Modellquartier FRANKLIN
Auf dem Weg zur Smart City
von Ulla Cramer

In zwei ehemaligen Kasernengebäuden im Quartier FRANKLIN werden neue Energiekonzepte eingesetzt.
Visualisierung: Reinraum/GBG

Mit einer Fläche von 144 Hektar ist es so groß wie die Mannheimer Innenstadt – das Quartier FRANKLIN. Auf dem Konversionsgelände in Mannheim-Käfertal entsteht derzeit ein Stadtteil für 10.000 Menschen. Auch Mannheimer Unternehmen wie ABB und MVV bringen dabei ihre Expertise ein. 

Auf FRANKLIN wird in vielen Bereichen Zukunft schon heute Wirklichkeit. So haben die Mannheimer Wirtschaftsförderung und die städtische Entwicklungsgesellschaft MWSP mit „SQUARE – smart quarter and urban area reducing emissions“ ein spannendes Modellprojekt auf den Weg gebracht. Im Dezember 2014 wurde es im Rahmen des Wettbewerbs „Klimaschutz mit System“ des Umweltministeriums Baden-Württemberg ausgezeichnet und in die EU-Förderung aufgenommen. Nun wird es auf FRANKLIN umgesetzt. 

Im Fokus: die Sanierung von zwei Kasernengebäuden in FRANKLIN-Mitte mit jeweils rund 2.800 Quadratmetern Bruttogeschossfläche. Zwei Ansätze werden hierbei erprobt – eine Modernisierung nach Passivhausstandard (EnerPHit), wo keine Heizung mehr benötigt wird, sowie eine Neugestaltung nach dem EnEV-Standard mit einem im Vergleich zum konventionellen Bau deutlich reduzierten Energiebedarf. „Zum Einsatz kommen Technologien wie Smart Grids, saisonale Wärmespeicherung mittels Eisspeicher, Smart-Metering-Konzepte und eine durchgehende Ausstattung der Dachflächen mit Photovoltaik“, berichtet Projektleiter Georg Pins von der Wirtschaftsförderung Mannheim. Saniert werden die Gebäude von der GBG – Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft. Bis Ende 2019 entstehen 48 Wohnungen mit drei bis fünf Zimmern. 

Mit im Boot sind auch das Mannheimer Energieunternehmen MVV, das FRANKLIN mit einem innovativen Energie- und Dienstleistungskonzept zur Smart City entwickelt, und der Technologiekonzern ABB. Auf der Hannover Messe im Frühjahr 2019 haben sie eine Partnerschaftsvereinbarung unter dem Titel „Energy and Efficiency as a Service“ unterzeichnet. Im Vordergrund stehen dabei gemeinsame Lösungen zur nachhaltigen Verbesserung der Energieeffizienz von Wirtschaft und Kommunen auf dem Weg zur Smart City. Es geht auf der einen Seite um die Vermeidung von CO2-Emissionen und die Vermarktung von verfügbaren flexiblen Kapazitäten im Energiebereich, und auf der anderen Seite um die Gestaltung der Städte der Zukunft durch innovative Technologien wie Speicherlösungen und die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge.

„Eines unserer wichtigsten aktuellen Projekte im Rahmen unser Smart Cities Initiative ist FRANKLIN“, berichtet Michael Alefs, der Leiter der Smart Cities Initiative bei ABB. Für das neue smarte Quartier liefert ABB Batteriespeicher und das Energiemanagementsystem OPTIMAX. 

Gleichzeitig nutzt die MVV mit ihrem breiten energiewirtschaftlichen Know-how diese Energiespeicher als ihr eigenes virtuelles Kraftwerk, um den Bedarf der Nutzer intelligent zu kombinieren und mit dem Energiemarkt zu verbinden. „Mit dieser ganzheitlichen und voll integrierten Energieeffizienz-Dienstleistung können unsere Kunden deutliche Energie- und damit Kosteneinsparungen und durch die Vermarktung der verfügbaren Kapazitäten und Energieüberschüsse zusätzliche Einkünfte erzielen“, erläutert Dr. Joachim Hofmann, Geschäftsführer der MVV-Tochtergesellschaft MVV Enamic, die Vorteile der gemeinsam mit ABB entwickelten Lösung. 

Die Idee des Konzepts: dezentrale Erzeugungsanlagen unterschiedlicher Größe und flexible Verbraucher zusammenzubringen und den Einsatz verschiedener Energiespeicherlösungen wie Batterien, Wärme-, Druckluft- oder Pumpspeicher zu ermöglichen. Die Fähigkeit, Energie über einen kürzeren oder längeren Zeitraum zu speichern, erweitert den Spielraum, sie an verschiedenen Energiemärkten anzubieten – eine neue Flexibilität für die sonst sehr schwankende Einspeisung erneuerbarer Energien. „In den Energieeffizienzhäusern auf FRANKLIN, die gerade modernisiert werden, installieren wir als erstes Projekt einen Batteriespeicher, der die autonome Stromversorgung in diesem Mehrfamilienhaus sicherstellt“, so Bruno Theimer, der bei ABB für den Vertrieb von digitalen Lösungen rund um die Energie zuständig ist und innerhalb der deutschlandweiten Initiative die Stadt Mannheim betreut. Und Hofmann ergänzt: „Als Smart Cities eröffnet sich Kommunen eine neue Dimension, um die Digitalisierung für eine zukunftsorientierte und ressourcenschonende Energie- und Wasserversorgung zu nutzen.“