
In einem Pressegespräch stellte sich jetzt im Heddesheimer Rathaus die „Claus + Hilary Herzog Stiftung“ vor. Sie wurde bereits Mitte des Jahres gegründet. Das Ehepaar Herzog brachte 400.000 Euro in die neue Treuhandstiftung unter dem Dach der Stiftergemeinschaft der Sparkasse Rhein Neckar Nord ein. Sie unterstützt integrationsfördernde Projekte mit Fokus auf Bildung und Sprachförderung für Kinder und Jugendliche. Heddesheims Bürgermeister Achim Weitz und Sparkassenvorstand Thomas Kowalski würdigten bei der Vorstellung den gesellschaftlichen Wert des Engagements.
Die Gründung der Stiftung geht auf den Einsatz des Ehepaars Herzog während der Fluchtbewegung 2015 aus den Krisengebieten des Mittleren Ostens zurück. In Heddesheim kamen zahlreiche Geflüchtete an, die auf eine große Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung trafen. Aus einem zunächst informellen Unterstützerkreis entstand der Verein F.A.I.R. (Flucht, Asyl, Integration und Respekt), der sich 2020 als eingetragener Verein formierte. Er bietet unter anderem Sprachförderung, Begleitung bei Behördengängen sowie Unterstützung bei der Wohnraumsuche. Ein fest etabliertes Angebot ist das wöchentliche Welcome-Café, das bis heute einen Raum für Austausch und Begegnung schafft.
Die enge Verbindung zum Verein und die Erfahrungen aus der praktischen Integrationsarbeit waren ausschlaggebend für die Entscheidung, eine eigene Stiftung zu gründen. Claus und Hilary Herzog wollen ihr Engagement damit intensivieren und ein dauerhaftes Zeichen für soziale Teilhabe – insbesondere junger Menschen in der Rhein-Neckar-Region – setzen. „Wir hatten das Glück, unseren eigenen Weg gehen zu dürfen. Jetzt wollen wir dazu beitragen, dass auch andere ihren Weg finden können – trotz Hürden“, sagte Claus Herzog im Pressegespräch. Der eigene Weg Herzogs führte ihn vom Bauingenieursstudium bis zur Gründung und Geschäftsführung des Mannheimer Ingenieursbüros Herzog und Partner, mit dem er
an so prominenten Bauprojekten wie dem Kongresszentrum Rosengarten, dem Stadthaus N1 und dem Engelhorn Sport beteiligt war.
Bildung, Sprachförderung und interkulturelle Kommunikation im Fokus
Mit der Stiftung wollen Claus und Hilary Herzog gezielt Kinder und Jugendliche fördern. Ihren Blick richten sie dabei nicht nur auf junge Menschen mit Migrationshintergrund. Auch Kinder aus finanziell benachteiligten Familien oder aus Ein-Eltern-Haushalten können Unterstützung erhalten. „Die Hürden sind hoch, der Weg zur Integration oft steinig. Viele Kinder und Jugendliche scheitern. Ihnen gilt unsere besondere Aufmerksamkeit und Zuwendung. Vergessen wir nicht: Der Weg zur Integration führt über Bildung – die Sprache ist der Schlüssel“, sagt Claus Herzog. Ein weiteres zentrales Anliegen des Ehepaars ist der internationale Jugendaustausch. „Zur Bildung gehört auch die Völkerverständigung – um die Welt besser zu verstehen. Wir unterstützen Begegnungen, interkulturelles Lernen und den internationalen Austausch nicht zuletzt als Beitrag zum Frieden. Aus eigener Erfahrung weiß ich: Die Sprache des aufnehmenden Landes zu lernen, ist die Eintrittskarte in eine Gesellschaft“, sagt Hilary Herzog, die aus dem Norden Englands stammt.
Stiftung wird nach dem Tode im Geiste der Stifter weitergeführt
Heddesheims Bürgermeister Achim Weitz würdigte den Schritt von Claus und Hilary Herzog als „mutiges und zutiefst menschliches Bekenntnis zur Verantwortung in der eigenen Nachbarschaft.“ Dieses Engagement, so Weitz, werde die Lebenszeit des Ehepaars überdauern: Per Testament wird ihr Vermögen in die Stiftung eingebracht, die nach ihrem Tod in ihrem Sinne weitergeführt wird. Sie ist als Treuhandstiftung organisiert und wird von der Stiftergemeinschaft der Sparkasse Rhein Neckar Nord verwaltet. Diese fungiert als Dach für Treuhandstiftungen mit individuellen Zwecken – und bündelt so das Wirken zahlreicher Stifterinnen und Stifter in der Region.
„Mit dem Fachwissen unserer Stiftungsexperten stehen wir interessierten Menschen aus der Metropolregion Rhein-Neckar von der Erstberatung bis hin zur Gründung und Verwaltung der eigenen Stiftung zur Seite“, sagt Sparkassen-Vorstand Thomas Kowalski. Das gelte für jeden, der sein Lebenswerk gemeinnützig und nachhaltig sichern und Gutes tun möchte. Für Kowalski ist das Engagement des Ehepaars Herzog „ein Vermächtnis mit Wirkung weit über Heddesheim hinaus“.
Einschulungshilfe für Kinder aus geflüchteten Familien als erste Spende
Förderberechtigt sind gemeinnützige Organisationen aus der gesamten Metropolregion, die mit anerkannten Trägern zusammenarbeiten. Anträge können ab
sofort über die Website der Stiftung unter www.ch-herzogstiftung.de gestellt werden. Zu den ersten Geförderten zählt der Verein F.A.I.R., an den die erste Spende der neu gegründeten Stiftung geht. Neben rund 800 Nachhilfestunden für Kinder und Jugendliche unterstützt der Verein in diesem Jahr acht Kinder aus geflüchteten Familien zum Schulstart – mit Schulranzen, Grundmaterialien und gefüllter Schultüte. Die Stiftung übernimmt dafür die vollständigen Kosten in Höhe von rund 880 Euro und leistet damit einen Beitrag zu mehr Chancengleichheit von Anfang an.
Über die Stiftergemeinschaft der Sparkasse Rhein Neckar Nord
Die 2017 gegründete Stiftergemeinschaft der Sparkasse Rhein Neckar Nord unterstützt Menschen aus der Metropolregion dabei, sich gemeinnützig zu engagieren. Die Stiftungsexpertinnen und -experten des Kreditinstituts begleiten den gesamten Weg – von der Erstberatung bis zur Umsetzung. „Mit Hilfe der Sparkasse konnten wir den gesamten Prozess erheblich vereinfachen. Ohne sie wäre es sicher nicht so schnell gegangen. Die Zusammenarbeit ist vorbildlich, und wir spüren jederzeit, dass wir als Stifter einen starken Partner an unserer Seite haben“, sagt Claus Herzog. Eine eigene Treuhandstiftung unter dem Dach der Gemeinschaft kann gründen, wer mindestens 100.000 Euro ins Stiftungskapital einbringt – ein Weg, den vor Claus und Hilary Herzog unter anderem Bülent Ceylan, Franziska van Almsick und die Gemeinde Schriesheim gegangen sind. Stiftungsfonds unter eigenem
