
Foto: Bilfinger
Seit Anfang Februar 2025 arbeiten die Traditionskonzerne ABB und Bilfinger auf Projektebene zusammen. Sie wollen künftig bei bestimmten Kundenprojekten kooperieren und dabei ihre jeweiligen Stärken einbringen. Vor allem in zwei Hauptbereichen ist eine Zusammenarbeit geplant.
Von Ulla Cramer
Die Geschichte von ABB in Deutschland begann mit einem Auftrag: Die Stadt Mannheim bestellte bei der Vorgängerfirma BBC den Bau eines Kraftwerks – unter der Bedingung, dass das Unternehmen eine Produktion in der Quadratestadt errichtet und seine deutsche Hauptverwaltung an Rhein und Neckar verlegt.
Am 15. Juni 1900 wurde das Werk in Mannheim-Käfertal eröffnet und entwickelte sich in den folgenden Jahrzehnten zu einem wichtigen Produktionsstandort für Generatoren und elektrische Ausrüstung. 1987 – mit dem Zusammenschluss von BBC und dem schwedischen Unternehmen ASEA zur heutigen ABB – wurde ein neues Kapitel aufgeschlagen. 2025, zum 125-jährigen Jubiläum, prägen Digitalisierung, Automatisierung und nachhaltige Technologien das Produktportfolio.
Die Wurzeln von Bilfinger reichen noch weiter zurück. 1883 ließ sich der Baumeister August Bernatz in der Stadt nieder. Aus seinem Unternehmen ging die Grün & Bilfinger AG hervor. Und: Mannheim blieb auch der Sitz der 1975 entstandenen Bilfinger + Berger Bau-AG, die aus der Fusion von Grün & Bilfinger mit der Julius Berger AG aus Berlin entstand. Doch sich verändernde Marktbedingungen führten zu einer neuen strategischen Ausrichtung: Im Jahr 2014 trennte sich Bilfinger vom Geschäftsfeld Ingenieurbau und 2016 wurden auch die Bereiche Hochbau und Immobiliendienstleistungen verkauft. Heute konzentriert sich das Unternehmen, das seit 2012 unter Bilfinger SE firmiert, auf das Erbringen von Industriedienstleistungen.
Eine wichtige Säule des Bilfinger-Umsatzes sind Instandhaltungs- und Austauschverträge bei Industrieanlagen, die unter anderem die Weiterentwicklung der Instrumentierung, Ersatzteilbestellungen und den Austausch von Equipment und Rohrleitungen umfassen. Hierfür wird ABB die Messtechnik wie Durchflussmesser, Druck-, Temperatur-, Füllstands- und andere Sensoren und Messumformer sowie digitale Services zur Verfügung stellen.
Bei neuen Bauprojekten von Kunden sieht das unterzeichnete „Memorandum of Understanding“ vor, gemeinsam Lösungen zu entwickeln, um die im Rahmen dieser Vorhaben entstehenden Effizienzanforderungen zu erfüllen. Dazu gehören zum Beispiel auch Projekte zur Abscheidung und Wiederverarbeitung oder Speicherung von klimaschädlichem Kohlendioxid (CCUS). „Bei Bilfinger betrachten wir weltweit standardisierte digitale Dienstleistungen als wichtigen Wachstumstreiber, um die Effizienz und Nachhaltigkeit der Industrie zu verbessern“, so Gerald Pilotto, Chief Products & Innovation Officer bei Bilfinger. Und Amina Hamidi, Managing Director, Business Line Instrumentation, ABB Measurement & Analytics, ergänzt: „Für die Industrie wird es immer wichtiger, ihre Produktionsprozesse durchgängig zu messen. Gemeinsam können wir sicherstellen, dass die Leistung jedes einzelnen Schrittes so optimiert wird.“
