Zahlreiche Ansiedlungen

Der Standort Friedrichsfeld ist ein Renner

Rund 25 Millionen Euro investierte Kyocera Fineceramics Europe in seine neuen Gebäude in Mannheim-Friedrichsfeld.
Foto: Kyocera

Ob Kyocera Fineceramics Europe, der Projektentwickler Aventos oder der koreanische Baumaschinenspezialist Develon – alle investieren am Standort Mannheim-Friedrichsfeld.
Von Ulla Cramer

Es ist eines der traditionsreichsten Industriegebiete Mannheims – das Steinzeug-Areal im Stadtteil Friedrichsfeld. Es war der Industrielle Julius Friedrich Espenschied, der hier 1873 begann, Tröge, Wannen und vor allem Tongutröhren herzustellen, und mit seinem Steinzeug die aufstrebende chemische Industrie wie die BASF und Höchst belieferte. Heute produzieren hier rund 500 Mitarbeitende von Aliaxis Deutschland Verbindungstechnik und Armaturen aus Kunststoff für die Gas- und Wasserversorgung. Aber auch andere ­Firmen haben sich hier angesiedelt.

Der traditionsreiche Keramikbereich war ursprünglich auch eine Geschäftssparte von Aliaxis Deutschland, die diese jedoch 2019 an den japanischen Konzern Kyocera abgab, der über eine am Standort Mannheim neu gegründete Tochtergesellschaft, die Kyocera Fineceramics Europe, mit seinen Produkten verstärkt den europäischen Markt erobern will. Rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wechselten von Aliaxis zu Kyocera­ ­Fineceramics Europe, darunter auch ­Armin Kayser, Executive Vice President des Unternehmens. „Seit dieser Entscheidung ist Kyocera mit seiner Keramiksparte in Europa auf Expansionskurs“, freut er sich. „Wir haben unseren Umsatz für Keramik-Komponenten von 50 Millionen auf 250 Millionen Euro steigern können.“ Neben dem Stammsitz Mannheim verfügt Kyocera Fineceramics Europe über Produktionsniederlassungen in Selb und Erfurt sowie über Vertriebsniederlassungen in Esslingen, Neuss, Frankreich und Großbritannien.
Vor diesem Hintergrund investierte Kyocera in Mannheim kräftig. Ein neues Verwaltungszentrum sowie eine Produktions- und Logistikhalle wurden im Juni 2025 bezogen. Die beiden Gebäude umfassen jeweils eine Fläche von 2.300 Quadratmetern und wurden in Massiv-Holzbauweise mit Holz aus dem süddeutschen Raum errichtet. „Büroräume für die Verwaltung gab es auf unserem Betriebsgelände nicht. Und so war es unabdingbar, ein neues Verwaltungsgebäude zu errichten“, so Kayser. „Während der Bauzeit haben wir für unsere Mitarbeiter externe Büros angemietet.“ Die neue Produktions- und Logistikhalle ergänzt die aktuellen Flächen für die Fertigung aus den 1970er-Jahren. In ihr sind die Endqualitätskontrolle, der Versandbereich sowie ein Hochregallager für Fertigprodukte, Betriebsstoffe und Verpackungsmittel untergebracht. Rund 25 Millionen Euro flossen in die neuen Gebäude, rund neun Millionen­ Euro in zwei neue Ofenanlagen in der Produktion, deren Abwärme in eine Technikzentrale eingespeist wird, um im Winter die neuen Bauten zu heizen und im Sommer zu kühlen.

Andreas M. Lohner, Geschäftsführer Deutschland und Vertriebsleiter DACH & Osteuropa bei Develon, präsentiert den 26-Tonnen-Raupenbagger DX260LC-9, der erstmalig auf der bauma 2025 vorgestellt wurde und vom Einsatz Künstlicher Intelligenz profitiert.
Foto: Jessica Cramer

Die in Mannheim gefertigten Hochleistungskeramikkomponenten, die mit hoher Härte, Verschleißfestigkeit, Temperatur- und Korrosionsbeständigkeit sowie einem hohen elektrischen Isoliervermögen punkten, werden an die chemische Industrie, die Raumfahrt sowie an Hersteller von Medizintechnik und Maschinen verkauft und beispielsweise in Brennstoffzellen, Computertomographen oder Hochdruckpumpen eingebaut.

Zur Finanzierung der Investitionen trug auch der Verkauf von rund 63.000 Quadratmetern des insgesamt 100.000 Quadratmeter großen von Kyocera erworbenen Geländes an den Berliner Projektmanager Aventos bei, der hier den Gewerbepark ­Vareal errichtet. Im August 2025 wurde der erste, 9.000 Quadratmeter große Hallenneubau an seinen Mieter, den Getränkehersteller Coca-Cola, übergeben. Vier weitere Hallen, so die Planung, sollen bis Mitte 2026 bezugsfertig sein. Als Mieter für eine Neubaufläche von rund 1.650 Quadratmetern wurde zudem die Cleancaro GmbH, ein Spezialist für Gebäudereinigung aus dem Rhein-Neckar-Kreis, gewonnen, die die Halle unter anderem als Lager, Abholmarkt und Reparaturwerkstatt für Reinigungsbedarf nutzen wird. Nach der Fertigstellung wird das Gelände über eine vermietbare Gewerbefläche von ca. 40.000 Quadratmetern verfügen. Dabei wird der historische Charakter des über 150 Jahre alten Geländes gewahrt. Bereits saniert sind zwei der insgesamt sechs Bestandsgebäude, die frühere Steinzeugmontage und die Modell-Werkstatt, die an das Sanitätshaus ­Carstens und an Aliaxis vermietet wurden. Die Aventos Group ist ein inhabergeführter Investmentmanager mit Sitz in Berlin und München. Das Unternehmen wurde 2019 gegründet und besteht derzeit aus einem 25-köpfigen Team.

Durch eine Mischung aus Erhalt, Revitalisierung und Neubau entsteht im Vareal ein Gewerbepark, der historische Substanz respektiert und moderne, nachhaltige Arbeitswelten schafft.

Karim Rochdi, Gründer & Managing Partner Aventos
Foto: Aventos

In unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Steinzeug-Areal, in der Lembacher Straße 30, weihte der südkoreanische Konzern HD Hyundai Infracore mit seiner Marke Develon (früher: Doosan Construction Equipment), einer der größten Baumaschinen-Hersteller der Welt, im April 2025 seine neue Deutschlandzentrale ein – verantwortlich für die Länder Deutschland, Österreich und die Schweiz. In weniger als einem Jahr Bauzeit war auf einem fast 11.000 Quadratmeter umfassenden Grundstück neben modernen Werkstätten und einem Bürogebäude auch ein modernes Kunden- und Trainingszentrum für die Aus- und Weiterbildung entstanden. Platz findet dort auch der Mietpark mit Baumaschinen der neuesten Generation. Damit übernimmt Develon, die ihre Baumaschinen bisher ausschließlich über ein exklusives und langjährig etabliertes Händlernetz in Deutschland verkauft hat, Vertrieb, Vermietung und Service in der Rhein-Neckar-Region eigenständig, um so noch näher an den Kunden zu sein. „Unser Standort in Mannheim ist eine Begegnungsstätte für unsere Kunden, Händler und unsere Ingenieure weit über die Region hinaus“, so Andreas M. Lohner, Geschäftsführer der deutschen Gesellschaft und Vertriebsleiter für die DACH-Region und Osteuropa. „Als Innovationstreiber der Branche und Vorreiter bei autonomen Baumaschinen und dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur deutlichen Verbesserung der Arbeitssicherheit, nutzen wir dieses große Areal auch, um zukünftig regelmäßig unsere Neuheiten vorzustellen.“ Insgesamt wird Develon in Mannheim-Friedrichsfeld bis zu 40 neue Arbeitsplätze schaffen. Das Grundstück wurde von der Mannheimer Wirtschaftsförderung vermittelt. Errichtet wurde das Gebäude von der Adler Immobilien Investment Gruppe aus Viernheim.