafür entschieden, ihre Produktion mitten im Mannheimer Hafengebiet zu platzieren.

Dass das Thema Mode in Mannheim bewusst von der Stadtspitze und den Wirtschaftsförderern als kreativer Schwerpunkt gesetzt wird, dafür steht die „Textilerei“. In einem wunderschönen Barockhaus im Quadrat C4,6 finden junge Existenzgründer aus der Modebranche ein Zuhause und eine Infrastruktur vor, die ihnen den Start in die Selbstständigkeit erleichtert. Liebesglück, Goldgarn oder Kalaika sind Start-ups, die in der Textilerei eine Heimat gefunden haben.

Für eine neue Sparte der Modewelt steht „Mizaan“. Das Unternehmen spricht mit seinem Stil auch, aber nicht nur muslimische Frauen an und ist dabei, einen eigenen Markt zu besetzen. Die Marke gilt als typisch für den „Modest Fashion“-Stil. Und auch das Mannheimer Quartier entlang der Marktstraße und der verlängerten Jungbuschstraße ist ein wahres Paradies für Kunden aus muslimischen Ländern. Vor allem junge türkischstämmige Hochzeitspaare reisen aus ganz Deutschland und dem benachbarten Ausland an, um das vielfältige Angebot von Brautmoden und Schmuck zu nutzen, das in ganz Deutschland seinesgleichen sucht.