m:con – mannheim:congress GmbH | „Die Digitalisierung hat uns gerettet“

Für das Mannheimer Congress Center Rosengarten war die Pandemie eine echte Herausforderung. Ein großer Teil der Umsätze ging verloren. Doch mit einem „digitalen Zwilling“ des Gebäudes bricht das Team um Geschäftsführer Bastian Fiedler nun zu ganz neuen Ufern auf.

ZUR PERSON
Seine erste Messe organisierte Bastian Fied-ler schon im Rahmen seines Betriebswirtschaftsstudiums an der FH Ludwigshafen – im Congress Center Rosengarten, wo er nur wenig später als Praktikant seine Erfahrungen ausbaute und nach seinem Abschluss 2004 als Assistent der Geschäftsführung durchstartete. Schon vier Jahre später wurde er Prokurist und 2017 zweiter Geschäftsführer der m:con. Seit Anfang 2020 managt er das Kongresszentrum alleinverantwortlich. FOTO: M:CON

Was muss man sich unter einem virtuellen Rosengarten vorstellen?
Bastian Fiedler: Online-Diskussionen, auf denen man per Video oder per Chat Fragen stellen kann, das ist inzwischen Alltag. Aber sich ganz bequem vom heimischen Computer aus in einen Avatar zu verwandeln und durch einen detailgetreuen virtuellen Rosengarten zu wandern, der sich in nichts von der realen Variante unterscheidet, das hat schon eine ganz andere Qualität. Problemlos können die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf verschiedenen Bühnen Podiumsdiskussionen und Vorträgen folgen und sich auf den Gängen mit anderen Anwesenden vernetzen. Auf fünf Veranstaltungen – angefangen von einem eigenen Branchenkongress im Bereich des Eventmanagements bis zu einem Treffen von Hebammen – haben wir dieses Format schon erfolgreich eingesetzt und auf diese Weise einen Anteil unserer ausgefallenen Umsätze wieder hereingeholt. Die Möglichkeit, Veranstaltungen unabhängig von unserem Gebäude zu präsentieren, das hat uns in dieser schwierigen Situation gerettet.

Wie kamen Sie auf diese Idee?
Fiedler: Eigentlich wollten wir mit einem digitalen Rosengarten unseren Kunden eine Reise nach Mannheim ersparen und uns Möglichkeiten eröffnen, unser Haus realitätsnah zu präsentieren. Doch vor dem Hintergrund von Corona erkannten wir schnell die große Chance dieser Technologie. Veranstaltungen, die der Pandemie zum Opfer fallen und nicht umsetzbar sind, können 1:1 digitalisiert und damit realisiert werden – und dies zu niedrigeren Kosten als ein Live-Event. Wir sind mit diesem Angebot, das wir gemeinsam mit der Event-Plattform allseated entwickelt haben, ein Vorreiter der Branche.

Bietet dieses digitale Format denn auch Chancen außerhalb von Pandemiezeiten?
Fiedler: Davon sind wir überzeugt – vor allem bei Veranstaltungen bis zu 500 Teilnehmenden mit dem Fokus auf Networking und Wissensvermittlung. In Frühjahrsmonaten beispielsweise könnten wir unser Congress Center Rosengarten gleich mehrfach vermieten. Hier können wir nun eine virtuelle Alternative anbieten.
Im Oktober und November 2021 haben Sie wieder Live-Kongresse vor allem im medizinischen Bereich veranstalten können.

Hat die Digitalisierung auch hier eine verstärkte Rolle gespielt?
Fiedler: Unbedingt. Uns war von vorneherein klar, dass sich die Kongresslandschaft grundsätzlich verändern wird. Und diese Einschätzung hat sich bewahrheitet. Ungefähr 75 Prozent unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind wieder in unsere Präsenzveranstaltungen zurückgekehrt – das restliche Viertel haben wir in unseren digitalen Räumen begrüßt und das vor Coronazeiten kaum genutzte Angebot von Online-Übertragungen in großem Stil erweitert.

Ist es für Sie ein wirtschaftliches Problem, wenn nur noch weniger Besucherinnen und Besucher zu den Kongressen nach Mannheim kommen?
Fiedler: Bisher wurde vielen Kunden, insbesondere wissenschaftlichen Fachverbänden, die Nutzung der virtuellen Angebote im Rahmen von großen Kongressen nicht berechnet und der Zugang war kostenfrei. Inzwischen ist eine virtuelle Teilnahme nicht mehr kostenlos – zum einen, weil die hiermit verbundene Technik durchaus hohe Kosten verursacht, aber auch weil wir unsere Gäste natürlich auch motivieren wollen, live nach Mannheim zu kommen. Hier setzen wir auf eine Mischkalkulation.

Bis 2024 planen Sie eine Erweiterung des Congress Centers Rosengarten. Ist das denn noch sinnvoll, wenn die Teilnehmerzahlen bei Ihren Kongressen wegen der zusätzlichen digitalen Angebote eher rückläufig sein werden?
Fiedler: Im Gegenteil. Der Saal, den wir über unserem Mittelfoyer mit insgesamt 600 Plätzen errichten wollen, ist in fünf kleinere Räume teilbar. Diese Möglichkeit, in kleineren Gruppen oder im Rahmen von Workshops zu diskutieren, ist ein ausdrücklicher Wunsch der Kongressveranstalter. Mit dieser Erweiterung und vor dem Hintergrund generell eher rückläufiger Teilnehmerzahlen werden wir nun auch für Veranstaltungen interessant, die wir bisher nicht für Mannheim gewinnen konnten, weil unsere Räumlichkeiten dafür einfach nicht groß genug waren.

Wie sehen Sie die Zukunft der m:con – mannheim:congress GmbH?
Fiedler: Bisher stammten rund zwei Drittel unserer Umsätze aus der Vermietung der Räumlichkeiten des Congress Centers Rosengarten – ca. 33 Prozent kamen aus dem Agenturgeschäft, in dessen Rahmen wir Veranstaltungen in anderen Städten wie den Internistenkongress in Wiesbaden oder auch Events für große Firmen aus der Pharmabranche und DAX-Unternehmen managen. Unsere nun weiter ausgebaute digitale Expertise und die Möglichkeit, virtuelle Events durchzuführen, eröffnet uns ein ganz neues Geschäftsfeld und bedeutet eine neue Umsatzsäule für die m:con.

Die Fragen stellte Ulla Cramer.