„smore“

Sparkasse Rhein Neckar Nord auf Tuchfühlung mit der Gen Z

Die neue „smore“-Filiale in der Mannheimer Innenstadt spricht gezielt junge Menschen zwischen 18 und 28 Jahren an. Foto: Catharina Zelt

Kaffeeduft, Popmusik und Sitzsäcke – die neue „smore“-Filiale wirkt eher wie ein Café als wie eine Bank. Das ist gewollt: Mit dem Konzept will die Sparkasse gezielt junge Erwachsene ansprechen.

Von Catharina Zelt

Während im Hintergrund leise Popmusik läuft, sitzt Sarina­ Amu an einem großen Holztisch und tippt auf einem Tablet.­ Sie ist Finanzberaterin bei der Sparkasse und bereitet sich gerade auf ihren nächsten Kunden vor. Aus der offenen Küchenzeile strömt Kaffeeduft, durch große Fenster fällt Tageslicht. Im hinteren Teil des Raumes laden bunte Sitzsäcke zum Verweilen ein. Die „smore“-Filiale der Sparkasse Rhein Neckar Nord mutet eher an wie ein Wohnzimmer.

Um junge Menschen anzusprechen, bricht die Filiale in der ­Mannheimer Innenstadt bewusst mit dem kühlen Bankambiente. Seit Oktober 2024 wird hier Finanzberatung für 18- bis 28-Jährige­ in einer lockeren Atmosphäre angeboten. „Die Bedürfnisse der ­Generation Z unterscheiden sich von denen vorheriger Generationen.­ Darauf gehen wir ein“, erklärt Filialleiterin Laura Kuster-Matucec. So will die Sparkasse der Abwanderung zu ­Online-Banken entgegenwirken und die Lücke zwischen Angeboten für Kinder, wie dem Weltspartag, und klassischer Beratung für Erwachsene über 28 Jahre schließen.

Inspiriert ist die „smore“-Filiale vom Konzept der Sparkasse Düsseldorf, die mit „smoney“ bereits ein ähnliches Projekt verwirklicht hat. „Wir haben uns ausgetauscht und die Strategie auf die Region angepasst“, erzählt Kuster-Matucec.

Zum Konzept gehört auch die Präsenz in den sozialen Medien. Auf YouTube, Facebook, TikTok und Instagram geben die ­Finanzberaterinnen und -berater der Filiale­ – die sogenannten „Buddys“ – in Kurz-Videos Tipps zum Geldsparen oder klären über Arbeitnehmerrechte auf. „Wir möchten junge Leute dort abholen, wo sie sich ohnehin aufhalten – nämlich online“, sagt Kuster-Matucec. Die Videos sind bewusst niedrigschwellig gestaltet, um auch jene mitzunehmen, die sich sonst kaum mit Finanz­themen beschäftigen würden. „Auch wenn die Videos locker aufgebaut sind, legen wir großen Wert auf fundierte und vertrauens­würdige Informationen“, ­betont Sarina Amu.

Die Kanäle wachsen schnell. Auf TikTok ­folgen dem Account bereits über 50.000 Abonnenten. Die Videos richten sich an eine breite Masse, sollen aber keine persönliche Betreuung ersetzen. Vielmehr soll der digitale Kontakt die Tür für persönliche ­Gespräche in der Filiale öffnen.

„Wir wollen jungen Menschen eine Beratung auf Augenhöhe bieten“, sagt Laura Kuster-Matucec. Die Buddys seien selbst noch jung und könnten die Bedürfnisse ihrer Zielgruppe gut nachvollziehen. „Die Gespräche sind oft sehr entspannt. Am ­Anfang geht es erst einmal darum, sich kennenzulernen“, berichtet Amu, die von Anfang an als Buddy mit im Team ist. Welche Themen besprochen werden, sei individuell von den Wünschen und Zielen der Kunden­ abhängig.­

„Grundsätzlich ist die Beratung dieselbe wie in jeder anderen Sparkassen-Filiale. Aber die Ansprache und die Umgebung sind eben anders“, fügt sie hinzu. Entscheidend sei, dass junge Menschen sich verstanden und ernst genommen fühlen.

Die Gespräche finden am Küchentisch statt, in mobilen Beratungsboxen mit großen Bildschirmen oder selten in einem separaten Raum. Klassische Büros oder Serviceschalter gibt es nicht. Der offene Lounge-Bereich bietet die Möglichkeit zum entspannten Austausch. Die Einrichtung und das Konzept der Filiale realisierte die Sparkasse Rhein Neckar Nord mit einer niedrigen siebenstelligen Summe.

„Wir möchten eine Wohlfühlatmosphäre schaffen und so dafür sorgen, dass die jungen­ Menschen gerne zu uns kommen“, erklärt Kuster-Matucec. Ein Termin bei der Bank solle sich nicht wie eine lästige Pflicht, sondern eher wie ein Gespräch unter guten Bekannten anfühlen. „Uns ist es wichtig, eine Bindung zu den Kunden aufzubauen“, sagt die Filialleiterin.

Mindestens einmal im Monat findet deshalb in der „smore“-Filiale ein Event statt. Dann werden die mobilen Beratungsboxen zur Seite geschoben, Stühle aufgestellt und die kleine Bühne auf der leicht erhöhten Plattform vorbereitet. „In Mannheim ist die Start-up-Szene sehr stark vertreten. Deshalb haben wir unter anderem einen Abend zum Thema Gründung und Selbstständigkeit veranstaltet“, erklärt Kuster-Matucec. Aber auch Mario-Kart-Turniere, Live-Podcasts oder Finanztage mit bekannten Influencern aus der Szene standen bereits auf dem Plan. Die Resonanz sei vielversprechend, auch wenn das Konzept noch Zeit brauche, um richtig anzukommen.

„Der Anfang war kein Selbstläufer“, erzählt das Team um Laura Kuster-Matucec und die Koordinatorin für junge Erwachsene Nina Bachmann. Rund 5.000 Kunden werden in der „smore“-Filiale­ ­betreut – und die mussten erst einmal erreicht und für die neue ­Filiale begeistert werden. Inzwischen komme das Konzept gut an. Immer mehr junge Menschen lassen sich beraten; auch wenn die Filiale in der Kunststraße noch in der Aufbauphase steckt. „Unser Ziel ist es, uns als Marke zu etablieren, bekannt zu werden und somit wirtschaftlich erfolgreich zu sein“, fasst die Leiterin zusammen. „Junge Menschen sollen wieder Spaß am Banking entwickeln und sich keine Sorgen um ihre Finanzen machen müssen. Sie sollen sich gut aufgehoben fühlen.“

Die gemütliche Kaffeeecke lädt zum Verweilen ein.
Foto: Catharina Zelt