
Mannheim pflanzt Miniwälder: Tiny Forests sorgen im Lindenhof und in der Neckarstadt für Klimaverbesserungen. Auch als grünes Klassenzimmer soll der Mikrowald dienen.
Von Jörg Runde
Während die Sommer immer heißer werden, suchen Städte nach Möglichkeiten, ihr Mikroklima zu verbessern. In Mannheim ist ein Grünprojekt entstanden, das Schule machen könnte: Der erste Tiny Forest, ein Miniwald nach japanischem Vorbild, wurde im Stadtteil Lindenhof ehrenamtlich gepflanzt.
450 Bäume und 900 Sträucher für ein besseres Mikroklima
30 freiwillige Helferinnen und Helfer griffen im Frühjahr 2024 zu Spaten und Gießkanne: Sie pflanzten auf einer Fläche von etwa 350 Quadratmetern insgesamt 450 Bäume und 900 Sträucher. Ulrich Holl, Vorsitzender der Bürger-Interessen-Gemeinschaft (BIG) Lindenhof, sagt: „Wir erhoffen uns vom Tiny Forest einen Impuls für weitere Flächen in der Stadt – damit das Mikroklima um die jeweiligen Flächen besser wird.“ Gerade der Lindenhof zählt wegen der dichten Bebauung zu den wärmsten Stadtteilen. Der Miniwald soll dazu beitragen, die lokale Temperatur zu senken, CO₂ zu binden und Vögeln und Insekten neue Lebensräume zu bieten.
Das Prinzip ist einfach: Nach dem sogenannten Miyawaki-Konzept – benannt nach dem japanischen Botaniker Akira Miyawaki – werden heimische Bäume dicht aneinandergesetzt. Dichter Wald auf kleiner Fläche wächst schnell, ist artenreich und besonders widerstandsfähig. Durch den Wettstreit ums Licht schießen die Bäume nach oben, zugleich verringert sich ihre Zahl über die Jahre durch natürliche Selbstausdünnung.
Vielfalt auf engstem Raum
Zu den Arten zählen Traubeneiche, Winterlinde und Flatterulme. Ein Teil der Jungpflanzen stammt aus dem Luisenpark und einer Forstbaumschule, was die regionale Anpassungsfähigkeit sichert. Sträucher und ein 1,5 Meter breiter Blühstreifen fördern zudem die Artenvielfalt.
Der Tiny Forest im Lindenhof entstand direkt neben einem Kindergarten und soll künftig als Lern- und Erlebnisort für Kinder dienen. „Der Miniwald soll das ganze Jahr blühen“, sagt Holl. „So haben Schmetterlinge, Vögel und Insekten zu jeder Jahreszeit das passende Nahrungsangebot.“
Damit fördern die dichten Pflanzungen nicht nur die Artenvielfalt, sondern dienen auch als grünes Klassenzimmer mitten in der Stadt. Das Projekt ist mit 12.000 Euro an Spenden finanziert. Ungefähr 60 Menschen werden sich auch in den nächsten Jahren um die Pflege kümmern. Interessant: Für solche Mikrowälder bedarf es keiner großen Flächen, erklärt Holl. „Auch ein Grünstreifen zwischen zwei Wohnhäusern ist denkbar. Die Flächen sind meist ungenutzt – wo heute Rasen liegt, kann morgen schon ein Stück Wald wachsen.“
In der Neckarstadt-West wurde 2025 eine weitere, 273 Quadratmeter große Fläche hinter dem Marchivum mit 800 Pflanzen bepflanzt. Auch hier sorgen einheimische Arten und Blühstreifen für ein lebendiges Stück Natur und für eine Verbesserung des Stadtklimas.
Werte werden gemessen
Mit moderner Technik werden die Auswirkungen der Miniwälder auf das Mikroklima der Stadt erforscht. Sensoren erfassen kontinuierlich Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind und Bodendaten – innerhalb des Tiny Forest und in der Umgebung. Mithilfe eines KI-gestützten Klimamodells fließen die Daten in die Stadtentwicklung ein. Ziel ist, in Zukunft gezielt und effizient Klimaanpassungen zu planen und die positiven Effekte der grünen Inseln auf das gesamte Stadtgebiet auszuweiten.
