Nachhaltige Gesellschaftsform | Stiftungen liegen im Trend

„Die weitaus meisten Stiftungen verfolgen gemeinnützige Zwecke.“
Kathrin Mindnich, Partnerin FALK FOTO: FALK

Stiftungen betreiben Museen und soziale Einrichtungen, sie stiften Schulbücher, schützen Wälder oder fördern wissenschaftliche Projekte, um nur einige Bereiche zu nennen, in denen sie aktiv sind. Und: Stiftungen liegen im Trend, weiß die Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft FALK, die auf dieses Thema spezialisiert ist.

VON ULLA CRAMER

Die Entscheidung, eine gemeinnützige Stiftung zu gründen, muss gut durchdacht sein“, bringt es Kathrin Mindnich, Stiftungsexpertin bei FALK, auf den Punkt. „Denn wer diesen Schritt geht, trennt sich für immer von seinem Vermögen – und dieser Entschluss kann nicht rückgängig gemacht werden. Eine Stiftung ist für die Ewigkeit gedacht und selbst nach dem Tod des Gründers oder nach ihrer Auflösung fließt das Kapital an den Zweck, für den die Stiftung vorgesehen ist.“ Zwar gibt es auch Familienstiftungen, die im Prinzip privates Vermögen bündeln und verwalten – häufig, um den Erhalt von Unternehmen zu gewährleisten – doch 92 Prozent der derzeit fast 24.000 rechtsfähigen Stiftungen bürgerlichen Rechts, die es derzeit in Deutschland gibt, verfolgen gemeinnützige Zwecke. Im Fokus stehen dabei die Themen Gesellschaft, Bildung, Kunst und Kultur sowie Wissenschaft. „Zunehmend spielt auch Klima- und Umweltschutz eine Rolle“, so der Eindruck von Mindnich. „Doch häufig hängt der Stiftungszweck mit persönlichen Erlebnissen wie Krankheiten in der Familie zusammen, für deren Bekämpfung dann beispielsweise eine Stiftung ins Leben gerufen wird. Weit verbreitet sind zudem Stiftungszwecke wie Altenpflege oder die Unterstützung benachteiligter Kinder.“

Die Stiftung legt das ihr übertragene Vermögen sicher und gewinnbringend an. Die so erwirtschafteten Überschüsse werden für den gemeinnützigen Zweck ausgegeben. Das gestiftete Vermögen selbst muss als Grundstockvermögen der Stiftung erhalten bleiben, wenn es sich nicht um eine Verbrauchsstiftung handelt, bei der neben den Erträgen auch das eingebrachte Vermögen vollumfänglich oder teilweise (so z. B. bei einer Hybridstiftung) für Stiftungszwecke eingesetzt wird.
Den Zweck einer Stiftung bestimmt der Stifter, wenn er die Stiftung errichtet. „Dieser wird in der Stiftungssatzung festgelegt, bei deren Abfassung wir die Stifter beraten. Hier ist große Sorgfalt gefragt – vor allem mit Blick auf die strengen Prüfungen durch Finanzamt und Regierungspräsidium“, berichtet die Wirtschaftsprüferin und Steuerberaterin. „Die Novelle des deutschen Stiftungsrechts, die im Wesentlichen Mitte 2023 in Kraft tritt, ermöglicht es nun, prägende Bestimmungen der Satzung wesentlichen Änderungen der Verhältnisse anzupassen. Das ist ein wichtiger Fortschritt, um auf gesellschaftliche Veränderungen und auf falsche Einschätzungen bei der Gründung der Stiftung reagieren zu können.“ Die anstehende Reform des Stiftungsrechts und mögliche politische Bestrebungen, eine Vermögensteuer einzuführen, könnten dem Thema noch einmal einen Schub verleihen, vermutet Mindnich, auch wenn die Zahl der Stiftungen seit 2001 bereits von 10.500 auf heute knapp 24.000 kontinuierlich gestiegen ist. Allein 2020 entstanden 712 neue Stiftungen. 28,7 Stiftungen pro 100.000 Einwohner gibt es in der Bundesrepublik, hat der Bundesverband Deutscher Stiftungen berechnet.

In Zeiten niedriger Zinsen ist die Frage nach der Anlage und Verwaltung des Stiftungskapitals von entscheidender Bedeutung. Schließlich muss eine Stiftung nicht nur ihr Kapital erhalten, sondern aus dessen Erträgen auch den Stiftungszweck erfüllen. Immer mehr Stiftungen investieren daher in Aktien, Fonds und Immobilien sowie in Private Equity.
Auch wenn 80 Prozent der Stiftungen mit weniger als einer Million Euro Kapital errichtet werden, sieht Mindnich einen deutlichen Trend zu kapitalstärkeren Stiftungen ab einer Million Euro. Und bei der Betreuung durch FALK geht es durchaus nicht nur um deren Gründung, sondern neben der steuerlichen Beratung auch um die Rechnungslegung, die bei Stiftungen ein wichtiges Thema ist. „Gerade sehr große Stiftungen werden wie Unternehmen durch Wirtschaftsprüfer unter die Lupe genommen und ein Testat erteilt“, so Mindnich. „Das stärkt die Reputation, die für eine Stiftung ja besonders wichtig ist.“