Mannheimer Hafen
Das Tor zur Welt
von Kira Hinderfeld

Mannheim zählt zu den größten deutschen Containerhäfen.
Foto: Hinderfeld

Der Mannheimer Hafen ist einer der größten Binnenhäfen Deutschlands und steht seit Jahren für eine umweltschonende trimodale Mobilität. Ständig wird in die Verbesserung und Weiterentwicklung des Angebots investiert – aktuelle Themen sind unter anderem ein modernes „Wasserrettungszentrum“ und die Förderung der E-Mobilität.

Häfen sind mehr als nur Orte, an denen Schiffe an- und ablegen, um Ladung aufzunehmen oder zu löschen: Diese logistischen Drehscheiben mit ihren vielfältigen, trimodalen Verknüpfungen zwischen Wasserstraße, Schiene und Straße sind ein eminent wichtiger Faktor im Wettbewerb der europäischen Großregionen. Das gilt auch und besonders für den Mannheimer Hafen, der sich nicht nur als Logistik­standort, sondern als großes Industriegebiet versteht, in dem zahlreiche Unternehmen vieler Branchen aus der Old und der New Economy eine Heimat mit Anbindung zu den großen europäischen Seehäfen und damit zur Welt gefunden haben. Diese Heimat liegt darüber hinaus an der Schnittstelle von den drei bedeutenden europäischen Verkehrskorridoren Rhein-Alpen, Rhein-Donau und Atlantik mit einer Verbindung zu Südeuropa – mehr als in jeder anderen Region Europas.  

Zusammen mit dem gegenüber liegenden Hafen von Ludwigshafen schlägt der Mannheimer Hafen gleich viele Güter wasserseitig um wie der öffentliche Hafen von Duisburg. Auch die Größe des Mannheimer Hafens kann sich sehen lassen: 1.131 Hektar messen seine Flächen mit dem Handelshafen, dem Rheinauhafen, dem Industriehafen und dem Altrheinhafen samt Ölhafen. Reger Betrieb herrscht Tag für Tag in den 14 Hafenbecken, den drei Stromhäfen sowie an den Ufern mit ihrer Länge von 54,5 Kilometern. Dazu kommen 35,7 Kilometer Straßen und ein Gleisnetz in einer Größenordnung von fast 100 Kilometern.

Durchschnittlich gehen hier rund 8.000 Schiffe pro Jahr vor Anker, acht Millionen Tonnen Waren werden wasserseitig umgeschlagen. Durch das ungewöhnlich lang anhaltende Niedrigwasser bedingt, legten im Jahr 2018 in den Mannheimer Häfen nur knapp 7.500 Schiffe zum Laden und Löschen an, 2017 waren es knapp 8.600. Der wasserseitige Umschlag lag bei rund 7,5 Millionen Tonnen Gütern. Der wasserseitige Container-Umschlag summierte sich auf fast 900.000 Tonnen, etwa 13.000 Fahrzeuge wurden über die RoRo-Anlage im Rheinauhafen auf den Weg gebracht. Überhaupt spielt der Mannheimer Hafen heute auch beim Containerverkehr eine immer wichtigere Rolle – Mannheim zählt mit einem Volumen von durchschnittlich weit über 100.000 Zwanzig-Fuß-Containern (TEU) pro Jahr zu den zehn größten deutschen Containerhäfen. Die teilweise rasante Entwicklung des Containergeschäfts hat man im Südwesten Deutschlands schon früh vorausgeahnt – bereits anno 1968 wurde in Mannheim das erste Containerterminal in einem deutschen Binnenhafen errichtet.

Fast wichtiger als solche Kennzahlen sind jedoch Wertschöpfung und Beschäftigung, die für eine Region aus ihren Häfen entstehen, wie Mannheims Hafendirektor Roland Hörner betont: „Der Hafen ist ein Wirtschaftsgebiet von zentraler Bedeutung. Insgesamt sind 13.500 Menschen bei uns in hafenabhängigen Funktionen beschäftigt. Die Wertschöpfung beträgt 1,1 Milliarden Euro.“

Die Weiterentwicklung der Häfen Mannheim – noch moderner, noch leistungsfähiger – ist daher erklärtes Ziel der Staatlichen Rhein-Neckar-Hafengesellschaft Mannheim mbH (HGM), einer 100-prozentigen Tochter des Landes Baden-Württemberg. Um den schiff- und bahnseitigen Containerumschlag noch effizienter abwickeln zu können, investiert der Hafen kontinuierlich erhebliche Summen in die Hafeninfrastruktur sowie in die Umschlagstechnik und -kapazitäten, wie beispielsweise an der letzten Erweiterung des Containerterminals in der Werfthallenstraße abzulesen ist, die 2017 abgeschlossen wurde und die Kapazitäten hier fast verdoppelt. Davon profitiert letztendlich auch die gesamte Metropolregion Rhein-Neckar, für die eine hervorragende Verkehrs- und Logistikanbindung ja ein überaus wichtiger Wettbewerbsfaktor ist, insbesondere im Hinblick auf die überdurchschnittliche und weiter gestiegene Exportquote von 68,5 Prozent, die die IHK Rhein-Neckar für 2018 angab.

Doch dienen die Investitionen der HGM nicht nur solchen Kapazitätserweiterungen. Ein Dauerbrenner ist die Nachhaltigkeit der eigenen Energieversorgung: Seit 2007 wird in Photovoltaikanlagen und weitere Energieeffizienzmaßnahmen wie die Umrüstung der Hafenbeleuchtung investiert – mit Erfolg, die HGM kann damit mittlerweile ihren Stromverbrauch  komplett selbst abdecken. Dem Tourismus kommen seit 2013 die fünf „leisen“ Energieterminals direkt vor Haus Oberrhein zugute, dem Sitz der HGM und Anlegeplatz der großen Fahrgastschiffe. Seither können die Schiffe hier ihren Bedarf an Strom und Trinkwasser decken und gleichzeitig Abwasser entsorgen. Der zur Verfügung gestellte Strom ist „grün“ – jährlich können so rund 200 Tonnen Kohlendioxid sowie jede Menge Lärm und Feinstaub eingespart werden.

Ebenfalls ein Dauerbrenner ist die Hafeninfrastruktur mit ihren Straßen, Gleisen, Ufern, Kaimauern und Schleusen. Eine der größten Maßnahmen der letzten Jahre war sicherlich die 2019 abgeschlossene Versetzung von Spundwänden im Mannheimer Handelshafen – wo die Wasserschutzpolizei, die Feuerwehr und die DLRG ihre Stützpunkte haben. Die von den Schutz- und Rettungsorganisationen geplanten neuen, größeren Bootshallen brauchten mehr Platz. Ohne einen Umzug der Stützwände einige Meter weiter landeinwärts würden die Hallen zu weit in die Einfahrt zum Mühlauhafen hineinragen. Eine gute Nachricht insbesondere für das hochmoderne neueste Feuerlöschboot der Region, das jahrelang notgedrungen im Mühlauhafenbecken vor Anker gehen musste. Die HGM nahm für die aufwändige Abtragung der alten und die Errichtung der neuen, gleichzeitig höher konzipierten neuen Spundwände und begleitende Maßnahmen wie neue Slip- und Steganlagen insgesamt 1,3 Millionen Euro in die Hand und schuf damit die Grundlagen für ein effizientes Wasserrettungszentrum in idealer Lage, das der ganzen Region zugutekommt.

Einen weiteren Fokus legt die Hafengesellschaft auf die Förderung der (E-)Mobilität. Zwei E-Fahrzeuge wurden im ersten Schritt angeschafft und ersetzen die alten Benziner. Seit mehreren Jahren bereits stellt die HGM ihren Beschäftigten für die kürzeren Dienstwege im Hafen Fahrräder mit allem Drum und Dran zur Verfügung – der „Fahrradstall“ steht direkt vor Haus Oberrhein auf dem Firmenparkplatz. Dieser Parkplatz ist auch Schauplatz der neuesten Mobilitätsmaßnahme des Hafens: Nicht nur für die eigenen E-Autos, sondern auch für Dritte steht nun eine funkelnagelneue E-Ladesäule mit zwei Lademöglichkeiten bereit.