Nachhaltige Personalpolitik | Die Wertschätzung der Mitarbeitenden

Beim JobRad treten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von UEBERBIT gerne in die Pedale. FOTO: UEBERBIT

Resilienz in einem Unternehmen bedeutet nicht nur, sich um Klimaschutz zu kümmern, auch das Thema Mitarbeitende ist ein wichtiger Baustein einer nachhaltigen Geschäftspolitik.

VON DR. GABRIELE KOCH-WEITHOFER UND KATRIN BALLHAUS

UEBERBIT: Als Arbeitgeber nachhaltig attraktiv sein
Gute Mitarbeitende zu finden und an sich zu binden, wird für Firmen immer mehr zur Schlüsselaufgabe. Unternehmenswerte spielen dabei eine bedeutende Rolle, weiß Daniel Bönisch, einer der beiden Gründer und Inhaber der Mannheimer Digitalagentur UEBERBIT: „Eine mitarbeiterorientierte Unternehmenskultur und gelebte unternehmerische Verantwortung sind wichtige Bausteine einer nachhaltigen Personalpolitik“, ist er überzeugt.
Etliche Agentur-Beschäftigte sind bereits seit zehn, 15 oder gar 20 Jahren dabei. „Das ist keine Selbstverständlichkeit in der dynamischen Digitalwirtschaft“, betont der Inhaber. Er setzt auf ein System aus Offenheit, Respekt, Vertrauen und gegenseitiger Anerkennung. „Uns ist wichtig, dass jede und jeder im Unternehmen als Persönlichkeit wahrgenommen wird, in der jeweiligen Lebensphase mit entsprechenden Bedürfnissen“, unterstreicht er.
Förderung ist eine weitere Säule der nachhaltigen Personalpolitik. „Wir investieren konsequent in Weiterbildung“, sagt Bönisch. Auch das trägt zur Zufriedenheit und Motivation bei. Im Fokus steht nicht nur der Ausbau fachlicher Kompetenzen, auch Eigeninitiative wird gezielt unterstützt: So organisieren Mitarbeitende zum Beispiel das „Onboarding“ neuer Kolleginnen und Kollegen selbst oder führen Netzwerk- Events durch.
Auch Gesundheit und Wohlbefinden sind UEBERBIT wichtig. Für ihre Kreativen am Bildschirm organisiert die Firma Bio-Obst vom lokalen Lieferanten, einen mobilen Massageservice und einen Sehstärken-Check. Überstunden sucht man möglichst zu vermeiden.
Ein inzwischen etabliertes Fitness-Projekt: das JobRad-Angebot. Angestellte können sich ein Fahrrad oder E-Bike nach Wunsch im Rahmen eines Fahrradleasings zulegen. Ein solches Dienstrad, das auch in der Freizeit genutzt werden kann, ist günstiger als ein Privatkauf. Abwicklung und Abrechnung übernimmt die Personalverwaltung. Versicherung und Jahresinspektion zahlt die Firma. Das Engagement für umweltfreundliche Mobilität kommt an bei der Belegschaft. Und nicht nur das: „Wir beziehen zu hundert Prozent Ökostrom, und zwar über eine Energiegenossenschaft – ebenfalls eine Initiative aus dem Team“, erklärt Bönisch.
1996 gegründet, zählt UEBERBIT mittlerweile zu den TOP-100-Digitalagenturen in Deutschland. Die Mannheimer, die auch ein Büro in Stralsund betreiben, entwickeln mit 40 Beschäftigten passgenaue Lösungen für Kunden bundesweit. In agilen Teams entstehen nutzerfreundliche Corporate Websites, Social Intranets, E-Commerce- und andere individuelle Anwendungen auf dem neuesten Stand von Technologie und Design.

INTER: Mobile Arbeitswelten auf dem Vormarsch
Schon vor Corona konnten die Beschäftigten der INTER Versicherungsgruppe ihre Arbeitszeiten flexibel gestalten. Auch Homeoffice und mobiles Arbeiten wurden vereinzelt praktiziert. Die Pandemie beschleunigte die Entwicklung.
Seit Beginn der Pandemie arbeiteten im Durchschnitt rund 80 Prozent der Belegschaft im Homeoffice. In Rekordzeit hatte das Unternehmen Anfang 2020 dafür die nötige Infrastruktur auf die Beine gestellt, zusätzlich Laptops und Technik für Videokonferenzen angeschafft. Und es unterstützte mit vielfältigen Weiterbildungsangeboten. Dazu gehörten unter anderem Kurzseminare zu Homeschooling oder Trainings zum „Selbst- und Zeitmanagement in der digitalen Arbeitswelt“. Thema war und ist auch weiterhin die Kommunikation auf Distanz: Bei Workshops wie „Virtuelle Besprechungen und Teammeetings erfolgreich moderieren“ ging es darum, auch im hybriden Miteinander gut zu arbeiten und den Austausch aufrechtzuerhalten.
Sogar eine Online-Kinderbetreuung hatte die Versicherungsgruppe im Programm. Fachpersonal betreute den Belegschaftsnachwuchs, bastelte und musizierte mit ihm und lernte Sprachen mit den Kindern. Als Ansprechpartner rund um die Themen Vereinbarkeit von Beruf und Elternschaft oder Pflege von Angehörigen vermittelte der externe Familienservice darüber hinaus bei Bedarf auch reale Betreuungsdienste.
Der jährliche Gesundheitstag bei der INTER erlebte im Oktober 2020 eine Neuauflage in digitaler Form. Schwerpunkte waren Stress- und Selbstmanagement, Resilienz sowie Entspannungstechniken. Das kam gut an. Auch die weiteren Gesundheitsangebote wie zum Beispiel das Fitnessprogramm wurden auf digitale Formate umgestellt. So profitierten nicht mehr nur Mitarbeitende der Hauptverwaltung, sondern auch der Außenstellen sowie Beschäftigte mit Telearbeitsplätzen.
„Unter dem Motto ‚Gemeinsam in Balance‘ ging und geht es uns darum, unsere Kolleginnen und Kollegen zu befähigen, gelassener, gesund und mit innerer Stärke mit Herausforderungen und Veränderungen umzugehen“, so Anna Kubat, Personalreferentin und Gesundheitsmanagerin. „2022 wollen wir dann noch ein größeres Augenmerk auf das Thema ‚gesundes Führen‘ legen.“ Denn mobiles Arbeiten wird ein Aspekt im zukünftigen Berufsalltag bleiben. Eine Umfrage unter der Belegschaft zeigte, dass ein entsprechender Wunsch weiter besteht.
„Unser Projekt ,New Work’ beschäftigt sich intensiv mit der Ausgestaltung der Arbeitswelt bei der INTER nach Corona“, sagt Vorstandssprecher Dr. Michael Solf. Und das betrifft nicht nur den schrumpfenden Bedarf an Büroräumen: Mobile Arbeitsmodelle werfen auch ein neues Licht auf die „Work-Life-Balance“. „Arbeiten zu Hause, das hat Corona gezeigt, hat viele Vorzüge, aber auch mögliche Schattenseiten wie eine Entgrenzung von Arbeit und Privatleben, vor allem bei vertrieblich tätigen Mitarbeitenden. Diese Nachteile gilt es ebenfalls im Auge zu behalten – mit Blick auf die Gesundheit unserer Beschäftigten“, ergänzt Anna Kubat.

KAHL BÜRO- EINRICHTUNGEN: Zurück aus dem Homeoffice
Vier weiße Wände, ein Nadelfilz-Boden in Anthrazit, eine geschlossene Tür und praktische Zweckmöbel: In diesem Standard-Ambiente verbrachten Generationen von Angestellten ihre Arbeitstage – oder sie rangen im Großraumbüro um Konzentration. Doch das ist Vergangenheit. In den Firmen hat das Thema New Work Einzug gehalten – und vor dem Hintergrund der Coronapandemie noch mehr an Bedeutung gewonnen.
Diese neue Art des Arbeitens stellt den Menschen in den Mittelpunkt, es geht um Transparenz, Offenheit und – vor allem – um gelebte Unternehmenskultur, weiß Jochen Wagner, Geschäftsführer von KAHL Büroeinrichtungen in Mannheim. Sein Unternehmen befasst sich seit Jahren mit diesem Konzept und setzt es mit zahlreichen Kunden um.
Zum Beispiel mit dem Folienhersteller RKW, der Ende 2020 von Frankenthal in „Das E“, eine sanierte Kaserne auf dem TAYLOR-Areal, umzog. „Der Kunde wünschte sich, dass mit der räumlichen Veränderung ein tiefgreifender Wandel der Arbeitsprozesse weg von der konventionellen Zellenstruktur der Büros hin zu acitivity based working stattfinden sollte“, berichtet Wagner. „Kreatives Teamwork ist dabei ein zentrales Element. Daher haben wir diverse Tools angeboten, die dies unterstützen, wie multifunktionale Tische, die zumWhiteboard umgeklappt werden können, verschiedene mobile Sitzgelegenheiten oder Stehbenches für spontane Meetings.“ Neben zentralen Technikzonen wurden auch klar abgegrenzte Rückzugsbereiche für konzentriertes Solo-Arbeiten definiert – mit klassischen Desks, aber auch gemütlichen Sofas und Sesseln. Basis für die Planungen war ein professioneller Change-Management-Prozess sowie Mitarbeiterbefragungen.
Im New Work Dock in der zweiten Etage von KAHL Büroeinrichtungen in der Industriestraße, der optisch dem Ambiente des benachbarten Containerhafens nachempfunden ist, können die Kunden das Ambiente von New Work nicht nur besichtigen, sondern auch erleben. „Wir heißen jeden willkommen, der sich tageweise bei uns einmieten und sich und seinem Team die Möglichkeit geben will, diese noch ungewohnten Formen der Zusammenarbeit zu testen“, so der Experte für Büroeinrichtungen. „Je kreativer und individueller die Atmosphäre, desto höher ist die Identifikation der Mitarbeitenden mit ihrer Arbeit. Das ist die Idee des New Work: ein Arbeitsplatz, der Kommunikation und Austausch fördert, aber auch Intimität und Rückzugsmöglichkeiten zulässt – ein lebenswerter Ort.“

AGENTUR FÜR ARBEIT: Berufsberatung
im Erwerbsleben (BBiE)
In unserer sich immer schneller drehenden Welt ist auch der Arbeitsmarkt starken Veränderungen unterworfen. Digitalisierung, Strukturwandel und der demografische Wandel sind nur einige Stichworte vor diesem Hintergrund. Berufe, die lange als krisensicher galten, können schon morgen Vergangenheit sein. „Wir wollen deshalb mit unserer Unterstützung nicht warten, bis die Menschen ihre Arbeit bereits verloren haben“, so der Leiter der Arbeitsagentur Mannheim, Thomas Schulz. „Mit unserem Programm ‚Berufsberatung im Erwerbsleben‘, das wir für unsere Region gemeinsam mit den Arbeitsagenturen in Heidelberg, Landau und Ludwigshafen anbieten, sprechen wir speziell Menschen an, die mitten im Berufsleben stehen. Bildung ist der beste Weg, um Arbeitslosigkeit zu verhindern. Sollte Arbeitslosigkeit dennoch entstehen, gelingt gut qualifizierten Fachkräften ein neuer Einstieg in den Arbeitsmarkt deutlich schneller und die Auswahl an Möglichkeiten ist vielfältiger. Davon profitiert nicht nur jeder Einzelne, sondern auch die Unternehmen und vor allem nachhaltig die Gesellschaft.“
Auch wenn man bereits eine Stelle hat, lohnt sich der Kontakt zur Arbeitsagentur.
Vor allem die Jüngeren finden häufig in der Industrie reizvolle Beschäftigungsmöglichkeiten, mit denen sich bereits zum Berufsstart ordentlich Geld verdienen lässt. Zulagen z. B. durch Drei- und Vierschichtmodelle machen diese Tätigkeiten gerade für junge Menschen besonders interessant. Doch spätestens, wenn mit der Familienplanung ein Schichtdienst nicht mehr in Frage kommt, sind Verdiensteinbußen die Folge und ein Berufswechsel wird in Betracht gezogen. Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt sind dann oft schlecht, wenn kein verwertbarer Berufsabschluss vorhanden ist. „Solche Situationen möchten wir verhindern“, so Schulz. „Mit dem Programm BBiE können berufsbegleitend Schulabschlüsse nachgeholt und berufliche Zusatzqualifikationen erworben werden. Die Beratung richtet sich aber auch an Menschen, die eine berufliche Pause eingelegt haben, um ihre Kinder zu erziehen oder Angehörige zu pflegen.“
Die Beraterinnen und Berater erarbeiten gemeinsam mit ihren Kunden eine individuelle Strategie für den Berufsweg und achten darauf, potenzielle Stolpersteine frühzeitig zu erkennen und „wegzuräumen“. Die für eine erfolgreiche berufliche Karriere maßgeblichen individuellen Faktoren wie persönliche Voraussetzungen, Kenntnisse und Fähigkeiten werden durch Tests überprüft, damit Wege eingeschlagen werden, die auch zu realisierbaren Zielen führen. Die Vision hinter diesem Programm ist klar: Die Arbeitsagenturen wollen die Menschen auf ihrem beruflichen Weg so begleiten, dass sie dem Arbeitsmarkt nicht nur erhalten bleiben, sondern ihre eigene persönliche Erfolgsgeschichte schreiben.