Netzwerk Smart Production
Digi-Pate nimmt Unternehmen an die Hand
von Dr. Gabriele Koch-Weithofer

Das Netzwerk Smart Production bringt die Region beim Thema Digitalisierung voran.
Foto: Stadt Mannheim

Das 2016 auf Initiative der Mannheimer Wirtschaftsförderung gegründete Netzwerk Smart Production ist die deutschlandweit einzige kommunalgetriebene Plattform zur Digitalisierung der Produktion.
Es vereint rund 50 innovative Start-ups, Mittelständler, Global Player und wissenschaftliche Einrichtungen aus IT und Produktion zu einem ebenso leistungsfähigen wie umsetzungsstarken Innovationscluster in der Metropolregion Rhein-Neckar und bringt die Digitalisierung in der Region voran. Das neueste Angebot: Ein „Digi-Pate“ begleitet kleine und mittlere Unternehmen (KMU) auf dem Weg zu Industrie 4.0. – kostenlos!

Im Juli 2019 hat die Geschäftsstelle des Netzwerks Verstärkung bekommen und Stefan Bley hat als „Digi-Pate“ seinen Dienst angetreten. Sein Auftrag: Er soll mittelständische Firmen vor Ort über die Chancen der Digitalisierung in ihrem konkreten Geschäftsumfeld aufklären und helfen, versteckte Potenziale aufzudecken.

„Der erste und wichtigste Schritt ist dabei stets, in zwei- bis dreistündigen Gesprächen Klarheit zu schaffen, welche Ziele mit der Digitalisierung kurz-, mittel- und langfristig erreicht werden sollen“, sagt Bley. Dabei hilft ihm seine Erfahrung. Seit 29 Jahren berät er KMU, seit mehr als sechs Jahren speziell im Bereich Industrie 4.0. Nach dem initialen Gespräch sind erste Herausforderungen und Aufgaben adressiert.

Ein weiterer zentraler Baustein nach dem Besuch der Firmen ist eine Einladung ins MAFINEX-Technologiezentrum, um den Unternehmen dort mithilfe des neu eingerichteten Smart Factory Demonstrators konkrete Anwendungsszenarien vorzustellen. „An fünf Stationen wird die Wertschöpfungskette aufgezeigt“, beschreibt Georg Pins, Geschäftsführer des Netzwerks Smart Production, den Prozess – von der Erzeugung eines individuellen Kundenauftrags bis zum Verpacken des verkaufsfertigen Produkts.

Gefertigt wird ein Sensorwürfel in der Losgröße 1 – als wichtiger Informationslieferant für Industrie 4.0 und das Internet der Dinge eine passende Wahl. In einem Webshop werden mit wenigen Klicks die gewünschten Bauteile ausgewählt und schon geht die Bestellung zum zentralen IT-System in der Cloud. Dieses stößt eine Just-in-time-Produktion an. Am Arbeitsplatz des Werkers werden über den Zugriff auf ein smartes Lager die Würfel vormontiert und einem ganz besonderen Kollegen übergeben: dem Roboter YuMi aus dem Hause ABB. Dieser greift die Teile, steckt sie fest zusammen und verklebt das Kunststoffgehäuse. Um die Potenziale der sogenannten „Virtuellen Produktion“ zeigen zu können, wird der gesamte Produktionsprozess von Bestellung bis hin zu Verpackung in Echtzeit virtuell an großen Bildschirmen im Modell abgebildet. „Man sieht auf dem Monitor im Nebenraum nicht eine modellhafte Darstellung des Demonstrators, sondern eine Verknüpfung von Produktion und virtuellem Abbild in Echtzeit“, erklärt Pins.

Im Anschluss werden in zwei Stufen gemeinsam mit dem betreuten Unternehmen konkrete Lösungsschritte definiert und die passenden Partner gesucht. „Denn mit dem Wissen um eine anstehende Aufgabe ist es nicht getan. Den richtigen Partner für die Umsetzung zu finden, stellt viele Firmen vor enorme Herausforderungen“, so Bley.

„Wir haben ein gemeinsames Interesse daran, die Region in Sachen Digitalisierung gut voranzubringen.“
Georg Pins, Geschäftsführer Netzwerk Smart Production

Der Digi-Pate hat bereits mehrere Unternehmen besucht. Auch erste konkrete Maßnahmen zur Umsetzung mit Hilfe von Netzwerk-Partnern hat er schon initiiert. Die Resonanz war sehr positiv. „Am Anfang geht es um schnell und einfach zu realisierende Erfolge und nicht so sehr um die kostenintensive Investition“, berichtet Digi-Pate Bley. Dabei weiß er das rund 50 Unternehmen starke Netzwerk Smart Production hinter sich. Netzwerkmanager Visar Ramadani unterstreicht: „Unser Netzwerk deckt fast alle Kompetenzen für eine digitale Problemlösung ab. So können wir die richtigen Partner zusammenbringen.“

Die Beratung ist übrigens kostenlos. Das Projekt wird zwei Jahre laufen und vom Land Baden-Württemberg zu 40 Prozent gefördert, 60 Prozent der Kosten trägt das Netzwerk Smart Production selbst. 

Das Netzwerk Smart Production ist Teil des Digi-Hubs kurpfalz@bw und engagiert sich hier mit dem Digi-Paten. Im September 2018 ging er als erster der zwölf vom Land geförderten digitalen Knotenpunkte an den Start.