Wichtigster Bürostandort Mannheims

Endspurt im Glückstein-Quartier

Das Glückstein- Quartier umfasst eine Fläche von 329.000 Quadratmetern. Von den 16 Baufeldern sind bereits 14 vergeben. Immer mehr Projekte gehen der Vollendung entgegen.
Es ist das ambitionierteste und bedeutendste Projekt der letzten Jahrzehnte in Mannheim: das Glückstein-Quartier. Nun geht das neue Quartier der Vollendung entgegen. Bis auf zwei Grundstücke sind alle Flächen vergeben.

VON ULLA CRAMER

Im September 2020 war es soweit: Das Wohnund Bürogebäude der SV SparkassenVersicherung (SV ) im GlücksteinQuartier wurde von DIRINGER & SCHEIDEL offiziell übergeben, die Logos im Oktober 2020 am Gebäude angebracht. 75 Prozent der Büroflächen in einer Größenordnung von 16.800 Quadratmetern nutzen die SV sowie ihre IT-Tochter, die SV Informatik, selbst. Die restlichen Büros sowie 77 Wohnungen sind größtenteils vermietet. Im Februar 2021 sollen die rund 560 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vom heutigen Standort in der Gottlieb-Daimler-Straße in ihr neues Domizil umziehen.
Im Glückstein-Quartier schafft die SV moderne Arbeitsplätze nach dem „Business Club“Prinzip. Die technische Ausstattung ermöglicht den Beschäftigten, überall im Gebäude mobil zu arbeiten. Je nach Aufgabe und persönlichen Vorlieben können sie aus verschiedenen angebotenen Arbeitsplatztypen die Option auswählen, die zu ihren aktuell anstehenden Aufgabenstellungen am besten passt.
Neben der Nachhaltigkeit ihrer Arbeitswelt legt die SV großen Wert auf eine hohe bauliche Qualität des Gebäudes. Die kompakte Bauweise, eine kontrollierte Wärmerückgewinnung und eine Deckenkühlung der Büroflächen sichern einen hohen energetischen Standard. Auch die Fassade gewährleistet einen guten Wärmeschutz, und durch die Wahl der Materialien entstehen nur sehr geringe Instandhaltungsund Reinigungskosten.
„Wir schaffen moderne Arbeitsplätze und attraktiven Wohnraum in einem Quartier, das zu den besten Adressen Mannheims gehören wird“, so Roland Oppermann, Finanzvorstand der SV.
Nach Baufeld 4 ist auch Baufeld 14 am Ziel angelangt: Im Projekt „No. 1 Mannheim“ der Consus Real Estate AG sind die ersten Mieter eingezogen. Auf rund 5.000 Quadratmetern der Gewerbeimmobilie haben die rund 400 Mitarbeitenden von EY, einer der vier umsatzstärksten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften der Welt, eine neue Heimat gefunden. „In dem neuen Gebäude legen wir unsere beiden bisherigen Mannheimer Standorte zusammen. Dort finden unsere Mitarbeiter moderne Arbeitsbedingungen und profitieren von den kurzen Wegen und der zentralen Lage. Wir sind in den vergangenen Jahren stetig und kräftig gewachsen und im Glückstein-Quartier flexibel aufgestellt für eine weitere Expansion“, begründet Helge-Thomas Grathwol, Partner bei EY und Leiter der Niederlassung Mannheim, diese Entscheidung.

Das Glückstein-Quartier ist für den Wirtschaftsstandort Mannheim mit Abstand der wichtigste Bürostandort und punktet vor allem durch die Nähe zum ICE-Bahnhof.
Dr. Wolfgang Miodek, stellvertretender Leiter der Mannheimer Wirtschaftsförderung

3.000 Quadratmeter Bürofläche hat Paul Valentine, E-Commerce-Modehändler für Uhren, Schmuck, Sonnenbrillen und Taschen, gemietet und nun sein Headquarter für die aktuell rund 50 Beschäftigten und seine beiden Label „Paul Valentine“ und „Faye“ von Ludwigshafen nach Mannheim verlegt. „Wir sind sehr froh, nach intensiver Planung unsere über Mannheim und Ludwigshafen verteilten vier Standorte im ‚No. 1 Mannheim‘ zusammenzubringen. Für unsere Firmenkultur, aber auch für unsere Attraktivität als Arbeitgeber ist der strategisch perfekt gelegene Standort im Glückstein-Quartier ideal“, sagt Co-Founder Paul Franzreb. Und auch Jörg Kesting, Geschäftsführer der Consus Development und verantwortlich für den Bereich Projektentwicklung bei der Consus Real Estate AG, ist zufrieden. „Die nun erfolgte Übergabe von rund 16.600 Quadratmetern Mietfläche ist ein weiterer Beleg dafür, dass wir auch in schwierigen Zeiten in der Lage sind, gesetzte Ziele umzusetzen.“ Die Gewerbeimmobilie mit sechs Sockelgeschossen und einer Höhe von 23 Metern sowie einem 15geschossigen Hochhaus verfügt über eine Gesamtmietfläche von rund 19.000 Quadratmetern. Ankermieter ist neben EY ein „4 Sterne Holiday Inn“-Hotel mit 150 Zimmern – verteilt auf 6.200 Quadratmetern. Dieses wird bis Ende des Jahres 2020 seine Tore öffnen.
Bis Dezember 2020 soll auch das neue Technische Rathaus auf Baufeld 5 von der GBG – Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft fertiggestellt werden. Das Gebäude wird Raum für 700 Arbeitsplätze bieten und ersetzt den bisherigen Standort im Büroturm des Collini-Center, das inzwischen an den Investor Deutsche Wohnwerte verkauft wurde (siehe Seite 54). Das neue Technische Rathaus wird nicht nur moderne Arbeitsbedingungen und Räume für einen fortschrittlichen Bürgerservice bieten, sondern auch einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Das Bauwerk wird nach KfW-Effizienzhaus-55Standard erstellt und spart damit im Vergleich zu einem nach EnEV geplanten Gebäude rund 157 Tonnen CO2 pro Jahr.
Seit November 2019 belebt die Gastronomie „Hans im Glück“ im ehemaligen Werkstattgebäude des denkmalgeschützten Lokschuppenensembles das Quartier. Gäste der Restaurantkette können vom neu eröffneten Biergarten aus die neue vitale Mitte des Quartiers bestehend aus Lokschuppen, Werkstattgebäude und Schienenfahrzeughalle genießen.

Die Gäste des Burger-Restaurants „Hans im Glück“ können den Blick auf das denkmalgeschützte Zentrum des Quartiers genießen.

Auf dem benachbarten Baufeld 3 sind die Rohbauarbeiten für den Büround Wohnkomplex LIV schon weit fortgeschritten. Die sechsgeschossige Büroimmobilie mit rund 8.700 Quadratmetern Mietfläche soll Ende 2021 bezugsfertig sein. Das Erdgeschoss mit 1.400 Quadratmetern wird ein Schulungszentrum der Deutschen Bahn beherbergen, ins fünfte Obergeschoss wird ein internationaler Konzern einziehen, so Alexander Langendörfer, Geschäftsführer der DIRINGER & SCHEIDEL Wohnund Gewerbebau. Zu dem Projektensemble gehört auch ein Wohngebäude mit 62 Eigentumswohnungen und einer Gesamtwohnfläche von rund 5.000 Quadratmetern, von denen 97 Prozent bereits an Eigennutzer und Kapitalanleger veräußert wurden. Im Erdgeschoss wird ein Health Food-Store von dean & david seine Pforten öffnen. Die Mannheimer Projektentwickler haben das Bürohaus von LIV im Juli 2020 an die Sparkassen-Tochter Deka Immobilien verkauft – haben jedoch im Glückstein-Quartier noch ein weiteres Eisen im Feuer. Aktuell hebt DIRINGER & SCHEIDEL auf dem Baufeld 1 die Baugrube für die Büroimmobilie LOKSITE aus, deren Fertigstellung für das zweite und dritte Quartal 2023 geplant ist. Mit über 24.000 Quadratmetern vermietbarer Fläche, von denen bereits 55 Prozent vergeben sind, entsteht hier das größte Büroensemble im Glückstein-Quartier.

Die Mannheimer Parkhausbetriebe werden das Zugangsgebäude zum Südeingang des Hauptbahnhofs betreiben.

Gute Nachrichten für Familien: Im Laufe des Jahres 2021 erfolgt auf dem Grundstück der ehemaligen Hauptfeuerwache direkt am Lindenhofplatz der erste Spatenstich für bis zu 100
Kitaplätze in zwei Krippen und drei Kindergartengruppen. Die Stadt fördert die von der Familienheim Rhein-Neckar gebaute Einrichtung, die hier auch ihre neue Verwaltung sowie einen Wohnkomplex plant, mit einem Zuschuss.
Schon im Mai 2020 wurde mit den Bauarbeiten für den neuen Lindenhofplatz als repräsentatives Stadtteil-Entrée zwischen VictoriaTurm und dem Gebäude „No. 1 Mannheim“ begonnen. Am Übergang zwischen Lindenhofplatz und Unterführung zum Hauptbahnhof Mannheim, an der Schnittstelle zur Südtangente, wird ein Zugangsgebäude mit Fahrradparkhaus entstehen. Dieses soll zum einen eine ansprechende Zugangssituation zum Hauptbahnhof schaffen, zum anderen den Mobilitätswandel unterstützen und dafür sorgen, dass die zahlreichen Fahrräder an dieser Stelle sicher und geordnet abgestellt werden können. Darüber hinaus wird das Gebäude auch eine Lärmschutzfunktion für den Lindenhofplatz erfüllen.

Ich sehe den Ankauf unseres Büroneubaus LIV durch die Deka als Wertschätzung der Metropolregion Rhein-Neckar und insbesondere des Standorts Mannheim.
Alexander Langendörfer, Geschäftsführer DIRINGER & SCHEIDEL Wohn- und Gewerbebau

Das Fahrradparkhaus mit 600 Stellplätzen ist im oberen Teil des Gebäudes vorgesehen, im ebenerdigen Teil ist Platz für ein Bistro, und im Untergeschoss – mit der Anbindung an die Unterführung zu den Gleisen und zum Bahnhofsgebäude – sind zwei kleinere Gewerbeeinheiten geplant. Barrierefrei erschlossen wird das Ensemble durch zwei Aufzugssowie eine Treppenund eine Rampenanlage.
Das gemeinsame Projekt der Mannheimer Parkhausbetriebe GmbH (MPB) und der Stadt Mannheim ist mit rund sechs Millionen Euro Investitionskosten veranschlagt, wovon rund 700.000 Euro öffentlich gefördert werden sollen. „Der Baubeginn ist für Ende 2020 vorgesehen, und nach der Fertigstellung, die für Anfang 2022 geplant ist, wird die MPB den Betrieb und die Instandhaltung des Gebäudes übernehmen“, so Dr. Karl-Ludwig Ballreich, MPB-Geschäftsführer.

Auch Dr. Karl- Ludwig Ballreich, Geschäftsführer der Mannheimer Parkhausbetriebe, engagiert sich mit seinem Unternehmen im Glückstein-Quartier.

Seit Inbetriebnahme der Buslinie 65 im November 2019 ist das Glückstein-Quartier auch für ÖPNV-Nutzer gut zu erreichen. Die neue Linie fährt im 20-Minuten-Takt ab Haltestelle Popakademie über Schloss und Glücksteinallee bis zur Hochschule-West. Voraussichtlich im Jahr 2026 wird dann die neue Stadtbahnlinie (siehe auch S. 48) direkt durch die Glücksteinallee fahren und die Verkehrsinfrastruktur weiter optimieren.
„Von den insgesamt 16 Baufeldern sind nun 14 vermarktet“, so Dr. Wolfgang Miodek, stellvertretender Leiter der Mannheimer Wirtschaftsförderung, der dieses Projekt bei der Stadt verantwortet.
„Die Baufelder 2 und 13 haben wir bewusst nach hinten gestellt, um Platz zu haben für die schwierige Baustellenlogistik. Wir sind auch froh, dass sich die Freizeitmöglichkeiten in diesem Quartier zunehmend entwickeln. Der erweiterte Glücksteinpark wird bereits sehr gut angenommen und mit dem Lindenhofplatz entsteht ein schöner Zugang für diesen neuen Stadtteil.“
Die Wirtschaftsförderung hat gemeinsam mit den Investoren dieses Gelände sehr erfolgreich unter anderem auf den Immobilienmessen Expo Real in München und der MIPIM in Cannes vermarktet. Neben dem Einzug von Unternehmen aus der Region, die die Nähe des Hauptbahnhofs schon immer nutzen wollten, haben sich dort auch zahlreiche Mannheimer Firmen niedergelassen, die für ihre Expansion neue Räumlichkeiten gesucht haben. „Mannheimer Unternehmen auf Wachstumskurs mit passenden Flächen und Immobilien zu unterstützen, ist eine wichtige Aufgabe der Wirtschaftsförderung“, betont Miodek. „Und wir freuen uns, dass das Glückstein-Quartier hier zahlreiche Optionen bietet.“

Unterstützung in der Vorgründungsphase

Wenn man das MAFINEX-Technologiezentrum im Mannheimer Stadtteil Lindenhof näher betrachtet, fällt es auf: Das fehlt doch etwas! Und in der Tat: Bei einem der drei Bauteile vermisst man die charakteristische Spitze. „Diese fiel beim zweiten Bauabschnitt von 2013 bis 2015 quasi unter den Tisch, weil die angrenzende Straße noch nicht fertiggestellt war“, erinnern sich Stefan Grether und Jürgen Münch, die als Teamleiter Ansiedlungen und Gewerbeflächen bzw. Gründungen und Förderung bei der Mannheimer Wirtschaftsförderung den Bau der Existenzgründungszentren in Mannheim verantworten. Doch nun ist es endlich soweit: Bis Mitte 2021 wird der Gebäudeteil nachträglich ergänzt – mit fünf Vollgeschossen und einer Fläche von 1.850 Quadratmetern. Die Stadt Mannheim investiert 3,48 Millionen Euro. Aus einem Förderprogramm des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) fließt eine weitere Million Euro. „Diese Fördermittel waren für die Infrastruktur von Acceleration Centern ausgelobt – das hat für uns perfekt gepasst“, so die Bau-Experten der Wirtschaftsförderung.

Bis Mitte 2021 soll die „fehlende Spitze“ am MAFINEX-Technologiezentrum fertig sein und wird dann ein Acceleration Center beherbergen.

„Auf drei Etagen wird in den neuen Räumlichkeiten nun ein solches Center entstehen, das potenzielle junge Unternehmerinnen und Unternehmer in der Vorgründungsphase unterstützt“, beschreiben Grether und Münch den Ansatz für die Nutzung des neuen Gebäudeteils. Im zweiten und dritten Stock können in Zukunft Schulungen und Workshops angeboten werden. Im ersten Geschoss ist ein sogenanntes Makerspace geplant, eine offene Werkstatt, in der unter anderem Prototypen hergestellt werden können. Kooperationspartner ist beispielsweise Up2B, ein IT-Frühphasen-Accelerator-Programm von „Next Mannheim“, dem Technologiepark Heidelberg und der InnoWerft in Walldorf. „Die Teilnehmer an solchen Programmen sind dann natürlich auch potenzielle Mieter unseres MAFINEX-Technologiezentrums, das schon jetzt mit rund 60 Start-ups und rund 410 Arbeitsplätzen eines der größten Technologiezentren Deutschlands ist“, sehen sie perfekte Synergien zwischen Accelerator Center und dem etablierten Gründungszentrum. Im 5. Stock stehen weitere Büros zur Verfügung, während im Erdgeschoss der „neuen Spitze“ eine Business-Gastronomie für das kulinarische Wohl der Mieter sorgen wird.