Modellregion Wasserstoff
Der Treibstoff der Zukunft
von Gabriele Booth

Über einen „großen Bahnhof“ konnte sich der erste Wasserstoff-Triebzug für den Regionalverkehr im Januar 2019 bei einer Probefahrt zwischen Ludwigshafen und Mannheim freuen. Beim Thema Wasserstoff will die Metropolregion Rhein-
Neckar ganz vorne mitspielen.
Foto: Gerold

Ihm gehört die Zukunft beim Thema Mobilität: dem Wasserstoff. Mannheim und die Metropolregion Rhein-Neckar wollen hier in der ersten Liga mitspielen.Er ist blau, leise – und vor allem ausgesprochen umweltfreundlich. Die Rede ist vom „Coradia iLint“, einem Zug ohne Verbrennungsmotor und ohne Elektroleitungen aus dem Hause Alstom. Der weltweit erste Wasserstoff-Triebzug für den Regionalverkehr ist auf einigen Strecken in Norddeutschland bereits im Regelverkehr unterwegs, bei einer Probefahrt zwischen Ludwigshafen und Mannheim zeigte er seine Alltagstauglichkeit. Die Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoff zu Wasserdampf erzeugt elektrische Energie, die den Zug zum Rollen bringt. Geeignet ist der „Coradia iLint“ vor allem für nicht-elektrifizierte Strecken, von denen es vor allem in der Pfalz durchaus noch einige gibt. 

So könnte der Wasserstoffzug schon bald zum Zugpferd für die zukünftigen Pläne werden. Denn Mannheim und die Metropolregion haben sich zum Ziel gesetzt, das Element Wasserstoff zu ihrem „Treibstoff“ zu machen und bei der Entwicklung dieser Zukunftstechnologie eine Vorreiterrolle zu übernehmen. Neben Zügen könnten in der Zukunft auch Lastwagen, Busse, Müllautos, Güterzüge und Binnenschiffe mit Wasserstoff als Energieträger angetrieben werden. 

Grundlage ist eine von der Prognos AG (Wirtschaftsforschung) und der Thinkstep AG (Strategieberatung) erstellte Studie, die mittelfristig  das große Potenzial für dieses Vorhaben belegt. „Wir sind uns unserer Stärken bewusst und deshalb zuversichtlich, aufgrund der vorhandenen Möglichkeiten und den Kompetenzen und Ressourcen, die uns in unserem Netzwerk zur Verfügung stehen, den zukunftsweisenden Energieträger Wasserstoff nachhaltig in der Region zu verankern“, ist Bernd Kappenstein, Leiter Fachbereich Energie und Mobilität bei der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH, überzeugt. 

Die Brennstoffzelle steht auch bei der EvoBus GmbH ganz oben auf der Agenda. Der vollelektrisch angetriebene eCitaro aus dem Mannheimer Werk rollt jetzt schon auf einigen Strecken der Metropolregion Rhein-Neckar, vor allem in Mannheim und Heidelberg (siehe auch Seite 23). Ein erneuter Technologiesprung wird für 2022 erwartet, wenn der schnittige Bus mit einer Brennstoffzelle als „Range Extender“ ausgerüstet wird. Mit dieser neuen Technik sind Zwischenladungen und die dafür notwendige Infrastruktur weitgehend überflüssig. Ursprünglich hatte die Metropolregion auf EU-Fördergelder gehofft. Nun wollen die Partner das Modellprojekt alleine stemmen und setzen auf Unterstützung durch den Bund. 

Und so könnte die Modellregion Wasserstoff der Zukunft ganz konkret aussehen:  Die Mannheimer MVV und die Ludwigshafener Pfalzwerke stellen Ökostrom zur Verfügung. Gemeinsam mit dem Chemiekonzern BASF erzeugen die beiden Energieunternehmen Wasserstoff. Auf der Friesenheimer Insel in Mannheim entsteht ein Forschungszentrum Wasserstoff – und eine Hochdruckbetankungsanlage. Das Ludwigshafener Unternehmen Air Liquide Deutschland, Spezialist für technische Gase, bringt seine Kompetenz bei Speicherung und Transport von Wasserstoff ein. Pipelines sind in der Planung. In Heidelberg entsteht eine Wasserstofftankstelle, das Weinheimer Unternehmen Freudenberg bringt Forschungskompetenz ein. Es ist eine Menge Potenzial, die die Region in die Waagschale wirft.