
Foto: Johannes Vogt/MWSP
2,2 Millionen Besucherinnen und Besucher waren 2023 Gäste eines echten Sommermärchens, der BUGA in Mannheim, die sich auf dem Spinelli-Areal und im Luisenpark präsentierte. Doch was wird nun aus dem ehemaligen Konversionsgelände?
Von Ulla Cramer
Das 82 Hektar große Spinelli-Gelände war bis zum Abzug der US-Army im Jahr 2012 ein Logistik-Depot der US-Amerikaner: ein riesiger Fuhrpark von Panzern und Militärfahrzeugen, die für eventuelle Kriegseinsätze bereitgestellt und in Krisengebiete transportiert wurden. Als das Gelände frei wurde, erwarb die Stadt Mannheim gemeinsam mit dem Tochterunternehmen MWSP die Fläche und nutzte sie für ein Riesenprojekt – die BUGA 23. Heute ist das 62 Hektar große ehemalige Gelände der Bundesgartenschau ein frei zugänglicher Park, der von zahlreichen Spazierwegen durchzogen ist. Auf den Spielplätzen tummeln sich kleine und große Kinder. Die U-Halle, die für eine Vielzahl an Blumenschauen und Ausstellungen genutzt wurde, ist inzwischen auf ca. 6.000 Quadratmeter zurückgebaut und bietet heute Platz für die Eventlocation „Spinelli Kitchen“ und die Weinbar „Apero“, die gerne für Partys oder Hochzeiten gebucht wird.
All dies kommt besonders den Einwohnern des Spinelli Quartiers im Norden des ehemaligen Militärgeländes zugute, dessen Realisierung die MWSP verantwortet. Rund 1.800 Wohneinheiten auf einer Fläche von 22 Hektar erweitern hier den Stadtteil Käfertal-Süd. Der erste Bauabschnitt in der Anna-Sammet-Straße Süd ist bereits fertiggestellt, über 850 Menschen sind schon eingezogen. „Nachhaltige Baumaterialien und neue Formen der Mobilität spielen im Spinelli Quartier eine ganz besondere Rolle“, so Georg Bock, Bereichsleiter Planung | Bau bei der MWSP. „So sind im ersten Bauabschnitt rund 50 Prozent der Gebäude mit Holz oder in Holzhybridbauweise erstellt. Eine Quartiersgarage schafft eine hohe Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum, und der ÖPNV vor der Türe und der angrenzende Radschnellweg schaffen attraktive Alternativen zur Fortbewegung ohne Auto.“
Ein grüner Freiraum für alle ist der zentrale Chisinauer Platz. Noch müssen die über 50 Klimabäume zwar noch ein bisschen wachsen, aber dann sorgen sie für einen schattigen und grünen Treffpunkt für die Einwohner des Spinelli Quartiers. Zahlreiche der Investoren setzen auf innovative Wohnkonzepte wie die Baugenossenschaft Oikos. Hier wird gemeinsam gekocht, gegessen, gegärtnert und gebaut. Grüne Gemeinschaftshöfe, in der öffentlicher und privater Raum miteinander verschmelzen, laden zu Begegnungen, gemeinschaftlichen Aktivitäten und sozialem Engagement ein.
Gebaut werden wird auch am südlichen Ende des Spinelli-Areals. Hier entsteht als Norderweiterung des Stadtteils Feudenheim ab 2026 das „Wohnquartier am Bugapark“ der GBG. Geplant sind neun Holzhybridgebäude mit insgesamt 199 Wohneinheiten.
Alte Fläche, neue Zukunft: Panattoni setzt auf Brownfield-Revitalisierung
Laut deutschem Klimaschutzplan soll der Verbrauch für Siedlungs- und Verkehrsflächen bis 2050 auf Netto-Null sinken. Das bedeutet, dass für jede neu versiegelte Fläche für Bauprojekte ein anderes Areal in gleicher Größe entsiegelt und umgewandelt werden muss.
Eine zentrale Strategie zur Umsetzung dieses ehrgeizigen Vorhabens ist die Revitalisierung von sogenannten Brownfields: Brachliegende, gegebenenfalls sogar kontaminierte Gewerbe- oder Industrieareale werden einer neuen Nutzung zugeführt.
Projektentwickler Panattoni, der in Mannheim eine Niederlassung mit rund 30 Mitarbeitern unterhält, hat sich auf dieses Thema spezialisiert. „Bereits jetzt werden rund 80 Prozent der Bauvorhaben auf solchen Brachflächen errichtet“, weiß Sebastian Schröder, Head of Environmental Department bei Panattoni. Auch in Mannheim konnte Panattoni ein solches Projekt realisieren: Im Juni 2024 wurde der von Panattoni errichtete Businesspark City Dock Mannheim Süd an die beegy GmbH, ein auf erneuerbare, dezentrale Energielösungen für Privathaushalte spezialisiertes Tochterunternehmen der MVV Energie, übergeben. Auf dem rund 15.200 Quadratmeter großen Gelände wurden früher die berühmten Schildkrötpuppen hergestellt, zuletzt wurde auf dem Areal eine Kartbahn betrieben.
Der Weg dahin war komplex – wie bei jedem Brownfield-Projekt. „Auf der Agenda stehen bei der Vorbereitung eine Altlastenerkundung, ein Artenschutzgutachten, ein Gebäudeschadstoffkataster, eine Kampfmittelauskunft sowie ein Rückbaukonzept“, berichtet Schröder. Bei der Umsetzung dieser Maßnahmen arbeitet Panattoni eng mit den zuständigen Behörden sowie spezialisierten Partnerunternehmen zusammen. In Mannheim lief alles nach Plan: Trotz der langjährigen industriellen Nutzung fanden sich keine Altlasten und auch keine Kampfmittel. „Womit man beim Abbruch alter Gebäude jedoch auf alle Fälle rechnen muss, sind Asbest – häufig verbaut in Dach- und Fassadenplatten, Sanitärrohren oder Fußbodenbelägen – sowie andere Gebäudeschadstoffe wie PCB, KMF, PAK oder auch Holzschutzmittel“, sagt Schröder. „Diese Baumaterialien müssen beim Rückbau separiert und fachgerecht entsorgt werden.“ Dies ist auch deshalb besonders wichtig, da Baumaterialien aus den abgerissenen Gebäuden bei der Errichtung neuer Büro- und Hallenflächen wieder zum Einsatz kommen. „Insgesamt wurden 5.000 Tonnen mineralisches Material aus dem Rückbau der Bestandsgebäude im Gewerbegebiet Mallau für den Unterbau, also die Schotterschicht, der neuen Hallen wiederverwendet. Damit konnten 60 bis 70 Prozent der Bausubstanz erneut eingesetzt werden.“

vorstand MVV Energie AG, Silvia Fischer, Bereichsleiterin Privat- und Gewerbekundenlösungen MVV Energie AG, sowie Carsten Bruns, Geschäftsführer beegy durchschneiden das Band. Foto: MVV
Seit September 2024 gibt es für die Qualität solcher Projekte auch ein offizielles Gütesiegel: Der Deutsche Brownfield Verband vergibt Zertifikate, mit denen unabhängige Gutachter bestätigen, dass eine Brachfläche gemäß definierten Kriterien revitalisiert und für eine künftige Nutzung aufbereitet wurde. Auch Panattoni nutzt diese Möglichkeit, um den hohen Anspruch an Qualität und Verantwortung in der Flächenentwicklung transparent zu machen. uc
