RÜTGERS KÄLTE : KLIMA
Die Digitalisierung ist beim Handwerk angekommen

Sich stets auf neue Herausforderungen einzustellen: Das ist das Erfolgsrezept des Kältespezialisten Rütgers, der 2019 seinen 100. Geburtstag feierte.
Foto: Rütgers

In ihrer 100-jährigen Geschichte musste die Firma Rütgers zahlreiche Hürden überwinden und viele Herausforderungen meistern. In den 1970er Jahren schuf der Wandel vom Groß- und Einzelhandel mit brauner und weißer Ware zum Handwerksbetrieb rund um das Thema Kältetechnik für das Unternehmen eine neue Perspektive. In den 1980er Jahren stellte der Einstieg von Josef Neuberger, dem Enkel des Mitgründers Carl Rütgers, die Weichen für die Zukunft. In den 1990er Jahren war es die deutschlandweite Expansion mit zahlreichen Niederlassungen und Servicestützpunkten, die den Bestand der Mannheimer Firma sicherte. 2018 stellte sich Rütgers mit seinem energieeffizienten Neubau am traditionellen Standort im Mannheimer Stadtteil Mallau auch büromäßig neu auf. 

Derzeit ist es vor allem die Digitalisierung, die den Kältespezialisten umtreibt. „Die Digitalisierung ist in den Handwerksbetrieben inzwischen angekommen – und spielt auch bei uns eine wichtige Rolle“, weiß Unternehmenschef Josef Neuberger. 

Angefangen hat es mit Mobis, einer Software, die eine Anbindung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Service an die Rütgers-IT ermöglichte. Die Arbeit der externen Techniker – angefangen bei den Arbeitsberichten über Inbetriebnahme- und Wartungsprotokolle bis zur Zeiterfassung – laufen über dieses System. Der Kunde kann direkt auf dem Bildschirm unterschreiben und sämtliche Papiere werden nach Mannheim in den Zentralrechner übertragen. Dort wird alles verbucht – automatisch und papierlos. „Allein in der Lohnbuchhaltung entfallen so 16.000 Buchungen, die früher per Hand erfolgten“, nennt Neuberger ein Beispiel. „Außerdem geht nichts mehr verloren, die Qualität der Eingaben durch die Techniker ist extrem hoch.“

Aber auch andere Bereiche sind betroffen. So wurden bei Rütgers sämtliche Kassen geschlossen. Die Belege werden jetzt abfotografiert und von dem jeweiligen Techniker an den Vorgesetzten geschickt. Dieser zeichnet den Beleg digital ab und schickt ihn an die Buchhaltung weiter. Der Beleg wird gebucht und per Überweisung bezahlt. Kassenabrechnungen entfallen vollständig.

Und auch ein weiteres schwieriges Thema konnte zu den Akten gelegt werden – die Führerschein-Kontrolle, zu der Rütgers als Arbeitgeber zweimal im Jahr verpflichtet ist. „Das hat nie wirklich vollständig geklappt“, blickt Neuberger zurück. Nun erhält jeder Mitarbeiter, der einen Firmen-Pkw bewegt, per App eine E-Mail, wenn die Kon-trolle ansteht. Er fotografiert seinen Führerschein von beiden Seiten und bekommt dann die Meldung, dass die Kontrolle erfolgreich abgeschlossen wurde. „Das ganze dauert vielleicht zwei Minuten, und es wird nicht ein Blatt Papier dafür verschwendet“, freut sich der Unternehmer. Selbst die Lohnabrechnung erfolgt inzwischen digital. Alle Beschäftigten können sie über ihren Rechner einsehen. Der Versand mit der Post ist Vergangenheit. 

Die größte Veränderung mittelfristig wird nach Ansicht Neubergers das Monitoring bringen, das die installierten Anlagen bei Rütgers vor Ort überwacht und steuert. „Früher rief ein Kunde bei Problemen mit seiner Anlage im Service an und der Techniker fuhr los“, beschreibt Neuberger den Unterschied. „In Zukunft sind wir es, die den Kunden anrufen, wenn die Anlage steht oder ‚Gefahr im Verzug‘ ist. Dann schicken wir den Techniker aus dem Haus – voll informiert und mit den richtigen Ersatzteilen im Gepäck. Das schafft bei den knappen Fachkraft-Ressourcen Kapazitäten, und ganz nebenbei wird weniger gefahren – ein kleiner Beitrag zur CO2-Vermeidung.“