Arbeitsplätze verändern sich

Wendepunkt Corona

Die Corona-Pandemie ist eine große Krise mit riesigen Herausforderungen für die ganze Welt. Doch sie ist auch eine Chance – vor allem für den digitalen Wandel.

VON ULLA CRAMER

Nun steht das Thema Digitalisierung nicht erst seit Corona auf der Tagesordnung. Uns allen war seit langem klar, wie wichtig die digitale Transformation in allen Bereichen unseres Lebens ist. Trotzdem war der Fortschritt in diesem Bereich vor allem eins – träge. Die Pandemie wirkt vor diesem Hintergrund wie ein Katalysator. Innerhalb weniger Wochen wurde erreicht, was viele Jahre lang kaum vorstellbar war.
Für das Homeoffice war die Corona-Krise der Durchbruch. Vor Ausbruch der Pandemie war die Arbeit von zuhause aus nur in jeder vierten Firma ein Thema. Nun gibt es in fast 50 Prozent der Unternehmen Heimarbeitsplätze, so eine Studie des Mannheimer ZEW – Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung. Oder anders gesagt: Während im Jahr 2018 nur knapp zwölf Prozent der Beschäftigten in Deutschland regelmäßig in den eigenen vier Wänden arbeiteten, waren es im April 2020 mehr als 35 Prozent. „Insbesondere in größeren Betrieben führt die Corona-Krise zu einer langfristigen Ausweitung der Homeoffice-Angebote“, so Dr. Daniel Erdsiek, Wissenschaftler im ZEW-Forschungsbereich Digitale Ökonomie. „Vor allem Unternehmen ab 100 Beschäftigten in der Informationswirtschaft und im verarbeitenden Gewerbe hat die aktuelle Situation gezeigt, dass mehr Tätigkeiten für das Homeoffice geeignet sind als bislang angenommen. Die Investitionen in neue Technologien, die etwa jedes dritte Unternehmen für die Einrichtung von Heimarbeitsplätzen aufbringen musste, werden sich demnach auch langfristig auszahlen.“
Und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben laut einer Studie der Krankenkasse DAK den Umstieg gut verkraftet. Die frühere Skepsis ging deutlich zurück. Auch wenn die Kolleginnen und Kollegen vermisst werden, die Vorteile überwiegen. Doch Corona ist nicht nur Treiber bei der Digitalisierung der Arbeitswelt. Wenn Anlagen in Zeiten von Corona nicht mehr von externen Technikern betreten werden dürfen, dann hilft eine digitale Fernwartung. Wenn Kundenbesuche nicht mehr möglich sind, dann sind virtuelle Ansprechpartner eine Alternative. Bei limitierten Trainingsplätzen im Fitness-Studio kommt der Coach über eine App ins Wohnzimmer. Virtuelle Roadshows ersetzen globale Meetings und der stationäre Einzelhandel entdeckt den E-Commerce.
Doch auch im direkten Kampf gegen die Pandemie engagiert sich die Mannheimer Wirtschaft. Roche punktet unter anderem mit seinem neuen Schnelltest. Firmen wie Caterpillar oder Kyocera Fineceramics Solutions sind Zulieferer für wichtige medizinische Geräte und OPASCA schützt mit einem neu entwickelten System Patienten und Personal im Klinikalltag vor Ansteckung mit dem Coronavirus.