
Foto: Daniel Bamberger
Die Quadratestadt glänzt mit sportlichen Zugpferden, internationalen Großereignissen und Breitensportangeboten.
Von Jörg Runde
Wenn Mannheim im Medaillenspiegel geführt wäre, würden wir dank Ihrer Leistungen in etwa auf dem 25. Platz liegen“, rief Oberbürgermeister Christian Specht den Mannheimer Athletinnen und Athleten bei der Ehrung der Olympia-Teilnehmer nach den Spielen in Paris im Jahr 2024 zu, „vor Ländern wie Belgien, Bulgarien, Tschechien oder Dänemark“. Dass das so ist, liegt vermutlich am Mannheimer Anspruch, eine Sportstadt zu sein, ein Ort, an dem Spitzen- und Breitensport eine wichtige und identitätsstiftende Rolle spielen.
Dass Athleten wie Kugelstoßerin Yemisi Ogunleye, Kanute Max Lemke, Handballer David Späth oder Hockey-Ass Gonzalo Peillat als Olympia-Teilnehmer und Medaillengewinner für Mannheim glänzen, ist kein Zufall, sondern das sichtbare Ergebnis einer lebendigen Sportkultur in der Quadratestadt. Entscheidender noch ist, dass hinter dem Erfolg dieser Spitzensportler ein Netzwerk aus Vereinen, engagierten Ehrenamtlichen und aktiven Sportlern steht. Fanny Rinne, Hockey-Olympiasiegerin von 2004 und Botschafterin des Mannheimer Sports, sagt: „Ich finde, dass die Stadt eine Menge für den Sport tut. Es existiert auf jeden Fall eine positive Grundstimmung. Die Menschen in Mannheim sind sehr sportinteressiert und fachkundig.“
Die Zugpferde: Adler, Löwen, Waldhof und Co.
Bei den sportlichen Aushängeschildern der Stadt denkt man vor allem an drei Namen: die Adler Mannheim im Eishockey, die Rhein-Neckar Löwen im Handball und den SV Waldhof Mannheim im Fußball. Doch die Liste der sportlich erfolgreichen Clubs ist viel länger.
Die Adler stehen für erstklassigen deutschen Eishockeysport – sechs Meistertitel in der DEL sprechen eine klare Sprache. Heimspiele der Adler sind regelmäßig ausverkauft. Mehr als 13.000 Zuschauer pilgern zu Spitzenspielen in die SAP Arena und heben die Auslastung regionaler Hotels, Restaurants und Bars. Schätzungen zufolge generieren die Adler pro Saison einen Umsatz von rund 20 Millionen Euro. Arbeitsplätze entstehen bei Sicherheitsfirmen oder Caterern, Event-Managern und Dienstleistern im Umfeld.
Handball-Bundesligist Rhein-Neckar Löwen gehört ebenfalls seit Jahren zur Elite. Nach zwei deutschen Meisterschaften (2016 und 2017), zwei Pokalsiegen (2018 und 2023) und dem Triumph im EHF-Pokal (2013) sind die „Löwen“ über die Landesgrenzen hinaus zur Marke geworden. Die Arena ist an vielen Spieltagen ausverkauft, wovon Gastronomie, Einzelhandel und Hotels profitieren. Der Saisonumsatz aus Ticketverkäufen, Sponsoring, Merchandising, TV- und Medienrechten oder Catering wird auf rund zehn Millionen Euro geschätzt.
Am Alsenweg schlägt das Mannheimer Herz des Fußballs. Der SV Waldhof blickt auf eine über hundertjährige Geschichte zurück und zählt zu den Traditionsvereinen im deutschen Fußball. Auch wenn „die Buwe“ nicht mehr den ersten beiden Ligen angehören, sorgen sie durch ihre treue Anhängerschaft für volle Ränge im Carl-Benz-Stadion.

Foto: Stadt Mannheim
Breite Basis: Bundesligisten und attraktive Events
Mannheim wäre aber nicht die „Sportstadt“ in der Region, müsste man die Liste der erfolgreichen Teams bei den drei genannten belassen. Die Stadt zählt über zehn Bundesligamannschaften – mehr als so manch größere Metropole. Die Hockey-Teams des MHC mischen konstant an der deutschen Spitze mit und repräsentieren die Stadt bei internationalen Turnieren. Daneben sind auch die Tennis-Asse von Grün-Weiss Mannheim, die Turnerinnen der TG Mannheim oder die Faustballer in Käfertal hoch anerkannt.

Foto: Stadt Mannheim
Die Mannheimer Turn- und Sportgesellschaft (MTG Mannheim) zählt zu den erfolgreichsten Leichtathletikvereinen Deutschlands. Hier trainieren Athletinnen und Athleten vom Kindesalter bis zur Weltklasse. Viele Talente schaffen den Sprung in den Landes- oder Bundeskader.
Die Trainingsanlage ist Teil des Olympiastützpunkts Rhein-Neckar und beherbergt den Leichtathletik-Bundesstützpunkt Mannheim.
Für sportliche Höhepunkte sorgen regelmäßig Großveranstaltungen: Ein echtes Highlight ist die jährlich stattfindende Bauhaus Junioren-Gala, das größte internationale Nachwuchsmeeting in Deutschland: Talente aus über 20 Nationen treten im Michael-Hoffmann-Stadion gegeneinander an. Viele spätere Weltstars wie Karsten Warholm oder Yemisi Ogunleye begannen hier ihre internationale Karriere.
Zur Faustball-Weltmeisterschaft 2023 begrüßte Mannheim 16 Nationalteams aus fünf Kontinenten. Während der Handball-Europameisterschaft 2024 wohnten und trainierten acht Mannschaften in der Region. Auch Randsportarten erleben glanzvolle Momente: Im September 2024 fand die Tauzieh-Weltmeisterschaft mit rund 1.500 Teilnehmern in der Stadt statt. „Mannheim hat erneut gezeigt, dass wir ein verlässlicher Partner für erfolgreiche sportliche Großveranstaltungen sind – auch jenseits des Mainstream“, fand Sportbürgermeister Ralf Eisenhauer.
Maimarkt-Turnier: Tradition und Wirtschaftskraft
Ein weiteres Highlight im sportlichen Kalender ist das Maimarkt-Reitturnier – seit 1964 fest etablierter Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Das traditionsreiche, seit 1985 im MVV Reitstadion ausgetragene Event gehört zu den ganz großen internationalen Turnieren Deutschlands. Gabriël Clemens, Vorstandsvorsitzender der MVV, spricht von „einer Bühne für Reitsport auf höchstem Niveau“.
Sportliche Höchstleistungen in der Dressur und im Springen locken jährlich Reitsportfreunde und Prominenz aus aller Welt an. Wirtschaftlich ist die Veranstaltung eng mit dem Mannheimer Maimarkt verbunden und beschert der örtlichen Hotellerie, Gastronomie sowie dem Handel zusätzliche Umsätze.
Der Macher des Events ist Peter Hofmann, langjähriger Präsident des Reiter-Vereins Mannheim, der 2026 seinen 100. Geburtstag
feiert. Für sein Engagement wurde er 2022 mit dem Friedens-
reiterpreis ausgezeichnet. Hervorgehoben wurde sein Engagement als Inspirator und Macher des Maimarkt-Turniers und als hoch-
engagierter Vertreter von Sport und Fairness in Verbänden und Gremien.
Hohe Investitionen der Stadt
Die Stadt investiert in die Sportlandschaft. Im Haushaltsplan 2024 standen 16,2 Millionen Euro für den Bereich Sport bereit. Rund zehn Millionen Euro wurden für den Betrieb und Unterhalt städtischer Sportanlagen aufgebracht. Rund drei Millionen Euro flossen in die Förderung von Vereinen, in Zuschüsse und Projekte des Breitensports.
Zu den größten Einzelmaßnahmen zählt das neue Kombibad Herzogenried mit einem 50-Meter-Becken, das mit Gesamtinvestitionen von über 64 Millionen Euro zu den Leuchtturmprojekten im städtischen Haushalt zählt.
Der gesellschaftliche Wert des Sports in Mannheim
Sport ist in Mannheim mehr als Freizeitbeschäftigung – er dient als Impuls, der Menschen verbindet, integriert und inspiriert. „Bei der Beurteilung der Lebensqualität in einer Stadt kommt dem Sport eine bedeutende Rolle zu. Für viele Menschen ist Bewegung unverzichtbar für ein gesundes, kommunikatives und erfüllendes Leben. Der Sport hat somit eine wichtige Funktion für die Außen- und die Innendarstellung einer Stadt“, sagt Eisenhauer. Bewegung für alle Generationen sollen ermöglicht und gefördert werden.

Foto: Stefan Lafrentz
Breitensport als Fundament
Die Vielzahl der Mannheimer Sportvereine bietet die Möglichkeit, in unterschiedlichsten Sportarten aktiv zu werden – von Fußball über Tennis und Tischtennis bis hin zu Ringen, Schwimmen oder Cheerleading. Diese breite Basis ist nach Überzeugung der städtischen Verantwortlichen die Keimzelle für sportliche Erfolge und unterstützt den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Herausforderungen und Zukunftsprojekte
Angesichts des demografischen Wandels, veränderter Freizeitgewohnheiten und steigender Kosten für Personal, Energie und Infrastruktur stehen die Vereine vor großen Herausforderungen. Der Wettbewerb um Sponsorengelder wird schärfer, innovative Ansätze sind gefordert, um auch jüngere Zielgruppen für den Vereinssport zu begeistern. Dennoch: Der Blick richtet sich nicht nur auf die bereits bestehenden Strukturen – etwa Großereignisse wie die Eishockey-Weltmeisterschaft 2027, die gemeinsam mit Düsseldorf ausgerichtet wird.
