Netzwerk Smart Industries

Cybersicherheits-Community startet durch

Die Widerstandsfähigkeit der Unternehmen in Mannheim und der Region durch gezielte Maßnahmen zu stärken: Das ist das Ziel der neu gegründeten Cyber­sicherheits-Community, einer Arbeitsgruppe des Netzwerks Smart Industries.

Von Ulla Cramer

Cyberkriminalität kann alle Unternehmen treffen und deren Abwehr wird immer mehr zur tagtäglichen Herausforderung, die keinen Aufschub duldet. Davon ist Thorsten Riehle, Wirtschaftsbürgermeister der Stadt Mannheim, überzeugt. „Cybersecurity ist daher heute mehr denn je auch ein Standortvorteil. Deshalb werden wir in den nächsten Jahren ein belastbares Netzwerk für Cybersicherheit in Mannheim aufbauen, das einen enormen Mehrwert für die gesamte Region bringt.“ 267 Milliarden Euro erreichte 2024 die Schadenssumme für die deutsche Wirtschaft durch Cyberkriminalität.

So engagierte sich Riehle für die Bildung einer ­Cybersecurity-Community, eine Arbeitsgruppe des Netzwerks Smart Industries, das beim städtischen Fachbereich Wirtschafts- und Strukturförderung angesiedelt ist. Ziel ist es, die Region als führenden Standort für Cybersicherheit in der Industrie,­ speziell in der Produktion, zu etablieren und die Unternehmen vor Ort gegen entsprechende Angriffe zu wappnen. Zu fünf Themen gibt es Angebote: „Cyber Awareness“ soll die Beschäftigten von Firmen grundsätzlich für die Problematik sensibilisieren. Für den Bereich „Notfall- und Krisenmanagement“ wurden Checklisten und Notfall­tafeln entwickelt sowie eine Rechtssprechstunde und psychologische Betreuung eingeführt. Der Bereich „Fachkräfte- und Kompetenzentwicklung“ hat sich das Thema Weiterbildung und Qualifizierung zum Ziel gesetzt. „IT-Compliance“ hilft, Prozesse, Richtlinien und technische Maßnahmen zum Umgang mit kritischen Systemen zu implementieren. Und bei der Arbeitsgruppe „Technische Infrastruktur“ geht es um die Schwerpunkte Netzwerksicherheit, Endpoint-Schutz, Cloud-­Sicherheit und Sicherheitsüberwachung. Auf der Agenda stehen Veranstaltungen wie Schulungen, Workshops sowie praktische (Notfall-)­Übungen, aber auch Beratung und der Austausch von Best-Practices.

Cybersicherheit ist ein zentraler Bestandteil von Wirtschaftlichkeit: Unternehmen können es sich nicht länger erlauben, das Thema beiseitezuschieben, sondern wir müssen nun gemeinsam handeln.

Sandra Link, Geschäftsführerin Netzwerk Smart Industries
Foto: Stadt Mannheim

Prof. Sachar Paulus, Professor für IT-­Sicherheit an der TH Mannheim, leitet die AG „Fachkräfte- und Kompetenzentwicklung“. Beim Ziel, einen Qualifizierungskompass für Security-Experten auf den Weg zu bringen, sind er und seine Mitstreiter schon weitergekommen. Im Fokus steht die Operational Technology Security ­(OT-Security). Im Gegensatz zur IT-Security,­ die sich vor allem mit der Sicherheit von Daten befasst, geht es bei der OT-Security um den Schutz von Industrieanlagen, bei denen Cyberangriffe zu Produktionsausfällen, Systemstörungen oder sogar physischen Schäden führen können. „Bei der Qualifizierung entsprechender Experten gibt es noch einen hohen Nachholbedarf“, weiß Paulus. Sowohl für Ingenieurinnen und Ingenieure als auch für Security-Spezialisten, die aus dem IT-Bereich kommen, hat die AG inzwischen Karrierepfade entwickelt, die aufzeigen, welche Wissens- und Erfahrungslücken gefüllt werden müssen, um mit Cyberattacken im OT-Bereich umgehen zu können. „In einem zweiten Schritt sind wir nun dabei, Bildungsangebote zu recherchieren und zusammenzustellen, mit deren Hilfe diese fehlenden Kompetenzen vermittelt werden können“, beschreibt Paulus die nächste Herausforderung. „Von Zertifikatsstudiengängen über berufsbegleitende Studiengänge bis zu Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten oder Zertifikaten, beispielsweise von TÜV-Organisationen, ist da vieles denkbar.“

Auf der Basis der von der AG zusammengetragenen Anforderungen an Sicherheitsexperten im OT-Bereich sei es natürlich auch möglich, Schulungsanbieter oder auch Hochschulen auf diese Problematik hinzuweisen und diese zu motivieren, entsprechende Kurse oder Weiterbildungen in ihr Programm aufzunehmen. Als Studiengangsleiter des Bachelor-Studiengangs Cybersecurity an der TH Mannheim möchte er auch hier die OT-Sicherheit stärker in den Fokus nehmen. „Derzeit haben wir während des gesamten Studiums drei Veranstaltungen zu diesem Thema im Curriculum“, berichtet er. „Da gibt es noch Luft nach oben.“ Und was stellt er sich als Ergebnis der AG vor? „Wenn wir es schaffen, eine Webseite zu erstellen, auf der alle Angebote zu einer Qualifizierung für OT-Security-Experten in Deutschland aufgeführt werden, dann wäre schon viel gewonnen.“

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