Die VR Bank Rhein-Neckar hat einen Business Club für Frauen gegründet. Das Ziel: inspirieren, motivieren und starke Vorbilder bieten.
Von Stefanie Ball
Frauen in Führungspositionen – das fordern Politik, Gesellschaft, Frauen und Männer gleichermaßen. Auch die Unternehmen selbst wollen die Frauen in ihren Unternehmen fördern. In Zeiten des Fachkräftemangels ist eine hohe Erwerbstätigkeit von Frauen eine wichtige Ressource, zugleich dient Diversität in Teams der Effektivität und Kreativität. Allein, die Umsetzung in die Praxis ist nicht so einfach.
Das stellt auch die VR Bank Rhein-Neckar seit Jahren fest. „Wir haben verschiedene Anstrengungen unternommen, etwa beim Recruiting, dennoch ist das Verhältnis speziell auf der Führungsebene nicht ausgewogen“, erklärt Claudia Striebinger, Bereichsleiterin Personal. Nun hat die Bank einen neuen Anlauf unternommen und einen Business Club für Frauen gegründet. Die Idee: Frauen im Unternehmen mehr Sichtbarkeit zu verleihen und Vielfalt zu fördern.
Wie sich in Befragungen der Mitarbeitenden herausgestellt habe, fehle es häufig an Vorbildern, die zeigen: Es geht. Rund 20 Frauen aus unterschiedlichen Bereichen und Leitungsfunktionen sind nun Mitglied im Club, sie treffen sich alle zwei Monate, tauschen sich aus und richten auch Veranstaltungen für die gesamte Belegschaft aus. „Sich kennen zu lernen, miteinander ins Gespräch zu kommen, ist häufig das Wichtigste“, so Striebinger. Der Business Club oder vielmehr die Frauen des Clubs sollen zeigen: Wir sind alle Frauen, aber wir sind auch ganz unterschiedlich, und wir haben uns getraut, Führungsverantwortung zu übernehmen.
Die Führungsfrage hängt jedoch nicht nur an internen Faktoren, wie Striebinger sagt. Es gebe auch externe Einflüsse, wie etwa die Verfügbarkeit von Betreuungsplätzen. „Da schließt dann plötzlich wegen Krankheit oder Personalmangels tageweise die Kindertagesstätte, oder es gibt erst gar nicht genug Plätze für alle Kinder.“ Auch die Rollenverteilung, die die Care-Arbeit in der Regel den Frauen überlässt, für kranke Kinder, pflegebedürftige Angehörige zu sorgen, trägt nach den Erfahrungen der Personalexpertin dazu bei, dass sich Frauen häufig nicht zutrauten, den nächsten Karriereschritt zu gehen.
Ein Ziel sieht Striebinger mit dem Business Club immerhin schon erreicht: „Es wird über das Thema geredet.“ Im nächsten Schritt, so wünscht sie sich, und eigentlich ist sie da auch zuversichtlich, dass sich mehr Frauen auf Leitungsposten im Haus bewerben.
Info
Laut dem Statistischen Bundesamt lag der Anteil von Frauen in Führungspositionen in Deutschland im Jahr 2024 bei 29,1 Prozent – damit war knapp jede dritte Führungskraft weiblich. Allerdings gibt es große Unterschiede, je nach Branche und Größe des Unternehmens: Im Gesundheitswesen liegt der Frauenanteil in Führungspositionen bei 39,5 Prozent, im Baugewerbe nur bei zehn Prozent. Kleine Betriebe mit bis zu zehn Beschäftigten beschäftigen mehr Frauen (29,4 Prozent) als Großunternehmen mit über 10.000 Beschäftigten (17,2 Prozent).</div/>
