Wirtschaftsprüfer

Ansprechpartner in der Krise

In Zeiten von Corona ist die Expertise von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften mit Blick auf das Krisenmanagement in Unternehmen besonders gefragt.
Mit großen Herausforderungen kämpft die Wirtschaft der Region angesichts der Corona-Pandemie. Wichtige Ansprechpartner sind vor diesem Hintergrund die erfahrenen Wirtschaftsprüfungsunternehmen.

Der ‚Work anywhere, together‘-Ansatz befasst sich mit dem gesamten Spektrum der Maßnahmen, die eine nachhaltige, dauerhafte und erfolgreiche virtuelle Arbeit ermöglichen.
Thomas Efkemann, Partner KPMG Mannheim

VON DR. GABRIELE KOCH-WEITHOFER UND ULLA CRAMER

KPMG: Von überall zusammenarbeiten

Mobiles und flexibles Arbeiten hat durch Corona einen kräftigen Schub erfahren. Homeoffice und virtuelle Teams wurden quasi über Nacht Normalität. Mit „Work anywhere, together“ beschreiben die Berater von KPMG die neue Arbeitswelt. Dahinter steckt weit mehr als ein Abeitszimmer zu Hause. „Es kann auch bedeuten, einen Mitarbeiter in Land A einzustellen, der von Land B aus arbeitet“, erklärt Thomas Efkemann, Partner bei KPMG in Mannheim. Dabei könne er sich an ganz verschiedenen Orten aufhalten, wie beispielsweise einem Café.
Viele konkrete Fragen sind für die Umsetzung zu klären, zum Beispiel: Welche Technologien und Systeme braucht ein Unternehmen dafür? Welche passen zur jeweiligen IT-Landschaft? Wie müssen interne Abläufe angepasst werden? Welche arbeitsrechtlichen Konsequenzen ergeben sich? Welche Compliance-Anforderungen bringt es mit sich, wenn Mitarbeiter aus einem Homeoffice im Ausland tätig werden?
Für das komplexe Thema hat KPMG deutschlandweit ein Team zusammengestellt. Darunter sind Spezialisten für Managementund IT-Beratung, Prozessoptimierung, Steuerberatung, Arbeitsrecht, Change Management, HR-Strategie und mehr. Allein am Standort Mannheim erarbeiten 50 Beschäftigte Lösungen für Mandanten aus der Region und darüber hinaus und unterstützen sie konkret bei der Implementierung.
KPMG erbringt Leistungen in den Geschäftsbereichen Audit (Prüfung von Konzernund Jahresabschlüssen), Tax (Steuerberatung), Consulting und Deal Advisory. In letzteren ist das Know-how zu betriebswirtschaftlichen, regulatorischen und transaktionsorientierten Themen gebündelt. Weltweit zählt das Firmennetzwerk rund 220.000 Mitarbeitende in ca. 150 Ländern. In Deutschland sind über 12.600 Spezialisten an 25 Standorten immer in der Nähe ihrer Mandanten.

FALK: Lieferketten im Blick

„Die Unterbrechung der Lieferketten in der Corona-Pandemie trifft verschiedene Unternehmen zum Teil erheblich“, berichtet Gerhard Meyer, Partner des Wirtschaftsprüfungsund Steuerberatungsunternehmens FALK. „Das Ziel vieler Unternehmen ist es deshalb, ihre Lieferantenbasis vor allem innerhalb Deutschlands und in anderen EULändern auszubauen und gegebenenfalls auch die eigene Fertigungstiefe zu erweitern, um unabhängiger von Krisen in anderen Regionen der Welt zu werden.“ Bei der Übernahme geeigneter Unternehmen steht FALK an der Seite seiner Kunden. „Wir prüfen die entsprechenden Firmen im Rahmen eines Due-Diligence-Prozesses unter anderem auf versteckte Risiken in finanzieller und steuerlicher Hinsicht. Außerdem analysiert unsere FALK IT Audit & Consulting GmbH die ITOrganisation des zu erwerbenden Unternehmens.“ Für die rechtliche Risikoinventur arbeitet FALK bei vielen Transaktionen mit der RITTERSHAUS Rechtsanwälte Partnerschaftsgesellschaft mbB, Mannheim, zusammen. „Erkenntnisse aus diesen ‚Röntgenaufnahmen‘ können bei den Kaufpreisverhandlungen in die Waagschale geworfen werden“, so Meyer.
„Wenn eine Insolvenz nicht mehr vermeidbar ist, helfen die Insolvenzund Sanierungsspezialisten unserer Tochtergesellschaft FALK Restructuring GmbH“, spricht Gerhard Müller, ebenfalls Partner bei Falk und Ansprechpartner am Standort in Mannheim, ein weiteres Thema an. „Durch ein gut vorbereitetes und geführtes Insolvenzverfahren kann eine Sanierung doch noch gelingen. In Einzelfällen unterstützen wir außerdem bei der Suche nach potenziellen Investoren.“ Hier ist FALK auch mit seinen China Desks am Stammsitz in Heidelberg, in Frankfurt und Shanghai gut aufgestellt. „Gerade in China ist unverändert das Interesse an Beteiligungen bei deutschen Unternehmen erkennbar“, wissen die beiden Wirtschaftsprüfer.
Als größte unabhängige mittelständische Beratungsgesellschaft in der Metropolregion Rhein-Neckar gehört FALK bundesweit zu den Top 20 der Branche. Die rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konnten im Geschäftsjahr 2019 einen Gesamtumsatz von ca. 41,5 Millionen Euro erzielen. Im Ranking der WirtschaftsWoche belegte FALK den 1. Platz als Bester MittelstandsDienstleister 2020 in der Branche Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung.
Eine ganz spezielle Expertise bietet FALK beim Thema Stiftungsberatung und Stiftungsmanagement. In der Veranstaltungsreihe „Stiftungsforum Metropolregion Rhein-Neckar“ werden Möglichkeiten für eine erfolgreiche Arbeit in diesem Bereich aufgezeigt.

PwC: Hilfe zur Selbsthilfe

Strategisches Krisenmanagement macht sich bezahlt, davon ist man bei PwC überzeugt. Gleich zu Beginn der Covid-19Pandemie stellten die Beratungsund Prüfungsexperten ihr Wissen für ihre Kunden in digitalen Formaten wie Webcasts und einem eigens aufgesetzten Covid-19-Content Hub zur Verfügung. Hier wurden bestimmte Services und Leistungen sechs krisenrelevanten Bausteinen (zum Beispiel zu „Liquidität, Finanzen und Steuern“) und innerhalb dieser Bausteine den typischen Phasen einer Krise zugeordnet: dem Mobilisieren, dem Stabilisieren und der strategischen Neuausrichtung. Zusätzlich konnten Unternehmen über einen Covid-19-Navigator ermitteln, wie gut ihr Unternehmen für den Krisenfall aufgestellt ist, wo Risiken lauern und Handlungsbedarf besteht, um schnell und zielgerichtet nachzubessern. „Bei PwC verfolgen wir, vor allem für mittelständisch geprägte Unternehmen, einen ganzheitlichen Ansatz. Das gilt auch während einer Krise. Neben den Akutmaßnahmen haben wir zeitgleich immer auch die langfristige Stabilität und Krisenprävention unserer Mandanten und Kunden im Blick“, so Stefan Ditsch, Leiter des Mannheimer PwC-Standortes.
Zu Beginn der Krise und weit ins Frühjahr 2020 hinein standen insbesondere Personalfragen und -Themen im Fokus der Profis: die Beantragung von Kurzarbeitergeld gehörte ebenso auf die Agenda wie Hilfestellung bei dem kurzfristig notwendig gewordenen virtuellen Arbeiten.
Am Standort Mannheim sind gut 120 PwC-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter für Unternehmen der Metropolregion im Einsatz, wobei der Schwerpunkt auf inhabergeführten mittelständischen Unternehmen liegt. Das Spektrum reicht von der Abschlussprüfung bis zur Internationalisierung, von der Steuerberatung bis zur digitalen Transformation.

Netzwerk hilft in der Pandemie

Es ist beeindruckend, wie schnell und zielgerichtet die Unternehmen in der Region mit dem harten Lockdown am Anfang der Corona-Pandemie umgegangen sind. Kritische Infrastrukturen konnten weiter betrieben werden, Produktionseinheiten auch mit ‚kleinerer Mannschaft‘ teilweise remote gefahren und viele tausende Beschäftigte erfolgreich ins Homeoffice gebracht werden“, so Christiane Ram, Leiterin der Mannheimer Wirtschaftsförderung und erste Vorsitzende des Netzwerks Smart Production, das 2016 von der Mannheimer Wirtschaftsförderung initiiert wurde. „Dass die rund 50 Partner unseres Netzwerks hier eine Schlüsselrolle einnehmen konnten, freut uns dabei besonders.“
Ein Beispiel war hier die Schweickert-Firmengruppe, die die Mitarbeitenden ihrer Kunden mit einem speziellen Service innerhalb von 24 Stunden sicher remotefähig machte. Auch der ITK-Service-Provider PFALZKOM reagierte auf die veränderten Anforderungen und erweiterte kurzfristig die Internet-Bandbreiten vieler Kunden, bei denen das Datenvolumen rapide gestiegen war. Das unabhängige ITund Engineering-Beratungsunternehmen SAMA PARTNERS aus Mannheim bot unter den Schlagworten „Effizienz und Sicherheit für das Homeoffice“ umfassende Unterstützung, um diese Arbeitsplätze nicht nur funktionsfähig, sondern auch sicher zu machen. Haben doch gerade in der aktuellen Situation Cyber-Kriminelle und Hacker oft freie Bahn. Mit rechtlichen Fragestellungen befasst sich die Kanzlei Weitnauer, die unter anderem über das Netzwerk Smart Production kostenlos eine Checkliste für die rechtliche Gestaltung eines Webshops zur Verfügung stellte – eine große Hilfe für all die, die spontan ihren Vertrieb umstellen mussten. Sind die Mitarbeiter erfolgreich ins Homeoffice übergesiedelt, hilft der Bau-, Immobilienund Projektspezialist Drees & Sommer beim temporären Shutdown der Gebäude. Diese sollen ja später sehr schnell und sicher wieder „hochgefahren“ werden.

Feiern die Inbetriebnahme des Smart Production Demonstrators im MAFINEX- Technologiezentrum: Wirtschaftsbürgermeister Michael Grötsch (r.) und Digi-Pate Stefan Bley

„Die Mehrheit der Unternehmen in der Region – ganz gleich, ob aus dem Dienstleistungssektor oder der Produktion – hat längst erste Schritte hin zum Unternehmen 4.0 gemacht, sodass man dem Lockdown Konzepte entgegenstellen konnte“, bringt es Georg Pins, Geschäftsführer des Netzwerks Smart Production auf den Punkt. Stefan Bley, als Digi-Pate verantwortlich für den digitalen Know-how-Transfer, ergänzt: „Unser Netzwerk bringt jetzt schon seit Jahren die Digitalisierung der Wirtschaft in der Region voran. Ein besonders erfolgreiches Projekt ist der Smart Production Demonstrator, der seit Anfang 2020 in Betrieb ist und Kompetenzen und Produkte der Partner „realistisch aufzeigt.“