Mobilität

Der Hafen bewegt die Region

Photovoltaik auf allen Dächern: Blick auf Lagerhallen der Hafengesellschaft am Rheinkai
Foto: Upper Rhine Ports

„Ein Binnenhafen ist weit mehr als nur ein Umschlagplatz – er ist ein trimodaler Logistikknotenpunkt mit großer Zukunft, wenn man es richtig angeht“, sagt Mannheims Hafendirektor Uwe Köhn. Die Politik sieht in der Binnenschifffahrt einen der wichtigen Hebel für den Fortschritt bei der Energie- und der Verkehrswende. Immerhin ersetzt ein modernes Binnenschiff 150 Lkw.

Von Kira Hinderfeld

Die Häfen als logistische Drehscheiben mit ihren vielfältigen Verknüpfungen zwischen Wasserstraße, Schiene und Straße sind ein eminent wichtiger Faktor im Wettbewerb der europäischen Großregionen. Das gilt auch und besonders für den Mannheimer Hafen, der sich nicht nur als Logistikstandort, sondern als großes Industriegebiet versteht, in dem zahlreiche Unternehmen aus der Old und der New Economy eine Heimat mit Anbindung zu den großen europäischen Seehäfen und damit zur Welt gefunden haben. Die unterschiedlichsten Branchen sind hier vertreten: von Nahrungsmitteln, Energie, Logistik, Recycling, Baumaterial bis Tanklagerung. Viele große Player der Metropolregion wie Roche, ABB, BASF, Essity, John Deere oder Heidelberger Druckmaschinen schlagen ihre Produkte zu einem erheblichen Teil über den Hafen um.

Trotzdem war der wasserseitige Güterumschlag im Mannheimer Hafen in den vergangenen Jahren eher rückläufig, teilweise wegen der allgemeinen wirtschaftlichen Lage, aber vor allem, weil einer der großen Tonnagebringer – der Kohletransport – wegen der Energiewende auf dem Rückzug ist. Doch mehrten sich die guten Signale nicht nur für die Binnenhäfen selbst, sondern auch für deren Nutzer, die Binnenschifffahrt und die Wirtschaft, sagt der Hafenchef mit Blick auf aktuelle Zahlen. Er setzt darauf, dass entfallende Volumina hafen- und schiffsaffiner Güter durch neu hinzukommende ersetzt werden können. Ein Stichwort ist die Wasserstoffindustrie mit neuen Energieträgern oder die Kreislaufwirtschaft.

Nachhaltige Entwicklung wichtig

Das Land Baden-Württemberg, dem die Staatliche Rhein-Neckar-Hafengesellschaft Mannheim mbH (HGM) zu 100 Prozent gehört, hat sehr ambitionierte Klimaziele ausgerufen – und der Ruf ­wurde auch in Mannheim gehört. Sogar schon sehr früh: Bereits 2007 ­baute die Hafengesellschaft Photovoltaikanlagen auf ihre ­Hallendächer, arbeitet mittlerweile komplett mit Ökostrom und rüstet den Fuhrpark schrittweise auf elektrisch um. Darüber ­hinaus investiert sie in die Infrastrukturen wie beispielsweise eine energieeffizientere Beleuchtung von Straßen, Brücken und Kaimauern­ oder leistungsstarke Lademöglichkeiten für Elektro-Lkw und -Pkw. Viel Geld fließt auch in die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden.

Zwei sportliche HGM-Elektriker auf dem Weg zum Einsatz: Mitarbeiter der HGM-Werkstatt im Handelshafen nutzen für kleinere Strecken gern die E-Lastenräder.
Foto: HGM

„Eine nachhaltige Entwicklung ist ein wichtiges strategisches Ziel der HGM“, bekräftigt Köhn. Die Erarbeitung und Umsetzung eigener Konzepte und die Mitarbeit an Kooperationsprojekten mit anderen Häfen sollen dazu beitragen, den Hafen zu einem nachhaltigen Knotenpunkt der Energie- und Verkehrswende weiterzuentwickeln und damit zukunftsfest aufzustellen.

Corporate Carbon Footprint liefert interessante Erkenntnisse

Zur „Standortbestimmung“ wurde der Corporate Carbon Footprint (CCF) der HGM analysiert, um zukünftige Maßnahmen zur CO2-Minderung besser einordnen und quantifizieren zu können.

„Dabei stellte sich heraus, dass bei der HGM die direkt verursachten Scope-1-Emissionen mit 61 Prozent an den Gesamtemissionen zu Buche schlagen, und hier geht es vor allem um Diesel, der unsere schweren Arbeitsschiffe und Eisbrecher antreibt“, erläutert der Hafenchef. Bei der Bilanzierung von Treibhausgasemissionen unterscheidet man drei sogenannte „Scopes“ – also Geltungsbereiche: Scope 1 steht für direkte Emissionen. Während man den Dieselverbrauch durch die Modernisierung des schwimmenden Fuhrparks zwar nicht ersetzen, aber doch in gewissem Umfang reduzieren könne, sei bei dem zweiten großen Verursacher, dem Heizöl, bereits eine umfassende Investition in eine hochmoderne neue Heizungsanlage für Haus Oberrhein, den zwölfstöckigen Sitz der Hafengesellschaft, in Vorbereitung, sagt Köhn.

Eine Umrüstung auf erneuerbare Energien mit Wärmepumpen und Photovoltaik soll die Ökobilanz kräftig verbessern. Das bisher größte derartige Projekt hatte die Hafengesellschaft Ende 2023 bei einem denkmalgeschützten Bürogebäude abgeschlossen. Rund zwei Millionen Euro kostete die aufwändige energetische Sanierung des 120 Jahre alten historischen Hauses in der Rheinkaistraße.

Der Scope-3-Anteil – die indirekten Emissionen, die entlang der Wertschöpfungskette entstehen – liegt bei 39 Prozent. Der gewichtigste Faktor ist hier der Pendelverkehr per Pkw oder ÖPNV mit 18 Prozent. „Die HGM hat auch diesen Aspekt im Blick. Angebote für unsere Mitarbeitenden, vom Fahrradeinsatz bis zum Job-Ticket, gibt es bereits – oder wir arbeiten daran“, sagt Köhn. Für den innerbetrieblichen Verkehr stehen E-Lastenräder zur Verfügung.

Seit Ende November 2024 ergänzen zwei Schnellladesäulen mit je zwei Ladepunkten die E-Ladeinfrastruktur im Handelshafen.
Foto: Hinderfeld

Insbesondere mit Blick auf den Scope-2-­Bereich, der alle Emissionen umfasst, die durch den Erwerb und Verbrauch von Strom, Dampf, Wärme oder Kühlung entstehen, ist die CO2-Bilanz der HGM „recht ordentlich“. Dazu trägt auch die Strombilanz des Unternehmens bei: Es wird mit den Photovoltaikanlagen mehr Ökostrom erzeugt als verbraucht, der Rest wird ins Netz eingespeist und verdrängt ­fossile Energieträger.

Ökologisch nachhaltiges Liegenschaftsmanagement

Als Schnittstelle für Handel, Produktion und Gewerbe spielt der Mannheimer Hafen eine bedeutende Rolle bei der Zulieferung von Rohstoffen und dem Vertrieb von Produkten der Industrie sowie bei der Versorgung der Bevölkerung. Die Instandhaltung der dafür nötigen ­Infrastruktur ist eine der wichtigsten Aufgaben der Hafengesellschaft. „Der Güterumschlag ist aber nur eine der interessanten Kennzahlen, an denen sich der Erfolg des Hafens bemisst“, erklärt Uwe Köhn.

Den größten Teil ihres Umsatzes mit über 80 Prozent erwirtschafte die HGM mit der Vermietung der landeseigenen Liegenschaften im Hafengebiet an die Wirtschaft: „Das bietet uns einen weiteren Ansatzpunkt, denn unsere Bemühungen um mehr Nachhaltigkeit enden nicht bei unseren selbstgenutzten Flächen, sondern erstrecken sich auch auf die vermieteten Liegenschaften.“

Ein neues Konzept zum ökologisch nachhaltigen Liegenschaftsmanagement will nun die Frage beantworten, inwieweit man auf vermieteten Grundstücken mehr Nachhaltigkeit im Austausch mit den Partnern erreichen kann, ohne diese zu überfordern. Die Aufgabenfelder für den Hafen Mannheim reichen dabei vom weiteren Ausbau erneuerbarer Energien, nachhaltiger Logistik und nachhaltigem Verkehr über Anpassungsstrategien an den Klimawandel bis zu Biodiversität und Naturschutz.

Hafendirektor Uwe Köhn
Foto: HGM

Bereits in der Anbahnungsphase eines Mietverhältnisses oder bei einer­ Mietverlängerung wird die Machbarkeit ökologisch nachhaltiger Maßnahmen geprüft. Je nach Art, Zustand und Nutzung des entsprechenden Grundstückes – Freifläche, Lagerhalle, Büro- oder Wohngebäude –­ kann es sich dabei um Sanierungs- oder Modernisierungsmaßnahmen an Gebäuden und Technik handeln, aber auch um eine Entsiegelung, eine Fassaden- oder Dachbegrünung, grüne Mobilität und vieles mehr. „Herausforderungen dabei sind die ständigen Änderungen in der Gesetzgebung, aber auch neue Erkenntnisse,­ ­die permanent in dieses lebendige Konzept eingearbeitet werden ­müssen“, sagt Köhn.

Das Containerterminal im Handelshafen wird seit Jahren immer wieder erweitert.
Foto: Hinderfeld