Mannheim ist ein wichtiger Standort für Banken und Wirtschaftsprüfer
Rückgrat für den Mittelstand
von Dr. Gabriele Koch-Weithofer

Auch im Entrée der Stadt Mannheim, der Augustaanlage, haben sich Banken und Beratungsunternehmen niedergelassen. Foto: Rinderspacher

Der Mittelstand ist die Stütze der deutschen Wirtschaft – auch in Mannheim. Kreditinstitute der Quadratestadt wie die VR Bank Rhein-Neckar, die Sparkasse Rhein Neckar Nord, aber auch die Commerzbank und die Deutsche Bank stehen kleinen und mittleren Unternehmen zur Seite. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Falk, KPMG, EY, PwC oder Deloitte beschäftigen ebenfalls Experten für die besonderen Anforderungen von inhabergeführten Firmen. IMAP hat sich in diesem Zusammenhang auf Übernahmen und Akquisitionen spezialisiert.

Vertrauen, Nähe, Flexibilität, Offenheit und einen partnerschaftlichen Umgang auf Augenhöhe: Das schätzen Firmenkunden der VR Bank Rhein-Neckar im Umgang mit ihrer Bank, ganz gleich ob es sich um einen Bauunternehmer, einen Einzelhändler oder Neugründer handelt. „Das deckt sich mit unseren genossenschaftlichen Werten, die Grundlage unserer Arbeit sind“, sagt der Vorstandsvorsitzende Dr. Wolfgang Thomasberger. „Diese Werte machen unsere Beratung so einzigartig.“ Das Institut mit Sitz in der Augustaanlage versteht sich als erste Adresse für den Mittelstand. Zusammen mit der genossenschaftlichen Finanzgruppe, darunter die Bausparkasse Schwäbisch Hall, Union Investment oder die R+V Versicherung, bietet die Genossenschaftsbank ein breites Spektrum an Anlage- und Finanzierungsmöglichkeiten. Expertenwissen zu unternehmerischen Themen wie Digitalisierung, Wachstum, Internationalisierung oder Mitarbeiterbindung gibt’s obendrein auch online. Motto: „Von Mittelstand zu Mittelstand“.

Ein ausgewiesener Spezialist für den Mittelstand der Region ist auch die Sparkasse Rhein Neckar Nord mit Sitz in Mannheim und Weinheim. Gründungs- und Nachfolgeberatung stehen bei ihr besonders im Fokus. Dafür hat sie 2016 eigens ein Beraterteam etabliert. Das analysiert die Erfolgsaussichten eines Start-ups, vermittelt ökonomisches Know-how und kümmert sich darum, wie der Kapitalbedarf gedeckt werden kann. Um Eigenkapitalfinanzierungen zu ermöglichen, beteiligt sich das Institut unter anderem am regionalen Venture Capital Fonds Rhein Neckar. Bereits im zweiten Jahr nach Etablierung der Spezialberatung hat sich die Zahl der betreuten Gründer fast verdoppelt, wie Vorstandsvorsitzender Stefan Kleiber im Februar 2019 auf der Bilanzpressekonferenz unterstrich. Und das Geschäft wächst weiter. Auch als Betreuer bei Unternehmensnachfolgen ist man gut aufgestellt. Die Hausbank früh einzubeziehen sei ein wichtiger Schritt, weiß Berater Sven Knupfer. Denn: „Ein Unternehmen erfolgreich weiterzugeben, erfordert langfristiges Planen und Vorbereiten.“

Eine digitale Innovation in Sachen Finanzierungslösung bietet die Commerzbank. „Pay-per-use“ heißt der spezielle Investitionskredit, den die Bank seit 2018 für die Anschaffung neuer Maschinen und Anlagen offeriert. Die Rückzahlung berechnet sich je nach Nutzung: Ist die Maschinenauslastung gering, sind es auch die Tilgungsraten, steigen Produktion und Umsätze, nimmt auch die Höhe der Raten zu. Das flexible Modell, das vor allem Mittelständler ansprechen soll, schont die Liquidität des Kunden. 

Möglich macht es die Maschinenvernetzung im Internet der Dinge (Internet of Things, IoT). Alle relevanten Daten IoT-fähiger Maschinen werden erfasst und an den Finanzierungspartner übermittelt. „Unternehmen brauchen sich damit bei Investitionsentscheidungen keine Gedanken mehr über Schwankungen in der Auslastung der geplanten Produktionskapazitäten zu machen. Die Finanzierungskosten passen sich an die tatsächliche Nutzung an“, erklärt Franz-Josef Becker, Niederlassungsleiter Firmenkunden Commerzbank Mannheim.

Die Deutsche Bank unterstützt mit maßgeschneiderten Finanzierungen, bei der Abwicklung des globalen Zahlungsverkehrs sowie beim Cash- und Risiko-Management. Mit ihrer Einheit „Corporate Finance für den Mittelstand“ steht die Bank ihren mittelständischen Kunden auch bei komplexen Finanzierungen, bei der Nachfolge oder bei Zusammenschlüssen und Kapitalmarktprodukten zur Seite. Dabei nutzt das Haus seine Stellung als global agierende Großbank in über 60 Ländern. Davon profitiert beispielsweise der Kabeltechnikspezialist CobiNet aus Heddesheim. Das Unternehmen bezieht viele Komponenten von chinesischen Tochtergesellschaften und nutzt ein Konto in der dortigen Landeswährung Renminbi inklusive Kurssicherungsinstrumenten. 

Im Programm sind zudem Exportversicherungen zur Absicherung gegen Zahlungsausfall. Viele Mittelständler berät die Bank auch mit Finanzierungskonzepten, einschließlich der Beantragung von Fördermitteln und Zuschüssen, wie einem zinsgünstigen Energieeffizienz-Darlehen der KfW-Bankengruppe. In Mannheim ist die Deutsche Bank mit drei Filialen und einem Beratungscenter für den deutschen Südwesten vertreten. Hier beraten 60 Bankkaufleute während erweiterter Öffnungszeiten sowie am Samstag.

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sind nicht nur für Banken wichtige Kunden, sondern auch für Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberater. Schließlich erwirtschaftet der Mittelstand deutschlandweit rund 35 Prozent des gesamten Unternehmensumsatzes in Deutschland und stellt fast 60 Prozent der Arbeitsplätze hierzulande, so das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Auch unter den rund 150.000 Unternehmen der Metropolregion ist er stark vertreten.

Deutschland ist eine Hochburg für Familienunternehmen. 119 der 750 wichtigsten Vertreter weltweit sind hier zuhause. Das ergab eine Studie von PwC und der Online-Plattform Familiy Capital. „Ihre große Stärke ist ihre Langfristigkeit, ihr Wunsch, auch noch für die Enkel  Werte zu schaffen“, sagt Uwe Rittmann, der bei der Unternehmensberatung für diese Klienten zuständig ist. Mehr denn je ist heute aber auch Wandlungsfähigkeit gefragt. Digitalisierung und Talentgewinnung, „Upskilling“ von älteren Mitarbeitern oder die Einbindung des Nachfolgers sind weitere wichtige Aspekte. „PwC will helfen, Unternehmen noch besser zu machen“, so der Leiter der Mannheimer Niederlassung Stefan Ditsch. Gut 120 Mitarbeiter unterstützen die Unternehmen der Metropolregion von der Abschlussprüfung bis zur Internationalisierung, von der Steuerberatung bis zur digitalen Transformation.

 „Mittelständische und familiengeführte Unternehmen stehen derzeit vor äußerst komplexen Herausforderungen. Sie müssen auf die Globalisierung reagieren, über Finanzierungs- und Wachstumsstrategien nachdenken und sich eventuell um eine Nachfolge kümmern“, unterstreicht Helge-Thomas Grathwol, Leiter der Mannheimer Standorte von EY in der Theodor-Heuss-Anlage und am Willy-Brandt-Platz, die derzeitige Problematik. Rund 400 Mitarbeiter betreuen von hier aus Unternehmen der Rhein-Neckar-Region in betriebswirtschaftlichen, steuerlichen und rechtlichen Fragen, unterstützen mit Know-how, Erfahrung und „frischen Ideen“. Ein besonderes Plus sind Leistungen in den Bereichen Supply Chain Management und Internationale Entsendung.

Als die Felss-Unternehmensgrupe mit Sitz im Nordschwarzwald im April 2019 den Maschinenbauer HMP (Heinrich Müller Pforzheim) kaufte, war IMAP (International M&A Partners) mit im Boot. Ein Team begleitete den Prozess für die Verkäufer von den ersten Verhandlungen bis zum erfolgreichen Abschluss. Die Fusion soll die Marktposition der traditionsreichen Automobil-Zulieferer stärken. Wichtig war den bisherigen HMP-Gesellschaftern nicht nur die Zukunftsperspektive, sondern auch dass sie ihr Lebenswerk in gute Hände geben. Unternehmer wie sie gehören zu den Hauptkunden von IMAP. 1973 gegründet, unterstützt IMAP vor allem Mittelständler und Familienunternehmen bei Firmenverkäufen, Zusammenschlüssen und Übernahmen. Jährliches Volumen: mehr als 200 Transaktionen im Wert von ca. 20 bis 300 Millionen US-Dollar. Dank der weltweiten Vernetzung arbeiten über 450 Branchen-Experten an gut 60 Standorten in 40 Ländern eng zusammen. In Deutschland hat IMAP Büros in Mannheim, Frankfurt a.M. und München.

„Die Unternehmenslandschaft steht vor dem vielleicht stärksten Umbruch seit hundert Jahren“, ist auch Steffen Schmidt, Leiter der Mannheimer Niederlassung von Deloitte in der Reichskanzler-Müller-Straße, überzeugt. Die rasant voranschreitende Digitalisierung stellt bewährte Geschäftsmodelle in Frage, Branchengrenzen verwischen, Fachkräfte werden knapp, immer mehr Menschen arbeiten dezentral und mobil. Deloitte diskutiert solche Themen in „Unternehmergesprächen“ und vielen Fallstudien. Daneben zeichnen die Berater innovative Ansätze mit Preisen aus. In der alltäglichen Arbeit geht es um konkrete Erfolgsstrategien. „Deloitte hilft seinen Kunden, wettbewerbsfähig zu bleiben und nachhaltig zu wachsen“, so Schmidt. Zum Service gehören Audit & Assurance, Risk Advisory, Tax & Legal, Financial Advisory und Consulting. Rund 160 Mitarbeiter in Mannheim kümmern sich darum.

Gefälschte E-Mails, Schadsoftware oder Botnets, die eine Produktion lahmlegen: Laut einer KPMG-Studie wurden trotz wachsender Sensibilität 38 Prozent aller Unternehmen Opfer von Internetkriminalität. Gerade mittelständische Betriebe und Familienunternehmen sind wegen ihrer erfolgreichen Produkte attraktive Angriffsziele. KPMG nimmt sich verstärkt dieses Themas an und bietet mit CyberMonitor einen wirksamen und kostengünstigen Schutz auf der Basis von Open-Source-Komponenten. „Wir unterstützen nicht nur bei Fragen rund um die Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung, sondern auch bei anderen Themen, die Familienunternehmen wichtig sind“, sagt Bodo Rackwitz, Partner Audit und Niederlassungsleiter vom KPMG in Mannheim – ganz gleich ob es um Vermögenserhalt, die Gründung eines Familienbeirats, eine solide Wachstumsstrategie, effizientes Risikomanagement oder einen Verhaltenskodex geht. KPMG hat für börsennotierte wie mittelständische Unternehmen die richtigen Experten im Team. Diese sind darauf spezialisiert, den besonderen Rahmenbedingungen im Mittelstand gerecht zu werden. „Unsere Begeisterung für KMU, insbesondere auch für Familienbetriebe, und unser Respekt vor der persönlichen Leistung von Unternehmerinnen und Unternehmern sind die Basis für unsere exzellente Arbeit im Sinne unserer Mandanten – und damit der Leitfaden für eine langfristige, von Vertrauen geprägte Beziehung“, so Rackwitz. In Mannheim arbeiten mehr als 350 Mitarbeiter von der Niederlassung in der Schlossgartenstraße und seit 19. Juni 2019 von einem zweiten Standort in der Tattersallstraße aus.

„Die Ansprüche des Mittelstands gehen heute weit über die klassische Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung hinaus, zu den Kernkompetenzen gehört insbesondere die anspruchsvolle steuerliche Gestaltungsberatung“, betont Gerhard Meyer, geschäftsführender Gesellschafter von FALK. Die Wirtschaftsprüfungs-, Steuer-, IT- und Unternehmensberatung ist in der Metropolregion Rhein-Neckar fest verankert und wurde im März 2019 vom Manager-Magazin als „Deutschlands beste Wirtschaftsprüfer“ in der Kategorie Mittelstand ausgezeichnet. Zugrunde lag eine Umfrage unter 1.000 Führungskräften und Geschäftsführern. FALK überzeugte nicht nur bei Rechnungslegung und Jahresabschlussprüfung, sondern auch bei der Transaktionsberatung, Steuergestaltung, bei Kreativität und analytischen Fähigkeiten. Im Juli 2019 folgte die Auszeichnung „Die Welt Top Berater“. FALK belegte bei dieser Studie, die die Zeitung mit dem Unternehmen ServiceValue auf den Weg gebracht hatte, in der Kategorie „Preis-Leistungs-Verhältnis“ unter 169 Consultants den dritten Platz.  

„Neben den klassischen Beratungsdienstleistungen bieten wir unseren Mandanten auch für die Bereiche digitale Unternehmenssteuerung und IT-Sicherheit verlässliche und praktikable Lösungen“, erklärt Philip Roth, Geschäftsführer der Mannheimer Niederlassung, und fügt hinzu: „Damit erhalten unsere Mandanten eine umfassende Beratung in allen Geschäftsbereichen.“ In Deutschland gehört FALK zu den Top 20 der Branche mit einem Umsatz von 39 Millionen Euro im Jahr 2018.