
Foto: Catharina Zelt
Tingkham und Villiam Thanasak holen junge Menschen aus Südostasien nach Deutschland, um sie in ihrem Restaurant auszubilden.
Von Catharina Zelt
Der Geruch von Kräutern liegt in der Luft, in einer Pfanne zischt leise Öl. Konzentriert steht die 22-jährige Phuong in der Küche des Restaurants „Mémoires d’Indochine“ am Mannheimer Wasserturm und steckt abwechselnd Paprika, Zucchini und Tofuwürfel auf Holzspieße. Sie ist Auszubildende im ersten Lehrjahr – und wie viele ihrer Kollegen für ihre Lehre aus Vietnam nach Deutschland gekommen. Mit der Ausbildung internationaler Nachwuchskräfte suchen die Restaurant-Inhaber Tingkham und Villiam Thanasak eine Lösung für den Fachkräftemangel in der Gastronomie. Sie stammt aus Laos, er aus Vietnam – im Restaurant bringen sie ihre kulinarischen Wurzeln zusammen. „Die Rezepte haben wir alle selbst geschrieben. Es sind traditionelle Gerichte aus unserer Heimat“, erklärt die Inhaberin.
Die indochinesische Küche habe Einflüsse aus Kambodscha, Vietnam und Laos und sei von der französischen Esskultur geprägt. In Mannheim zeigt sich diese Mischung nicht nur auf dem Teller, sondern auch in der Belegschaft: Das Ehepaar setzt auf ein internationales Team, das die kulturelle Vielfalt abbildet.
Die ersten Auszubildenden holten Tingkham und ihr Mann 2019 aus Vietnam in die Quadratestadt. Seitdem bilden sie Fachkräfte für den Service, die Küche und Kaufleute in der Gastronomie aus. „Eine Grundvoraussetzung ist, dass die jungen Frauen und Männer Deutsch sprechen“, erklärt sie. Den Kontakt stellen sie über eine Sprachschule und andere lokale Netzwerke in Vietnam her.
Vertrag, Visum, Behördengänge — vor Ausbildungsbeginn gibt es eine Menge zu erledigen. „Es ist ein erheblicher Aufwand, aber die Chancen für beide Seiten sind enorm“, sagt die Gastronomin. Das Inhaberpaar stellt den Auszubildenden außerdem Wohnungen in der Innenstadt zur Verfügung, in die sie nach ihrer Ankunft einziehen können. „Uns ist es wichtig, dass sie sich schnell wohlfühlen“, betont die Chefin. „Die jungen Menschen gehen einen mutigen Schritt. Sie ziehen schließlich alleine auf einen anderen Kontinent.“

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Vielen falle es anfangs schwer, Deutsch zu sprechen. Deshalb sei im „Mémoires d’Indochine“ immer mindestens eine Person vor Ort, die im Notfall übersetzen könne. Mit der Zeit würden die künftigen Fachkräfte aber immer selbstsicherer.
Der 21-jährige Huy sieht in seiner Ausbildung in Mannheim eine große Chance. „Es macht mir viel Spaß und natürlich ist es mir auch wichtig, Geld zu verdienen“, erklärt er, während er Nudeln in einer Wok-Pfanne schwenkt. Seit Februar 2024 wohne er in Deutschland und sei in der Zwischenzeit gut angekommen. Quyhn bereitet währenddessen an der Theke eine Getränkebestellung vor. Die 21-Jährige schätzt die neuen Erfahrungen, die sie hier sammelt. „Ich lerne gerne andere Kulturen kennen“, sagt sie. „Nur die fremde Sprache fällt mir noch schwer.“ Für Tingkham Thanasak und ihren Mann geht das Konzept auf: „Es ist schön zu sehen, wie sich unsere Auszubildenden entwickeln.“
