Restauration

Neuer Glanz für historisches Parkett

Parkett-Restaurator bei der Sanierung eines Parkettbodens Foto: Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald

Die Restauration historischer Schätzchen erfordert viel Geduld und Sachverstand. Beides brachten speziell geschulte Handwerker mit und ließen das Parkett im Mannheimer Schloss nach einem Wasserschaden neu erstrahlen.

Von Gabriele Koch-Weithofer

Groß war der Schock am Morgen des 13. Februar 2024, als eine versehentlich ausgelöste Sprinkleranlage im Bibliotheksbereich der Schlossuniversität Wasser durch die Decke in den darunter liegenden Rittersaal regnen ließ. Während das wertvolle Deckenfresko erfreulicherweise nur geringe Schäden davontrug, litt der Boden teils gewaltig, obwohl das Wasser schnell abgesaugt wurde.

Das Parkett, nach den Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg beim Wiederaufbau originalgetreu wiederhergestellt, quoll an diversen Stellen auf. Teile lösten sich, Ecken und Kanten der kunstvollen Ornamente wölbten sich nach oben. Der Saal wurde geschlossen, als Sofortmaßnahme Luftentfeuchter eingesetzt. Sobald der Boden trocken genug war, begutachtete ein Fachmann den Schaden.

Viele der auf einer Unterkonstruktion aus Fichte aufgebrachten Ornamente aus ­Eiche, Kirsch- und Nussbaumholz mussten neu verklebt werden. Seit September 2024 waren dann Handwerker und Restauratoren am Werk, darunter Eddy ­Keilbach, Mitglied der Geschäftsleitung der Hockenheimer Firma Zweik. Parkettlegemeister Keilbach hatte erst kurz zuvor eine Zusatzausbildung zum Restaurator abgeschlossen.

360 Quadratmeter mussten die Spezialisten Zentimeter für Zentimeter abklopfen. Stellen, die sich durch eindringende Feuchtigkeit gelöst und gehoben hatten, mussten markiert und danach alle einzeln behandelt werden. An über 20.000 Stellen spritzten sie Leim unter die Hölzer. Nicht umsonst nennt man das Verfahren „minimalinvasive Bohrlochinjektion“. Spezialkleber wird dabei punktuell in stecknadelkleine Löcher eingespritzt, die Stelle anschließend mit Gewichten beschwert. Über 400 Arbeitsstunden dauerte das aufwändige Prozedere. Nach zehnmonatiger Schließung wurde der prunkvolle Rittersaal des Barockschlosses im Januar 2025 wieder für Besucher geöffnet.

Restauration braucht Spezialwissen

Ein neuer Bodenbelag war übrigens keine Alternative. „Wenn der Boden neu nachgebaut würde, wären wir rasch im siebenstelligen Bereich“, sagt Fachmann Keilbach. Allein das Herausreißen hätte kostspielige Folgen. So hätte man beispielsweise die kostbaren kurfürstlichen Wandportraits eigens vor Staubbelastung schützen müssen.

Laut Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald ist die Fortbildung zum Restaurator in 19 Gewerken möglich. Neben den Bereichen Bau und Ausbau, wozu auch die Arbeiten der Par-kettleger gehören, spielt gleichermaßen die Objektrestaurierung eine Rolle, beispielsweise bei alten Uhren, Büchern, Möbeln, Fahrzeugen, Instrumenten oder Schmuck.

Erfolgreiche Absolventen dürfen sich „Geprüfter Restaurator im Handwerk – Master Professional für Restaurierung im Handwerk“ nennen. Die Qualifikation ist damit einer akademischen Ausbil-dung gleichgestellt. Historische Werte erhalten zu können, sei in jedem Fall etwas ganz Besonderes, meint Keilbach. Eine Herzensangelegenheit ist es allemal.

Mehr im Internet:
Informationen zur Fortbildung zum „Geprüften Restaurator im Handwerk“ erhalten Sie bei der Handwerkskammer Mannheim Rhein-Neckar-Odenwald.