Technische Hochschule Mannheim

Neuer Name für ein klareres Profil

Die TH Mannheim zählt rund 5.200 Studierende.
Foto: Rainer Diehl/TH Mannheim

Seit dem 1. März 2025 trägt die Hochschule Mannheim den neuen Namen „Technische Hochschule Mannheim“. „Mannheim – Stadt im Quadrat“ fragte Rektorin Prof. Angelika Altmann-Dieses nach den Gründen für diese Entscheidung.

Warum haben Sie sich für eine Umbenennung von „Hochschule Mannheim“ in „Technische Hochschule Mannheim“ entschieden?
Prof. Angelika Altmann-Dieses: Als ich am 1. Oktober 2023 mein Amt als Rektorin der Hochschule Mannheim übernommen habe, wurde mir sehr schnell klar, dass die Hochschule nicht so bekannt ist, wie sie sein sollte, und viele Menschen mit dem Begriff ‚Hochschule‘ – ein Sammelbegriff für alle Hochschularten – keine besondere Ausrichtung verbinden. Dies soll sich mit der neuen Bezeichnung „Technische Hochschule“ ändern. Wir betonen damit, dass die MINT-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, auf die 80 Prozent unserer Studienplätze entfallen, unsere Kernkompetenz darstellen – und dokumentieren unser Alleinstellungsmerkmal als einzige Technische Hochschule in der Metropolregion Rhein-Neckar.

Nun sind gerade technische Fächer im Moment bei den Studierenden nicht gerade der Renner. Warum konzentrieren Sie sich in der Außenwahrnehmung gerade auf diesen Bereich, wo doch Ihre anderen Bereiche wie Kommunikationsdesign und Soziale Arbeit auf sehr viel mehr Resonanz stoßen?
Altmann-Dieses: In der Tat wird es immer schwieriger, Studierende für unsere Technikfächer wie Elektrotechnik, Maschinenbau, Mechatronik oder Chemie- und Verfahrenstechnik zu begeistern. Das ist im Übrigen kein Mannheimer Problem, sondern betrifft ganz Deutschland. Umso wichtiger ist es, die Wahrnehmung der Studieninteressierten ganz besonders auf die technische Kompetenz unserer Hochschule zu lenken. Unsere Region lebt von der technischen Innovation und es ist unsere Aufgabe – und das erwarten auch Politik und Wirtschaft von uns –, dass wir ­diese Technikstudienplätze füllen. Dass wir es schaffen, ist zudem die Voraussetzung für unsere Finanzierung, und wir können unsere Studienplätze im technischen Bereich auch nicht einfach in Studienplätze für Kommunikationsdesign und Soziale Arbeit umwidmen. Und das wollen wir auch nicht.

Werden Sie sich aus den Bereichen Kommunikationsdesign und Soziale Arbeit zurückziehen?
Altmann-Dieses: Unsere Bereiche Kommunikationsdesign und Soziale Arbeit sind und bleiben ein wichtiger integraler und unverzichtbarer Bestandteil unserer Technischen Hochschule. Ich will nicht verschweigen, dass es im Austausch mit diesen beiden Fakultäten durchaus Diskussionen gab, als wir die Änderung des Namens in den Fokus nahmen. Doch wir haben uns diesen gestellt und den Schritt als Hochschule gemeinsam in den Gremien beschlossen. An anderen Hochschulen, die einen ähnlichen Weg gegangen sind, haben sich für diese Studiengänge keine Nachteile ergeben. Wir gehen davon aus, dass dies auch bei uns so sein wird.

Aber was wollen Sie nun tun, um mehr Studierende für Ihre technischen Studiengänge zu gewinnen? Eine reine Namensänderung wird da sicher nicht reichen.
Altmann-Dieses: Wir versuchen hier, schon möglichst früh anzusetzen, und bereits Schülerinnen und Schüler für dieses Thema zu begeistern. Ein Beispiel dafür ist die Kooperation mit dem Technomuseum, wo unsere Professorinnen und Professoren Workshops zum Thema „MINT“ anbieten, oder das Projekt MINTcon, wo wir gemeinsam mit der Stadt Mannheim und der Metro-
polregion Rhein-Neckar eng mit Schulen zusammenarbeiten.

Studierende aus dem Ausland könnten mit Blick auf die rückläufigen Zahlen vor allem in den technischen Fächern ein Ausweg sein. Wie sehen Sie das?
Altmann-Dieses: Wir wollen unsere Studienplätze füllen und wir müssen sie füllen – auch weil die Region die Absolventinnen und Absolventen braucht. Deshalb haben wir uns jetzt entschieden, dass wir die Internationalisierung unserer Technischen Hochschule vorantreiben und den Anteil von derzeit elf Prozent Studierenden mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit erhöhen möchten. Zu diesem Zweck werden wir zwei englischsprachige Bachelorstudiengänge etablieren. Der Studiengang „International Engineering“ startet im Sommersemester 2026, der Studiengang „Engineering & Management International“ mit einem Fokus auf Tech-Entrepreneurship wird ab dem Wintersemester 2026/27 angeboten. Und bei diesem Thema gibt es eine grundsätzliche Änderung: Früher ging es bei der Ausbildung international Studierender in erster Linie darum, dass diese nach ihrem Studium bei uns in ihre eigenen Ländern zurückkehren und dort bspw. in deutschen Unternehmen ­arbeiten. Heute ist unser Ziel ein ganz ­anderes. Wir möchten, dass die jungen Leute sich auch eine Zukunft in Deutschland vorstellen können und hier bleiben.

Wie sehen Sie Ihre Chancen, internationale Studierende an die TH nach Mannheim zu holen?
Altmann-Dieses: Ich glaube, mit der Bezeichnung „Technical“ im Hochschulnamen können wir auch außerhalb der deutschen Grenzen punkten, denn mit dem Thema „German Engineering“ sind wir im Ausland immer noch sehr angesehen. Allerdings, das will ich deutlich sagen: Es ist für uns wirklich ein Riesennachteil in der Konkurrenz zu den Hochschulen anderer Bundesländer, dass bei uns Studiengebühren für internationale Studierende, die nicht aus der EU kommen, anfallen. Das ist gerade für uns in Mannheim ein Problem, da wir an der Ländergrenze zu Rheinland-Pfalz und Hessen liegen, wo internationale Studierende diese Gebühren nicht zahlen müssen. Ich hoffe sehr, dass diese Hürde nach den nächsten Landtagswahlen fällt.

Gerade bei dem Thema „Internationale Studierende“ setzen Sie besonders auf die Zusammenarbeit mit den regionalen Firmen …
Altmann-Dieses: Über unsere Praxissemester und das Erstellen von Bachelor- und Masterarbeiten sind unsere Studierenden in engem Kontakt mit den Unternehmen der Region. Ich glaube jedoch, dass dies bei ausländischen Studentinnen und Studenten noch ausgebaut werden sollte. Denn auf diese Weise entwickeln die jungen Leute aus dem Ausland ein Interesse, in Deutschland zu bleiben und hier eine berufliche Karriere zu starten. Wir sind bereits jetzt eine der forschungsstärksten Hochschulen für angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg und haben allein 2024 mit über 130 Projekten unterschiedlicher Größe ca. elf Millionen Euro forschungsbezogener Drittmittel eingeworben. Wichtig ist jedoch in diesem Zusammenhang, dass sich die regionalen Firmen auch weiterhin engagieren und an unseren Karrieremessen teilnehmen, Werkstudierende einstellen und Angebote mit Blick auf Abschlussarbeiten machen. Denn vor allem, wenn unsere Studierenden sehen, dass sie nach ihrem anspruchsvollen Studium die Aussicht auf einen guten Job haben, werden sie dieses motiviert und engagiert auch zu Ende bringen.

Wir beurteilen Sie die Zusammenarbeit zwischen der Stadt Mannheim und Ihrer Hochschule?
Altmann-Dieses: Unsere Zusammenarbeit mit der Stadt Mannheim ist sehr eng und wurde im Jahr 2021 auf Initiative des städtischen Fachbereichs für Wirtschafts- und Strukturförderung in dem „Steuerkreis Hochschulen – Stadt Mannheim“ auch institutionalisiert. Unter anderem schätze ich auch den Arbeitskreis zur Nachhaltigkeit, den das Gremium ins Leben gerufen hat. Die Wirtschaftsförderung Mannheim vergibt hier jedes Jahr den „Mannheimer Nachhaltigkeitspreis“ für studentische Arbeiten und Projekte, die einen Beitrag zur Förderung von Nachhaltigkeit leisten, vor allem mit Bezug auf die Stadt Mannheim. Unsere Technische Hochschule war 2025 sogar mit zwei Preisen vertreten. In einer Seminararbeit in der Informatik haben Studierende eine Internetanwendung entwickelt, die durch Visualisierung die Temperaturunterschiede und Kühlungseffekte im urbanen Raum in der Mannheimer Neckarstadt erfasst. Ein weiterer Preis ging an eine Absolventin des Wirtschaftsingenieurwesens. Sie stellt in ihrer Bachelorarbeit eine Vorgehensweise zur Einführung eines nachhaltigen Abfallmanagements für öffentliche Einrichtungen vor. Ich ­denke, auch für die Stadt Mannheim ist es von ­großem Vorteil, eine Technische ­Hochschule im Portfolio zu haben.

Die Fragen stellte Ulla Cramer.

Mehr im Internet:
Werfen Sie einen Blick auf das neue Imagevideo der TH Mannheim.

Zur Person

Seit dem 1. Oktober 2023 ist Prof. Angelika Altmann-Dieses die Rektorin der TH Mannheim.
Foto: Sebastian Weindel/TH Mannheim

Prof. Angelika Altmann-Dieses wurde 1971 geboren und studierte­ ­Mathematik an der Universität Heidelberg und der University of ­Oxford, England. Ihre Promotion am Interdisciplinary Center for Scientific ­Computing (IWR) der Universität Heidelberg führte sie in enger Kooperation mit der BASF SE durch, wo sie im Anschluss bis 2008 arbeitete. Danach lehrte sie als Professorin für Mathematik an der Hochschule Karlsruhe und übernahm dort ab 2018 auch das Amt der Prorektorin für Studium, Lehre und Internationales. Seit dem 1. Oktober 2023 ist sie Rektorin der Technischen Hochschule Mannheim.