Mannheimer Existenzgründungspreis 2020
Auf der Erfolgsspur
von Ulla Cramer

Das implacit-Team: (v.l.) PD Dr. Frank Giordano (kommissarischer Klinikdirektor für Strahlentherapie und Radioonkologie Universitätsmedizin Mannheim, Beratung), Kathrin Höfer (Beratung), Geschäftsführerin Lisa Wittmayer, Alexander Stadler (Softwareentwicklung), Geschäftsführerin Katharina Aschenbrenner, Matthias Brandt (Softwareentwicklung), Dr. Ralf Bieber (Qualitätsmanagement und Zertifizierung) und Prof. Dr. Jürgen Hesser (Inhaber des Lehrstuhls für Data Analysis & Modeling in Medicine am Mannheim Institute for Intelligent Systems in Medicine, Beratung) Foto: implacit

Am 5. November 2019 war die Freude riesengroß:  Die Mannheimer Start-ups osapiens services und implacit nahmen aus der Hand von Wirtschaftsbürgermeister Michael Grötsch den MEXI 2020 – den Mannheimer Existenzgründungspreis – in den Kategorien Dienstleistungen und Technologie entgegen. Die Auszeichnung ist mit jeweils 10.000 Euro dotiert. 

Mobile Endgeräte über die Cloud an Unternehmen anbinden – mit diesem Ansatz überzeugte Alberto Zamora, Co-Gründer der Firma Movilitas, vor über zehn Jahren die Jury des Existenzgründungspreises 2007 – und verkaufte gemeinsam mit seinen Mitgesellschaftern das Nachfolgeunternehmen Movilizer im März 2016 an den US-Konzern Honeywell. Nun punktete Zamora gemeinsam mit seinen ehemaligen Movilizer-Kollegen Stefan Wawrzinek und Matthias Jungblut mit einer neuen Unternehmensgründung: der osapiens services, die sie Mitte 2018 ins Leben riefen und die einen echten Blitzstart hinlegte. 

Beratung, Design und Implementierung von Track & Trace-Projekten ist die Geschäftsidee von osapiens. Bereits 2018 erzielte das Unternehmen mit elf Mitarbeitern einen Umsatz von 2,5 Millionen Euro, der bis Ende 2019 verdreifacht werden soll. Mehr als 50 Firmen zählt die Kundenliste. „Schmuggel und Plagiate rufen immer häufiger den Gesetzgeber auf den Plan, der Unternehmen verpflichtet, die Rückverfolgbarkeit ihrer Waren, aber auch die damit verbundenen Finanzströme bis hinab zu jedem einzelnen Stück zu gewährleisten“, erklärt Jungblut. „Ein aktuelles Beispiel ist die Tabakindustrie. Hier muss der Hersteller auf jede einzelne Packung einen Code von der Bundesdruckerei aufbringen, der an eine zentrale EU-Datenbank weitergeleitet wird – und über den Großhändler bis zum Einzelhändler muss jeweils gemeldet werden, wo sich die einzelne Zigarettenschachtel befindet.“ Bei der Bewältigung dieser Anforderungen berät osapiens und unterstützt bei der dazu nötigen Digitalisierung der Lieferketten. „Derzeit nutzen wir dafür die Plattform von Movilizer/Honeywell, die wir ja schon gut kennen“, so Jungblut.

Aus der Medizintechnologie kommt der zweite MEXI-Preisträger des Jahres 2020. Das große Ziel der beiden jungen Wissenschaft-
lerinnen Katharina Aschenbrenner und Lisa Wittmayer und ihres 2018 gegründeten Unternehmens implacit: mittels moderner Softwarealgorithmen die Krebstherapie effizienter und gleichzeitig schonender zu gestalten und so die Überlebensdauer und Lebensqualität der Patienten zu verbessern. „Derzeit werden Tumore von außen bestrahlt und dadurch gesundes Gewerbe geschädigt“, beschreibt Lisa
Wittmayer das aktuelle Vorgehen. „Vor allem bei Brustkrebs werden jedoch derzeit bereits miniaturisierte Röntgenquellen verwendet, um von innen heraus zu bestrahlen. Dieses Verfahren möchten wir nun auch für Hirntumore ermöglichen. Wir entwickeln eine Software, die anhand der Bilddaten jedes individuellen Patienten dem Arzt genaue Vorgaben macht, wo und wie lange die Strahlung erfolgen soll, sodass gesundes Gewebe geschont wird.“ 

Derzeit wird die Software an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universitätsklinik Heidelberg, gefördert durch eine EXIST-Förderung in Höhe von 1,2 Millionen Euro, entwickelt. Später sollen die Rechte an implacit übertragen werden. Erste Einnahmen erzielen die Existenzgründerinnen bereits heute mit der Beratung für die Medizinproduktezulassung und bauen so ein zweites Standbein auf. Ab Ende 2020 plant das implacit-Team, die Software gemeinsam mit Kooperationspartnern klinisch zu erproben und den Einsatz auf andere Tumore zu erweitern.

Mit einem Preisgeld von 10.000 Euro pro Kategorie ist der Mann-
heimer Existenzgründungspreis dank der Sponsoren aus der Mann-
heimer Wirtschaft der am höchsten dotierte regionale Preis für Start-ups in Deutschland, wie Christiane Ram, Leiterin der Mannheimer Wirtschaftsförderung, betont. „Er ist ein echtes Highlight unserer
Aktivitäten zur Gründungsförderung.“ Die Verleihung erfolgt im Rahmen des Mannheimer Wirtschaftsforums „Mannheim – Stadt im Quadrat“ – gemeinsam mit dem jährlichen Erscheinen des gleichnamigen Wirtschaftsmagazins, das die Grunert Medien & Kommunikation GmbH in enger Kooperation mit der Wirtschaftsförderung herausgibt. Ins Leben gerufen hat den Preis 2005 der Verleger Michael Grunert, der sich über die erfolgreiche Entwicklung der Auszeichnung freut. „Als Jurymitglied bin ich immer wieder über die tollen Geschäftsideen begeistert, mit denen sich junge Unternehmen bei uns bewerben.“