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Die richtigen Auszubildenden zu finden und für das Unternehmen zu begeistern – das ist oft nicht einfach. Verschiedene Ansätze versprechen hier einen Erfolg.
Von Ulla Cramer
Diringer & Scheidel: Projekt „Ausbildungspatenschaften“ geht in die dritte Runde
Schon seit vielen Jahren sind Diringer & Scheidel (D&S) und die in unmittelbarer Nähe im Stadtteil Mannheim-Neckarau gelegene Wilhelm-Wundt-Realschule (WWRS) durch eine Bildungspartnerschaft verbunden. Zahlreiche Eltern oder Großeltern der Schülerinnen und Schüler arbeiten bei dem Unternehmen, die Verbundenheit ist groß. So mangelte es nicht an Interesse an einem neuen Projekt, das D&S und die WWRS, die sowohl einen Realschulabschluss als auch einen Hauptschulabschluss anbietet, im Sommer 2023 auf den Weg brachten: eine Ausbildungspatenschaft, in deren Rahmen Azubis von D&S Jugendlichen aus zwei achten Klassen der Hauptschule und zwei neunten Klassen der Realschule die beruflichen Perspektiven im Unternehmen näherbringen.
Es ging los mit einer Bustour, bei der D&S den Schülern seine Ausbildungsberufe im Baubereich, der Hotellerie und in der Pflege vorstellte. Mit dabei mehr als 20 Jungen und Mädchen, die sich für eine Teilnahme an dem Projekt „Ausbildungspatenschaft“ beworben hatten. „Dass sich so viele junge Leute für dieses Angebot gemeldet haben, hat uns natürlich sehr gefreut“, so Georg Bechtold, Gesamtpersonalleiter der D&S Unternehmensgruppe. „Und selbstverständlich haben wir allen zugesagt.“ Nach der Teilnahme an dem Schulpraktikum vom 5. bis zum 9. Februar 2024 konnten die Schülerinnen und Schüler der Wilhelm-Wundt-Realschule mit ihren jungen Paten jeweils an drei Tagen den Arbeitsplatz ihres Wunschberufes genau unter die Lupe nehmen. Auch bei mehreren Weiterbildungsterminen zu den Themen „Erstellen von Bewerbungsunterlagen“, „Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche“ und „Einblicke in den Berufsschulunterricht“ waren sie dabei, ebenso wie an einem Eignungstest mit individueller Auswertung. 23 Schüler erhielten am 17. September 2024 bei einer feierlichen Übergabe die Teilnehmerzertifikate.
Die ersten Bewerbungen ließen dann nicht lange auf sich warten. „Wir fanden es ganz prima, dass die Resonanz so gut war und die ersten Auszubildenden im September 2025 ihre Ausbildung bei uns gestartet haben “, berichtet Bechtold. „Denn natürlich ist es unser Ziel, auch auf diesem Weg die dringend benötigten Fachkräfte für unser Unternehmen zu gewinnen. Und Bewerber aus der Wilhelm-Wundt-Realschule, die an unserem gemeinsamen Projekt teilgenommen haben, müssen dann auch kein großes Verfahren mehr durchlaufen, da wir sie bereits kennen und einen guten Eindruck gewonnen haben.“
Bildungspartnerschaften zwischen Schulen und Unternehmen
Mit der „Vereinbarung zum Ausbau von Bildungspartnerschaften zwischen Schulen und Unternehmen in Baden-Württemberg“, die am 4. November 2008 unterzeichnet wurde, setzen sich Landesregierung, Kammern und Wirtschaftsverbände das Ziel, Schulkooperationen mit Unternehmen zu initiieren und auszubauen. „Seitdem haben wir rund 470 solcher Partnerschaften auf den Weg gebracht“, berichtet Iris Wolf, die bei der IHK Rhein-Neckar diesen Bereich betreut. Es wurden feste Ansprechpartner auf beiden Seiten für das Thema gewonnen und die Berufsorientierung in den Curricula der Schulen etabliert. Wie das Thema umgesetzt wird, ist den Partnern überlassen. Besuche in den Unternehmen sind dabei ebenso ein zentrales Thema wie die Vermittlung von Praktika.

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„Bildungspartnerschaften“.
Neben zwei Auszubildenden, die über die Ausbildungspatenschaften gewonnen wurden, konnte D&S 2025 sogar noch vier weitere Schülerinnen und Schüler von der WWRS für eine berufliche Karriere mit einer Ausbildung bei D&S begeistern, die nicht an dem Programm teilgenommen hatten. „Auch über unser Projekt hinaus hat die Ausbildungspatenschaft dafür gesorgt, dass die Jugendlichen von der Wilhelm-Wundt-Realschule auf uns aufmerksam geworden sind“, weiß Sven Gleißner, D&S-Ausbildungsleiter gewerbliche Berufe. „Die Zusammenarbeit mit der Schule, den beteiligten Lehrern und den Berufsberatern ist wirklich hervorragend und bringt für alle Seiten nur Vorteile. Das ist eine absolute Erfolgsgeschichte, weshalb wir das Projekt auf jeden Fall fortsetzen werden.“
Die zweite Runde des Projekts wurde im September 2025 beendet. Runde Nummer drei ist bereits gestartet. Insgesamt bildet D&S über 320 junge Leute in 29 Berufen im technischen und kaufmännischen Bereich aus.

Neben der Nachhaltigkeit im Geschäftsbetrieb, in der Kapitalanlage und in der Versicherungstechnik kommt es auch auf das Handeln jedes Einzelnen an.
Michael Meiers, für Nachhaltigkeit zuständiges Vorstandsmitglied der SV SparkassenVersicherung
Foto: SV
SV SparkassenVersicherung: Wenn Azubis Wildbienen-Hotels bauen
Es ist ein ungewohntes Bild, das sich dem Betrachter in einem Besprechungsraum im Gebäude der SV SparkassenVersicherung (SV) im Mannheimer Glückstein-Quartier bietet: Mit Begeisterung testen junge Azubis des Unternehmens ihr handwerkliches Talent, hämmern und schrauben mit großem Eifer und noch größerem Erfolg. Obwohl es noch nicht einmal eine Vorlage gibt, entstehen in nur rund 15 Minuten zwei ansehnliche Wildbienen-Hotels. Hannah Ueltzhöfer ist stolz, dass ihre Gruppe – wenn auch nur um einige Minuten – die Nase vorn hatte. „Es hat richtig Spaß gemacht, in einem Team zusammenzuarbeiten und das mit einem so tollen Ergebnis.“ Zwei weitere Gruppen kümmern sich derweil um Konzepte für eine potenzielle Vermarktung der Wildbienen-Hotels und entwickeln kreative Ideen. „Ich könnte mir beispielsweise vorstellen, diese im Rahmen einer Internet-Auktion für einen guten Zweck zu versteigern und als Mehrwert ein Treffen mit einem Vorstand der SV oder einem spannenden Influencer anzubieten“, so Azubi Emilio Hallak.
Das Bauen der „Wildbienen-Hotels“ ist Höhepunkt und Abschluss des „Nachhaltigkeitstags“ der Auszubildenden der SV am Standort Mannheim im Mai 2025. „Bei diesem Treffen wird unser Nachwuchs darüber informiert, wie die SV das Thema umsetzt und in welchen Bereichen es eine Rolle spielt“, so Christine Auer, Ausbildungsleiterin in Mannheim. „Es geht uns jedoch auch darum, Anregungen von den jungen Leuten zu erhalten. Unsere Azubis bringen häufig neue Ideen und Ansätze mit.“ Und so sammelt die muntere Runde durchaus interessante Vorschläge. Themen wie hybride Fahrzeuge und Solarpanels für die Generaldirektionen, die Begrünung der Fassaden und der Ausbau der E-Bike-Ladestationen sind nur einige der Punkte, die auf der Liste von Auer für die nächsten Besprechungen mit dem Management landen.

„Die SV hat Nachhaltigkeit als strategisches Ziel verankert. Wir nutzen schon seit Jahren Ökostrom und verwenden Umweltpapier“, zählt sie einige Maßnahmen zur Erreichung des 1,5-Grad-Ziels auf. „Von zentraler Bedeutung ist das Thema auch bei unseren Kapitalanlagen. Als Mitglied der Net-Zero Asset Owner Alliance haben wir uns verpflichtet, bis zum Jahr 2050 die CO₂-Emissionen des gesamten Anlageportfolios auf Netto-Null zu reduzieren.“ Die Ausbildungsspezialistin, die in Mannheim 45 Azubis betreut, sieht die Treffen, zu denen sie ihre Schützlinge zusammenbringt, dabei nicht nur unter dem inhaltlichen Aspekt. „Dies ist eine wichtige Teambildungmaßnahme und fördert den Austausch zwischen unseren Azubis. Das Netzwerken unter den jungen Leuten ist ein maßgeblicher Aspekt dieser Events.“
Luschka + Wagenmann: Ausbildung in Teilzeit
Eine Ausbildung in Vollzeit – dies war für Andreea Matache, Mutter eines Sohnes, der noch in die Grundschule geht, allein aus zeitlichen Gründen nicht zu stemmen. Umso glücklicher war sie, als sie bei dem Mannheimer Baustoffhändler Luschka + Wagenmann die Chance für eine Ausbildung in Teilzeit erhielt – zur Kauffrau für Groß- und Außenhandelsmanagement. Sie startete am 1. September 2023 mit einer 5-Tage-Woche und einer täglichen Arbeitszeit von 6,5 Stunden, die sie später etwas aufstocken konnte. Und: Schnell entwickelte sie sich zu einem geschätzten Mitglied der Belegschaft, wie Geschäftsführer Felix Ziegler berichtet. „Andreea ist eine gestandene Frau, die im Leben steht, als Mutter gut organisiert ist und Verantwortung übernehmen kann“, so der Firmenchef. „Sie ist interessiert und engagiert. Unpünktlichkeit oder Unzuverlässigkeit, wie wir es bei manch anderem unserer Azubis erlebt haben, ist bei ihr einfach kein Thema.“
Vermittelt wurde Andreea Matache vom Verein Förderband e. V. Mannheim, einer Einrichtung der Jugendbildungshilfe im Bund der Deutschen Katholischen Jugend. Dort engagiert sich Sandra Müller-Reinke für das Thema „Ausbildung in Teilzeit“ und bereitet Frauen zwischen 18 und 50 Jahren in einem neunmonatigen Kurs auf das Berufsleben vor. Der Europäische Sozialfonds, das Jobcenter und die Stadt Mannheim fördern diese Maßnahme.
Berufsorientierung, die Vorbereitung von Vorstellungsgesprächen, ein Computerkurs, ein Praktikum, aber vor allem die Entwicklung eines Selbstwertgefühls sind Teil des Kurses. Und: Die Teilzeitausbildung ist für die Projektleiterin ein Herzensanliegen. Auch nach dem Abschluss der Kurse setzt sie sich für ihre Schützlinge ein und wirbt für dieses Projekt. Bei der Suche nach passenden Betrieben helfen ihr auch die Erfahrungen, die sie mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern während des Kurses macht. Das bestätigt Felix Ziegler: „Sandra Müller-Reinke trifft für uns bereits eine Vorauswahl – das ist für uns unbezahlbar. Gerade deshalb ist es besonders schade, dass dieses Programm so wenig bekannt ist.“
Auch Tobias Nath, IHK-Bereichsleiter für die Kaufmännische Berufsausbildung, arbeitet mit Müller-Reinke eng zusammen und berät beispielsweise, wenn es um die Gestaltung der Ausbildungsverträge geht. Ein Thema, das regelmäßig geklärt werden muss, ist beispielsweise, ob und in welcher Form die Ausbildungszeit bei einer Teilzeitausbildung aufgestockt wird. Eine solche Verlängerung sei jedoch nicht unbedingt attraktiv für jemanden, der in der Regel schon drei bis vier Jahre älter ist als der klassische Auszubildende. „Doch aufgrund des Alters oder der schulischen oder akademischen Vorbildung kann man Ausbildungsverträge generell verkürzen“, so Nath. Für Andreea Matache wurde bei Luschka + Wagenmann trotz der Teilzeitausbildung eine Verkürzung der Ausbildungszeit von 3 auf 2,5 Jahre vereinbart.
2005 ins Leben gerufen, wurde mit der Novelle von 2020 des Berufsbildungsgesetzes die Möglichkeit der Teilzeitausbildung noch erweitert. Die Voraussetzung eines „berechtigten Interesses“ für eine Teilzeitausbildung wie Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen ist seitdem entfallen. Grundsätzlich steht diese Form der Ausbildung nun allen Interessierten in allen dualen Ausbildungsberufen offen. Und kann so beispielsweise auch für einen jungen Profifußballer eine Option sein – als alternativer Plan, wenn es mit einer sportlichen Karriere nicht so läuft wie ursprünglich vorgesehen.

Foto: Luschka + Wagenmann
