Wirtschaft und Gesellschaft stärken | Resilienz ist das Gebot der Stunde

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf dem Weg zu mehr Resilienz und Nachhaltigkeit einzubinden – diese Strategie verfolgen zahlreiche Unternehmen wie auch Roche. FOTO: ROCHE
Die Vorbereitung auf Krisensituationen stand bei vielen Firmen bisher nicht oben auf der Agenda. Das ist nun anders geworden.

VON ULLA CRAMER

Wie haben sich Unternehmen während der COVID-19-Pandemie verhalten? Was haben sie dabei gelernt? Und wie bereiten sie sich mit den neuen Erkenntnissen auf Krisensituationen in der Zukunft vor? Dies sind einige der zentralen Fragen, die der Global Crisis Survey 2021 der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC untersuchte. „Bei unserem ersten Global Crisis Survey 2019 rechneten 95 Prozent der Befragten damit, dass innerhalb der nächsten zwei Jahre eine Krise bevorsteht. Eine globale Pandemie hatte jedoch niemand auf dem Radar. Das zeigt, wie wichtig es ist, sich systematisch auf unvorhersehbare Ereignisse vorzubereiten“, so Claudia Nestler, Leiterin Forensic Services, Krisenmanagement bei PwC Deutschland. Entsprechend war die Lage zu Beginn der COVID-19-Pandemie. Bei mehr als 30 Prozent der Befragten stand kein ausgewiesenes Kernteam für die Reaktion auf die Krise bereit. In Deutschland waren es sogar fast 50 Prozent. Und wenn es überhaupt Pläne gab, waren diese unzureichend und nicht auf die Situation anwendbar.

Inzwischen ist die Bedeutung von Resilienz in den Führungsetagen angekommen. Ein solides Fundament für den Umgang mit unvorhergesehenen Ereignissen kann den Unterschied ausmachen, ob eine Organisation gefährlich schwankt oder zielstrebig gedeiht – nicht nur in Krisenzeiten. Im Hinblick auf die Zukunft herrscht jedoch nun Optimismus: 75 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass sie Gelerntes aus dem Umgang mit der Pandemie künftig nutzen und die Resilienz ihrer Organisation stärken können. Deutsche Unternehmen sind mit 69 Prozent etwas verhaltener, bleiben aber auch positiv.

Resilienz ist das Gebot der Stunde. Es ist die Gratwanderung zwischen Erhalten und Erneuern, zwischen Kontinuität und dem Beschreiten neuer Wege. Es geht auf der einen Seite darum, in der Krise den Betrieb, die Belegschaft und die finanzielle Ausstattung abzusichern. Von ebenso großer Bedeutung ist es jedoch, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln und die Firma durch Innovationen in die Zukunft zu führen.

Um die vorhandenen Ressourcen für zukunftsfähiges Handeln zu stärken, steht ein Thema ganz oben auf der Tagesordnung: die Nachhaltigkeit. Die Vereinten Nationen haben die 17 wichtigsten Ressourcen identifiziert, auf die es vor diesem Hintergrund ankommt. Dazu zählen eine saubere Energieversorgung, verantwortungsbewusster Konsum, Gender-Gerechtigkeit und physisches, geistiges und soziales Wohlbefinden.

Die Mannheimer Unternehmen sind hier auf einem guten Weg. Sie denken inzwischen weit über den Tellerrand hinaus, entwickeln neue nachhaltige Produkte wie Südzucker, setzen auf erneuerbare Energien wie FUCHS PETROLUB, Daimler, Caterpillar oder MVV. Die Sparkasse Rhein Neckar Nord und die VR Bank Rhein-Neckar bringen nachhaltige Finanzierungskonzepte voran, Coca-Cola stellt seine Produktionsprozesse um, zahlreiche Firmen kümmern sich noch aktiver um ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Dadurch stärken sie nicht nur das eigene Unternehmen, sondern auch die wirtschaftliche Stabilität der gesamten Gesellschaft, denn nachhaltige Systeme zehren ihre Lebensgrundlage nicht auf, sondern ertüchtigen sie, damit sie auch in Zukunft Druck von außen aushalten.