Standort zahlreicher Transportunternehmen
Logistik-Hub Mannheim
von Kira Hinderfeld

Die günstige Verkehrslage Mannheims macht den Standort attraktiv für die Logistikbranche – vom Global Player über den Containerspezialisten bis zur mittelständischen Spedition mit maßgeschneidertem Angebot für Kunden aus den unterschiedlichsten Branchen.

Dass die heimische Wirtschaft brummt, verdankt sie vor allem dem florierenden Exportgeschäft – eine Ausfuhrquote von aktuell über 68 Prozent in der Quadratestadt spricht Bände. Der ausgezeichnete Zugang Mannheims zu den Weltmärkten ist dafür die Voraussetzung schlechthin. 

Rhein und Neckar fließen in Mannheim zusammen. Der Hauptbahnhof ist einer der wichtigsten Bahnverkehrsknotenpunkte Deutschlands. Der Rangierbahnhof ist in unseren Tagen der zweitgrößte in Deutschland, hier treffen sich der Seehafenverkehr aus Norddeutschland und die Alpen-Transitzüge aus Südeuropa und der Schweiz. Zwei internationale und fünf nationale Autobahnen sowie mehrere Bundesstraßen schneiden sich bei Mannheim. Die Quadratestadt liegt zentral an den drei relevanten europäischen Verkehrskorridoren Atlantik, Rhein-Alpen und Rhein-Donau. Das ist einzigartig in Europa. Es gibt einen eigenen Flugplatz am Stadtrand, die großen Flughäfen in Frankfurt/Main und Stuttgart sind ebenfalls schnell erreicht.

Die Stadt nahm ihren Aufschwung als wichtige Handels- und Industriestadt nicht ohne Grund. Historisch gesehen, war Mannheim bis zum Ende des 19. Jahrhunderts eine der Endstationen für die Schiffe, die von Rotterdam den Rhein hinauffuhren. Da große Schiffe den Rhein nicht weiter flussaufwärts befahren konnten, mussten die Güter in Mannheim auf die Bahn oder auf kleinere Schiffe umgeladen werden. Dies führte zur Entstehung großer Umschlags- und Lageranlagen. Und es siedelten sich Industriezweige an, die die angelieferten Rohstoffe weiter verarbeiteten – von großen Getreide- und Ölmühlen über Stahlproduzenten bis zu chemischen Unternehmen, um nur einige Beispiele zu nennen. Wertschöpfungsintensive Branchen mit Produktions-, Veredelungs- und Handelsbetrieben prägen den Mannheimer Hafen und die Stadt bis heute.

Große und kleine Speditionen und Logistikdienstleister verknüpfen dabei alle Verkehrsträger auf Schiene, Straße, Wasserwegen und in der Luft und leisten ihren Beitrag zum Wirtschaftswachstum. Denn damit Industrie und Handel überhaupt funktionieren können, müssen auch die Güter- und Warenströme möglichst schnell und reibungslos funktionieren. Die Leistungen der Logistik – mit drei Millionen Beschäftigten und mehr als 260 Milliarden Euro Jahresumsatz (2018) drittgrößter Wirtschaftszweig Deutschlands – sind systemrelevant.

 

Transportsicherheit im Fokus

Nicht nur die ganz Großen der Branche, auch Mittelständler nutzen die günstige Lage Mannheims und bieten teilweise sehr spezialisierte, auf ihre Kunden passgenau zugeschnittene logistische Dienstleistungen.

Wie beispielsweise die Alpensped GmbH: Das mittelgroße Familienunternehmen hat sich vor mehr als 25 Jahren in Mannheim etabliert und zu einem internationalen Logistiker entwickelt. Neben den Standard-Dienstleistungen der Teil- und Komplettladungen hat Alpensped sein Know-how im Bereich der Sonder- und Schwerlasttransporte ausgebaut und steuert diese von Mannheim aus in ganz Europa. Individuelle Beratung und Konzepte tragen den speziellen Anforderungen Rechnung und führen zu passgenauen Transportlösungen. Ganz wichtig ist hierbei auch die Transportsicherheit – Cargo-Kriminalität gehört europaweit zur Tagesordnung und verursacht jedes Jahr einen Schaden von etwa 1,3 Milliarden Euro. Um dem entgegenzuwirken, entwickelt der Mannheimer Logistikdienstleister individualisierte Sicherheitskonzepte mit und für seine Kunden. Das Ergebnis: Frachtdiebstähle haben innerhalb der letzten zwei Jahre sig­nifikant abgenommen. Ohne eine entsprechende IT wäre das nicht möglich: Das Monitoring der Transporte erfolgt über ein spezielles Tool, das Alpensped in Zusammenarbeit mit der Hochschule Heilbronn auf den Weg gebracht hat und nach einer Testphase in das unternehmenseigene Transportmanagementsystem integriert. Das erhöht die Transparenz und sorgt für eine noch reibungslosere Zusammenarbeit mit Kunden in Mannheim und Europa.

Schwerpunkt Massengutlogistik

Den Grundstein ihrer Aktivitäten im Mannheimer Hafen legte die Rhenus-Gruppe bereits vor mehr als 100 Jahren. Heute ist der Geschäftsbereich Port Logistics hier mit fünf Standorten vertreten. Vier Terminals betreibt das Geschäftsfeld Inland Ports, ein weiteres die Rhenus-Tochter Contargo.

Rhenus gilt als Spezialist in der Massengutlogistik. So gehören der trimodale Umschlag und die Lagerung von Massengütern und massenhaften Stückgütern wie Rohstoffen, Mineralien, Baustoffen, Stahl, Schwergut und Fahrzeugen zu den Hauptaktivitäten. Im Hafen Mannheim steht Rhenus insgesamt eine Logistikfläche von 150.000 Quadratmetern zur Verfügung, darunter 15.000 Quadratmeter Hallenflächen. Neben Kranen, Baggern, Radladern und Staplern besitzt der Logistiker eine RoRo-Rampe, eine Stahlhalle sowie Brech- und Siebanlagen. Die Kunden kommen überwiegend aus der Automobilindustrie und dem Fahrzeugbau, der Chemie- und Energiebranche, der Bauindustrie und nicht zuletzt aus der Kreislaufwirtschaft. Denn neben klassischen Schüttgütern lagert und verarbeitet Rhenus im Auftrag seiner Kunden auch Abfälle. Damit gehört der Hafenlogistiker zu den wenigen Dienstleistern, die den trimodalen Umschlag für die Kreislaufwirtschaft offerieren können.

Aber nicht nur Rhenus Port Logistics ist in Mannheim vertreten. So befindet sich beispielsweise auch ein Automotive-Standort der Rhenus in Mannheim-Neckarau. Zudem verfügt Rhenus Warehousing Solutions über ein Logistikzentrum im Mühlauhafen. Dort betreibt der Spezialist für Kontraktlogistik Warenläger für Kunden aus der Lebensmittel- und Pharmabranche. Insgesamt umfasst das Logistikzentrum der Rhenus Warehousing Solutions eine gedeckte Lagerfläche von 54.000 Quadratmetern mit rund 40.000 Palettenstellplätzen. Ein zusätzliches Außenlager befindet sich zudem in Mannheim-Rheinau. 

Multimodale Containerlogistik

Als Experte für multimodale Logistikketten speziell für Container bündelt Contargo die Aktivitäten verschiedener Rhenus-Tochterunternehmen auf dem Gebiet der Container-Hinterlandlogistik und gehört heute in Europa zu den größten Anbietern dieser Art. Contargo Rhein-Neckar bietet Spediteuren, Direktverladern und Reedern an seinen hiesigen Terminals einen Komplettservice rund um diesen Transportbehälter: neben Umschlag, Lagerung und multimodalen Transportdienstleistungen auch die Containerrundläufe und die Zollabwicklung, Verkauf und Vermietung von Gebrauchtcontainern sowie Reparatur, Wartung und Instandhaltung. Hinzu kommen die Lagerung von Gefahrgutcontainern verschiedener Klassen oder temperaturgeführten Gütern. Das Contargo-Terminal im Mannheimer Handelshafen bildet eine wichtige Schnittstelle für Container zwischen den westlichen und nördlichen Seehäfen, der Metropolregion Rhein-Neckar und dem weiteren europäischen Hinterland.

Starkes internationales Netzwerk

International aufgestellt ist auch das Dachser Logistikzentrum Rhein-Neckar in Mannheim-Friedrichsfeld. Es bietet auf seinem 130.000 Quadratmeter großen Areal zwei Umschlaghallen: 8.000 Quadratmeter stehen für Industriegüter, 3.300 Quadratmeter für temperaturgeführte Lebensmittel zur Verfügung. In einem 6.000 Quadratmeter großen Warehouse mit 13.200 Palettenstellplätzen werden Waren in unterschiedlichen Temperaturbereichen fachgerecht gelagert. Das Leistungsportfolio der Niederlassung Mannheim deckt die komplette Bandbreite der Logistik ab und reicht von Transport, Warehousing, Kommissionierung, Konfektionierung bis hin zu Logistikberatung und Kontraktlogistik.

Im paneuropäischen Dachser-Netzwerk für Stückgut-Systemverkehre verbindet die Niederlassung Mannheim die Metropol­region Rhein-Neckar mit allen bedeutenden Wirtschaftsstandorten in Europa und via Dachser Air & Sea Logistics in Übersee. Darüber hinaus fungiert sie als Plattform für Verkehre in die Türkei und den Nahen Osten. Mit seiner Branchenlösung Dachser Chem-Logistics betreut Dachser alle namhaften Chemieunternehmen der Region. Starke Kundensegmente sind des Weiteren die Bereiche Consumerartikel, Maschinenbau, Automobilzulieferer und der gesamte Bereich Lebensmittel. Im Industriegüterbereich werden europaweit jährlich rund 857.000 Sendungen mit 545.500 Tonnen Gewicht verteilt. Im Lebensmittelbereich kommen rund 439.000 Sendungen mit 379.200 Tonnen Gewicht dazu. Außerdem werden jährlich 9.800 Sendungen mit einer Tonnage von 14.900 über den Luft- bzw. Seeweg in die ganze Welt verschickt.

Deutschlandzentrale in Mannheim

Die Raben Group, mit über einer Milliarde Euro Umsatz (2018) eines der führenden Logistikunternehmen in Europa, eröffnete „aufgrund der verkehrstechnisch hervorragenden Lage Mannheims“ im Herbst 2018 den Sitz ihrer deutschen Landesgesellschaft im Rheinauhafen. 15 Millionen Euro kosteten das neue Gebäude sowie die Erweiterung und Modernisierung der Niederlassung mit ihren Lager- und Umschlagsflächen von nun 16.500 Quadratmetern mit 76 Rampen.

Am Standort Mannheim, der 1910 gegründet wurde und im Zuge der Übernahme von Wincanton-Anteilen zur Raben Group kam, ist der Logistiker für Kunden aus der Chemie- und Schmierstoffbranche sowie Industrie und Handel tätig. Zum Angebot gehören die Lagerhaltung sowie die Abwicklung nationaler und internationaler Transporte für Stückgut, Teil- und Komplettladungen. Insgesamt stehen für die kurz- oder langfristige Wareneinlagerung rund 30.000 Palettenstellplätze zur Verfügung. Über ein eigenes Stückgutnetzwerk transportiert der Logistiker in Deutschland täglich rund 20.000 bis 22.000 Sendungen in 400 bis 500 Verkehren.

Lagerlogistik und temperierte Hallen

Eines der traditionsreichsten Unternehmen im Mannheimer Handelshafen ist die 1895 gegründete Graeff Spedition GmbH & Co. KG. Das Unternehmen hat sich unter anderem auf Transporte, auch temperaturgeführter Güter, im Stück-, Teil- und Komplettladungsbereich spezialisiert und bedient mit dem eigenen Fuhrpark ganz Deutschland und das nähere Ausland. Zudem setzt die Spedition seit Anfang der 2000er Jahre verstärkt auf den Bereich der Lagerlogistik und verfügt mittlerweile über mehr als 50.000 Quadratmeter Fläche. Namhafte regionale Kunden aus der Lebensmittel-, Kunststoff- und Klebstoffindustrie können so aufgrund der verkehrsgünstigen Lage schnell und flexibel beliefert werden.

Stetig investiert die Spedition Graeff in innovative Lösungen, um Lagerhallen und -flächen an spezielle Kundenanforderungen anzupassen – auch wenn diese sich kurzfristig entwickeln. Wegen der steigenden Nachfrage nach temperierten Lagerungsmöglichkeiten wurden Hallen auf einer Fläche von insgesamt 9.000 Quadratmetern mit hochmodernen, möglichst ressourcenschonenden Klimatisierungssystemen ausgerüstet, um ganzjährig Temperaturen von 14 bis 18 Grad Celsius gewährleisten zu können. Weitere 3.000 Quadratmeter sind technisch schon so vorbereitet, dass man kurzfristig auf weitere Kundenanfragen reagieren kann. Gelagert werden hier vor allem Produkte der Schokinag, die ebenfalls im Hafen ansässig ist. 

Schienenlogistik – auch multimodal

Nirgendwo sonst ist ein so engmaschiges Schienennetz verfügbar wie in Mitteleuropa. Aus dessen Zentrum heraus agiert DB Cargo – der größte Bahnfrachtdienstleister Europas. Die Logistik-Tochter der Deutsche Bahn AG bietet ihren Kunden mit ihren nationalen und internationalen Dienstleistungen Schienentransporte aus einer Hand, ist in 17 Ländern Europas und mittlerweile in China vertreten und unterhält auch in Mannheim eine Niederlassung. Für fast alle Branchen ist das Unternehmen tätig, ob Kohle, Automotive, Schrott, Mineralöl, Papier, Getränke, Chemie oder Konsumgüter, und kann dabei auch auf andere Verkehrsträger „multimodal“ umschlagen. Da sowohl einzelne Wagen als auch ganze Züge eingesetzt werden, ist der Schienentransport durchaus auch für kleine und mittlere Unternehmen eine Option – selbst wenn sie keinen eigenen Gleisanschluss besitzen. In Mannheim verfügt DB Cargo für solche Kunden über verschiedene Schienenzugangspunkte, die per Lkw-Vor- und/oder -Nachlauf erreicht werden können: ein Freiladegleis, ein KV-
Terminal, einen Hafen und einen Railport. Auf dem Weg zum eigenen Bahnanschluss unterstützt das Logistik-Unternehmen interessierte Firmen u. a. mit einer Beratung zu öffentlichen Fördergeldern. Unser Foto zeigt den Mannheimer Rangierbahnhof, den zweitgrößten seiner Art in Deutschland.

Drehscheibe für Schwergut

Die Schiene wird auch von der Spedition Kübler genutzt. Der Schwergutspezialist ist trimodal unterwegs, in seinem Zentrum im Mannheimer Rheinauhafen stehen über 100.000 Quadratmeter Hallen- und Freiflächen sowie sechs Krane bis zu 500 Tonnen Tragkraft bereit. Zum Anlegen der Schiffe bietet Kübler 1,6 Kilometer Kailänge – ausreichend für über zehn Schiffe, für Züge ist eine Gleislänge von 3,4 Kilometern vorhanden. Die Anlage ist gut genutzt, denn bei Schwertransporten mit Übergröße oder Übergewicht gibt es oftmals aufgrund des Zustands der Verkehrsinfrastruktur, insbesondere bei Autobahnbrücken, erhebliche Probleme. Nicht nur in den Seehäfen Rotterdam und Antwerpen – auch in Mannheim können ganze Bausektionen von Windenergieanlagen oder riesige Schiffs- und Kraftwerksmotoren mit über 320 Tonnen Gewicht nun vor Ort endmontiert, verpackt und per Rheinschiff versendet werden. Hierfür hat Kübler alternative Konzepte auf Bahn und Schiff ausgearbeitet und sogar einen Schienentiefladewagen mit 348 Tonnen Tragkraft gebaut. Mannheim soll sich zur Dienstleistungsplattform und Drehscheibe für Schwergut entwickeln, das von oder nach Süddeutschland transportiert wird – so die Vision des Unternehmens.

Neues GLS-Depot

Seit Oktober 2019 ist auch das neue GLS-Depot im Mannheimer Industriehafen bezugsfertig – auf einem 30.000 Quadratmeter großen Grundstück in unmittelbarer Nachbarschaft des bisherigen rund 20 Jahre alten Depots. Diese Lösung wurde wegen der regionalen Warenströme und der günstigen Verkehrsanbindung an das Autobahnnetz gewählt, so Clemens Barz, Region Manager Germany Center der GLS. Der Stadt Mannheim sei man sehr dankbar für ihre Unterstützung bei diesem Projekt. 15 Millionen Euro flossen in den Neubau, in dem mit 80.000 Tagespaketen die Umschlagskapazität verdoppelt wurde. Für administrative und kaufmännische Tätigkeiten wurde zusätzlich ein zweistöckiges Bürogebäude mit insgesamt 600 Quadratmetern errichtet. 50 neue Vollzeitstellen sollen entstehen. Geplant ist auch der Bau von 20 Schnell-Ladestationen für Elektrofahrzeuge.