Mannheimer Existenzgründungspreis 2021

Auf dem Siegerpodest

Den MEXI der Kategorie Technologie erhielt die Firma Thericon für ihr neu entwickeltes, multiparametrisches Bildgebungsverfahren.

Die Freude am 25. November 2020 war groß, als die Start-ups KLQC IT, Thericon und Moanah den Mannheimer Existenzgründungspreis MEXI in den Kategorien Dienstleistungen, Technologie und Social Economy entgegennehmen konnten. Die Auszeichnung ist mit jeweils 10.000 Euro dotiert.

VON ULLA CRAMER

Innovative Bildgebungstechnologie

„Wir haben die Technologie von Thericon eingesetzt und sind überzeugt“, so Professor Christian Bolenz, Tumor-Spezialist und Direktor der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Ulm. Prof. Maximilian Kriegmair vom Universitätsklinikum Mannheim teilt diese Einschätzung: „Diese Entwicklung hat das Potenzial, die intraoperative Bildgebung in der Endoskopie und Chirurgie grundlegend zu verbessern.“ Die Statements erfahrener Mediziner zu der Innovation des 2019 von Dr. Nikolaos Deliolanis und Dr. Bartek Grychtol gegründeten Start-ups Thericon GmbH ließen sich noch erheblich erweitern. Auf den Weg gebracht hat Thericon ein revolutionäres, neuartiges optisches Bildgebungsgerät für die minimal-invasive Chirurgie. „Tumore sind oft schwer zu entdecken und es besteht immer die große Gefahr, dass nach der Operation Krebsgewebe zurückbleibt“, erklärt Dr. Deliolanis die Erfindung, für die bislang schon fünf Patente in den USA, Japan und China erteilt wurden. „Bildgebungssysteme, die die operierenden Ärzte bei ihrer Arbeit unterstützen, sind hier eine große Hilfe, haben jedoch erhebliche Defizite. Unsere multiparametrische Bildgebungstechnologie wird das erste System auf dem Markt sein, das simultane Farb- und Fluoreszenz-Bildgebung über das gesamte Lichtspektrum ermöglicht und in Echtzeit eine nie dagewesene Fülle an Bildinformationen liefert, die den Chirurgen dabei helfen, Tumore zu erkennen – ohne Unterbrechungen während des chirurgischen Eingriffs.“

Die Basis für die Innovation wurde in der Fraunhofer Projektgruppe für Automatisierung in der Medizin und Biotechnologie PAMB im Mannheimer Existenzgründungszentrum CUBEX41 gelegt, wo Thericon auch seinen Sitz hat. Der Prototyp wurde in verschiedenen klinischen Studien getestet. Nun laufen Gespräche mit Investoren, um die Produktentwicklung und Zulassung zu finanzieren. „Der Markt für endoskopische Bildgebungssysteme hat weltweit ein Volumen von rund 12 Milliarden Euro und wächst schnell“, beschreibt CCO Dr. Steffen Schabel die wirtschaftlichen Perspektiven von Thericon. „Und dieser Markt ist reif für Verbesserungen.“

„Der MEXI ist ein echtes Highlight
unserer Gründungsförderung.“
Christiane Ram, Leiterin der Mannheimer Wirtschaftsförderung

Digitale Portale und Plattformen

Schon während ihres Studiums wälzten Jan Krikava und Alex Elbracht 2013 erste Pläne für ein erfolgreiches Unternehmen – und fünf Jahre später war es soweit. Gemeinsam mit Ye Fung Tchen gründeten sie 2018 die KLQC IT GmbH mit Sitz im MAFINEX-Technologiezentrum. Das Geschäftsmodell: Beratung und agile IT-Dienstleistungen rund um die digitale Transformation von der initialen Beratung bis zur Umsetzung aus einer Hand. Und das Start-up legte einen Blitzstart hin: Die Mannschaft um die drei Gründer ist zwischenzeitlich auf zwölf Kolleginnen und Kollegen angewachsen. Im ersten Halbjahr 2020 wurde trotz Corona-Krise ein Umsatzwachstum von über 60 Prozent erreicht. Unterwegs ist KLQC IT vor allem in der Automotive-Industrie – zum Beispiel bei dem Automobilzulieferer ZF Friedrichshafen sowie Mercedes-Benz. Ab 2021 wird der volle Fokus auf Life Science liegen.

Die Unterstützung der digitalen Transformation ist das Geschäftsmodell von Jan Krikava, Alex Elbracht und Ye Fung Tchen, den Gründern von KLQC IT (v.l.), für das sie mit dem MEXI der
Kategorie Dienstleistungen ausgezeichnet wurden.

„Unser primärer Schwerpunkt sind Portale, gefolgt von Plattformen – für Kundenkontakte, aber auch für E-Commerce“, so Krikava. „Besonders interessant ist natürlich auch das Thema Data Science, denn Unternehmensdaten bieten oftmals ungeahnte Vorteile im Wettbewerb. Wir helfen Firmen dabei, ihre Daten gewinnbringend einzusetzen.“ In ihrem eigenen Unternehmen ist die Digitalisierung ebenfalls schon weit fortgeschritten.

Mit dem MEXI würdigen wir den Mut der Start-ups und unterstützen sie bei ihrer weiteren vielversprechenden Entwicklung.
Wirtschaftsbürgermeister
Michael Grötsch

„Was wir unseren Kunden nahelegen, müssen wir natürlich auch selbst umsetzen“, bringt es Alex Elbracht auf den Punkt. „Durch unsere schlanken Prozesse und den weitgehenden Verzicht auf Mitarbeiter, die sich ausschließlich mit administrativen Aufgaben befassen, können wir unsere Dienstleistungen günstiger anbieten.“ Und vielleicht wird KLQC IT bei diesem Erfolg seine Flächen im MAFINEX weiter ausbauen können.

„Angefangen haben wir im Coworking-Space im Bauteil B – heute belegen wir im Bauteil C im zweiten Stockwerk die komplette Außenseite, das macht uns schon stolz“, freuen sich die MEXIPreisträger im Bereich Dienstleistungen.

Putzen geht auch umweltfreundlich

„Moanah“ ist das hawaiianische Wort für Ozean – wo inzwischen hunderttausende Teile Plastikmüll herumschwimmen, den Meeresbewohnern schaden und durch die Nahrungskette auch den Menschen erreichen. „Dass wir diesen Namen für unsere Firma gewählt haben, macht unser Ziel deutlich: Wir kämpfen gegen den Plastikmüll und wollen einen plastikfreien Haushalt für jeden“, berichtet Salar Armakan, der das Start-up im Oktober 2019 gründete. „Seit Juni 2020 ist nun unser erstes Produkt auf dem Markt: nachhaltige und schonende Reinigungsmittel in Form eines Konzentrats in Pulverform – in Glasflaschen. Das Pulver ist in kleinen Sachets aus Papier und nachwachsenden Rohstoffen verpackt. Diese versenden wir in einem Briefumschlag aus Altpapier per Post. Dann fügt man nur noch Wasser hinzu – und unsere Glas-, Bad- und Allzweckreiniger sind bereit zum Einsatz.“ Das Thema nachhaltige Putzmittel brachte dem jungen Unternehmer schon seine Mutter nahe, die auf die gängigen Produkte allergisch reagierte und mit eigenen Alternativen experimentierte. Dies motivierte Armakan gemeinsam mit CPO Felix Kleinhenz und CMO Katharina Zurmühlen zur Gründung des Start-ups. Durch sein Finanzstudium in Wien und eine mehrjährige Tätigkeit bei einer Schweizer Bank war das betriebswirtschaftliche Know-how bereits vorhanden – die Herausforderung war es eher, eine hochwertige Rezeptur für das Reinigungsmittel zu finden. „Denn allein die Nachhaltigkeit als Verkaufsargument reicht nicht, unsere Produkte müssen auch von der Qualität her stimmen“, weiß der Mannheimer mit iranischen Wurzeln.

Setzen sich gemeinsam für umweltfreundliche Produkte ein: (v.l.) Salar Armakan, Felix Kleinhenz und Katharina Zurmühlen

In Zusammenarbeit mit einem rheinlandpfälzischen Hersteller von Haushaltsreinigern entwickelte er ein innovatives Granulat, das dort exklusiv für „Moanah“ produziert wird. In Haßloch wird die Produktpalette des Start-ups in umweltfreundliche Sachets abgefüllt und in der Mannheimer Neckarstadt von Armakan und seiner Familie abgepackt und versandt. Der Vertrieb erfolgt dabei über einen eigenen Online-Shop. Doch auch erste Listungen im Handel gibt es bereits.

„Dass wir als erstes Unternehmen mit dem neuen MEXI-Preis der Kategorie ‚Social Economy‘ ausgezeichnet wurden, wird dazu beitragen, gemeinsam mehr Plastikmüll einzusparen und vielleicht den einen oder anderen Investor auf uns aufmerksam zu machen. Das würde uns sehr freuen“, so der Unternehmensgründer.

Ich freue mich jedes Jahr auf die herausragenden Bewerbungen – und in diesem Jahr besonders über die neue Kategorie Social Economy.
Der neue Preis führt zu einer weiteren deutlichen Aufwertung des Preises und zu einer erhöhten Wahrnehmung.
Michael Grunert, Verleger
„Mannheim – Stadt im Quadrat“

Hochdotierter Preis

Mit einem Preisgeld von 10.000 Euro pro Kategorie ist der Mannheimer Existenzgründungspreis MEXI dank der Sponsoren der am höchsten dotierte regionale Preis für Start-ups in Deutschland.

Die Verleihung erfolgte 2020 leider ohne Publikum – jedoch auch in diesem Jahr parallel zum jährlichen Erscheinen des Wirtschaftsmagazins „Mannheim – Stadt im Quadrat“, das die Grunert & Medien Kommunikation GmbH in enger Kooperation mit der Wirtschaftsförderung herausgibt. Ins Leben gerufen hat den Preis 2005 der Verleger Michael Grunert.