Zahlreiche Großprojekte entstehen

Das Gesicht der Stadt wandelt sich

Die Stadt Mannheim hat ihren Teil des Collini-Areals an den Projektentwickler Deutsche Wohnwerte aus Heidelberg verkauft. Das Unternehmen plant die Errichtung von vier Gebäuden.
Gleich mehrere neue Großbauprojekte werden in Mannheim derzeit mit Hochdruck vorangetrieben. Sie befinden sich in unterschiedlichen Entwicklungsphasen. Doch bereits jetzt steht fest, dass sie das Gesicht der Stadt nachhaltig verändern und prägen werden.

VON MARKUS WECKESSER

Es ist ein neuer Leuchtturm nicht nur für ABB Deutschland, sondern auch für die Stadt Mannheim: das neue Multifunktionsgebäude von ABB im Stadtteil Käfertal. Hier entsteht ein vorbildliches Smart Building, dessen Entwurf auf ATP architekten und ingenieure zurückgeht und in dem quasi das komplette Portfolio von ABB in diesem Bereich zum Einsatz kommt. Intelligente Produkte und Systeme des Unternehmens werden ebenso verbaut wie digitale Technologien zur Gebäudeautomation und zur Energieverteilung. Auch Lade-Infrastruktur für Elektrofahrzeuge ist vorgesehen.
In dem Neubau mit seiner elegant geschwungenen Fassade sollen auf fünf Stockwerken und 20.000 Quadratmetern neue Arbeitsplätze für 1.200 Beschäftigte, insbesondere der Geschäftsbereiche Industrieautomation und Antriebstechnik sowie der Dienstleistungsbereiche, eingerichtet werden. Des Weiteren wird hier auch das deutsche Forschungszentrum seinen Platz finden, das als Innovationszentrum für industrielle Digitalisierung und Künstliche Intelligenz geplant ist. Die Fertigstellung wird 2022 angestrebt. Der ABB-Standort in Ladenburg wird hingegen geschlossen.

Im Mannheimer Stadtteil Käfertal errichtet die deutsche ABB ein neues Gebäude.

Mit dem Collini-Areal hat der Investor Deutsche Wohnwerte einen weiteren prominenten Standort der Quadratestadt unter seine Fittiche genommen. Der Komplex wurde Anfang der 1970er-Jahre im Zuge der Bundesgartenschau errichtet. Für den Entwurf zeichnete damals der bekannte Mannheimer Architekt Karl Schmucker verantwortlich. Der markante hohe Wohnturm ist gut erhalten und bleibt bei dem Bauvorhaben außen vor. Das ehemalige Technische Rathaus ist jedoch baufällig, wird abgerissen und in den kommenden Jahren durch vier kleinere Türme zwischen fünf und 19 Etagen ersetzt. Geplant sind rund 230 Wohnungen, Büros, Ladengeschäfte und Gastronomie.
Als die Stadt das Gelände verkaufte, machte sie zur Bedingung, dass die Gestaltung Bezug zum Hochhaus nimmt und eine öffentliche Fußund Radwegeverbindung schafft, die eine bessere Anbindung an die Quadrate gewährleistet. Grundlage ist ein Verkehrskonzept, das gemeinsam von Politikern und Bürgern entwickelt wurde. Einen Weg zur gegenüberliegenden Neckarstadt bietet für Fußgänger schon jetzt der Collini-Steg. Die Deutsche Wohnwerte mit Sitz in Heidelberg beabsichtigt, 220 Millionen Euro in das Projekt zu investieren. Das Unternehmen hat bereits unter dem Projektnamen „Homerun“ Reihenund Mehrfamilienhäuser auf dem Turley-Gelände errichtet und ist auch auf dem Konversionsareal Franklin aktiv.

Das neue Gebäude wird ein Eingangstor für Mannheim sein.
Markus Ochsner, Finanzvorstand und Arbeitsdirektor ABB AG (ab 1.1.2021 Vorstandsvorsitzender ABB AG)

Der Standort der ehemaligen Zentrale von Bilfinger an der Augustaanlage ist derzeit ebenfalls im Wandel begriffen. Das Investitionsvolumen des Hamburger Projektentwicklers Alstria Office Reit AG liegt bei etwa 40,6 Millionen Euro. Das einst von den Architekten Wilhelm Schmucker (dem Vater von Karl Schmucker) und Josef Bischof errichtete Bürohochhaus wird vollständig entkernt und nach Entwürfen des Stuttgarter Architekturbüros Blocher & Partner mit einem neuen Entrée zum Vorplatz versehen. Mit einer komplett neuen Fassade und einem neuen Eingang wird das Büro-Haus 2 aufgewertet. Das dritte Haus des Ensembles wird abgerissen und durch ein neues Wohnund Geschäftshaus ersetzt, das mit großzügigen Loggien und Dachterrassen ausgestattet ist und einen Ausblick auf den benachbarten Park bietet. Eine Gaststätte mit Außenbewirtschaftung, die in den Planungen angedacht ist, wäre sicher eine städtebauliche Bereicherung des neu gestalteten Geländes.
Das Mannheimer Unternehmen ProConcept sorgte bislang vor allem durch Projekte in Ludwigshafen für Aufmerksamkeit. Sei es der neue Sitz der Technischen Werke Ludwigshafen, die Hauptverwaltung der Pfalzwerke oder der Umbau des Walzmühle-Einkaufscenters. Doch auch in Mannheim ist ProConcept aktiv. Im Rahmen seines aktuellen Projekts „Joy am Ufer“ errichtete der Immobilienentwickler 2019 im Stadtteil Luzenberg 89 Eigentumswohnungen direkt am Wasser, die zu einem großen Teil bereits bezogen und verkauft sind.
Da der Stadtteil bislang vor allem als Industriestandort galt, waren innovative Wohnprojekte hier bisher eher selten. Dabei ist die Anbindung hervorragend, und bis in die Innenstadt braucht man mit der Straßenbahn nur zehn Minuten. Nun haben zehn Stadtvillen im skandinavischen Stil dem Altrheinufer am Bonadieshafen ein völlig neues Gesicht gegeben. Die Wohnungen sind mit zwei bis vier Zimmern sowie mit umlaufenden Balkonen und Terrassen ausgestattet, sodass sich den Bewohnern ein unverstellter Blick aufs Wasser bietet. Quasi als i-Tüpfelchen ist noch ein Bootsanleger geplant.

Zu einem neuen Heimathafen für ihre Bewohner sollen die jetzt errichteten Wohnungen des Projekts „Joy am Ufer“ im Stadtteil Luzenberg am Altrhein werden.