Zahlreiche innovative Ansätze | Neue digitale Welten

Bereits zum zweiten Mal im Jahr 2021 präsentierte Pepperl+Fuchs seine Produkte auf einer eigenen digitalen Messe. FOTO: PEPPERL+FUCHS

Keine andere Technologie steht so sehr wie die Digitalisierung für die Zukunftsfähigkeit der deutschen Wirtschaft. Die Mannheimer Industrie präsentiert hier zahlreiche Innovationen.

VON DR. GABRIELE KOCH-WEITHOFER

PEPPERL+FUCHS: Einladung zur Digital-Expo
Unter dem Motto „Your Future Automation“ zeigte Sensorik- und Explosionsschutz-Spezialist Pepperl+Fuchs im April 2021 erstmals in einer Digital-Expo, was moderne Automation heute alles zu bieten hat. Im virtuellen Showroom erwarteten Besucher interaktive 3D-Exponate, dazu Videos, Experteninterviews und mehr. Interessierte hatten rund um die Uhr Zugang zu den Informationen, die ab 19. April 2021 in Deutsch und Englisch vierzehn Tage lang zur Verfügung standen. Auch einen Live-Chat mit Firmenexperten konnten sie nutzen.
Ein besonderes Augenmerk lag auf der von der Pepperl+Fuchs-Tochter VMT entwickelten „PXL+ Technologie“. Diese bringt beliebig viele Daten unterschiedlicher Sensoren in einem System zusammen. Vorhandene Pixel eines gescannten Objekts werden um Zusatzinformationen, den Pixel-Plus-Informationen wie Farbe, Oberflächenbeschaffenheit oder Temperatur, angereichert. Das Multisensorsystem ermöglicht völlig neue Anwendungen, etwa im Bereich Lagerlogistik und Robotik. So lassen sich beispielsweise Sortiervorgänge effizienter gestalten und unsortierte Objekte etwa nach Farbe, Kontur und Reflexion präzise dreidimensional erfassen, unterscheiden und kollisionsfrei entnehmen. Denn das System gleicht das Abbild mit eingelernten CAD-Daten ab und errechnet für den Robotergreifarm gleichzeitig den idealen Greifpunkt.
Schon davor hatten die Sandhofener ihre zahlreichen Hightech-Lösungen digital zur Hannover Messe präsentiert, darunter insbesondere auch das innovative Ultraschallsensor-System „USi-safety“ zur Absicherung von Gefahrenbereichen an mobilen Arbeitsmaschinen. Zahlreiche Teilnehmende hatten sich für die Online-Events, Videokonferenzen und Livestreams registriert. Beeindruckt zeigte sich auch Mannheims OB Dr. Peter Kurz. Nach einer Videokonferenz mit 3D-Präsentationen des Vorstandsvorsitzenden der Pepperl+Fuchs SE, Dr. Gunther Kegel, befand er: „Hier wird die Stärke und Innovationskraft der Mannheimer Wirtschaft deutlich.“ Im November 2021 verband das Unternehmen seinen Live-Auftritt auf der SPS IPC Drives in Nürnberg ebenfalls mit dem hypriden Angebot, eine digitale Messe zu besuchen.
Pepperl+Fuchs gibt es seit 1945. Seinerzeit gründeten Walter Pepperl und Ludwig Fuchs eine kleine Radiowerkstatt in Mannheim-Sandhofen. 1958 gelang mit dem ersten induktiven Näherungsschalter eine bahnbrechende Erfindung für die Automation. Heute gilt Pepperl+Fuchs als führend in Sachen elektrischer Explosionsschutz und Sensorik. Weltweit beschäftigt das Unternehmen rund 5.900 Mitarbeitende. 2020 erwirtschaftete es einen Umsatz von 650 Millionen Euro.

JOHN DEERE: Vom Landwirt zum Klimawirt
Die Landwirte stehen vor großen Herausforderungen. Noch nie wurde die Art und Weise, wie sie Lebensmittel produzieren, derart hinterfragt, wie es aktuell geschieht. Im Spannungsverhältnis zwischen Kundenansprüchen, Umweltverantwortung und Wirtschaftlichkeit wird die Landwirtschaft häufig als Problemverursacher dargestellt. Gleichzeitig müssen die Betriebe die wachsende Weltbevölkerung ernähren und die Folgen des Klimawandels bewältigen. Eine Lösung für diese Probleme sieht Markwart von Pentz, Präsident der Landmaschinen-Sparte von John Deere, vor allem in der Digitalisierung. „Digitale Technologien entlasten die Umwelt und helfen den Landwirten, mit weniger Dünger, Pflanzenschutzmitteln und Kraftstoff den gleichen oder sogar einen höheren Ertrag zu er-zielen. Und: Der Ackerbau wird nicht nur ökologisch und ökonomisch nachhaltiger. Die Landwirte erhöhen auch die Transparenz, indem sie ihre Maßnahmen dokumentieren. Das kann dazu beitragen, das Vertrauen der Verbraucher zurückzugewinnen.“
Ein Ansatz: die Verringerung des Dieselverbrauchs um bis zu zehn Prozent durch innovative Antriebskonzepte – beispielsweise durch den Einsatz der Raupentraktoren des Landmaschinenherstellers. Sie laufen auf vier Raupenlauf- werken, die nur wenig in den Boden einsinken.
„Das reduziert den Rollwiderstand und damit Kraftstoffverbrauch und CO2-Ausstoß“, so von Pentz. Besonders in der Kritik der Öffentlichkeit steht zudem die Gülledüngung, vor allem mit Blick auf die Belastung von Luft und Wasser. „Ein gezielter und sparsamer Einsatz dieses an sich wertvollen und organischen Düngers lässt sich durch den Einsatz des von uns entwickelten HarvestLab-Sensors sicherstellen, der den sehr schwankenden Nährstoffgehalt der Gülle ermittelt. Die Nahinfrarot- Messung erfasst die aktuelle Menge an Stickstoff, Phosphor und Kalium. Auf dieser Datenbasis kann der Traktor mit dem Güllefass dann die Ausbringmenge automatisch auf die Menge reduzieren, die die Pflanzen tatsächlich brauchen.“
Auch beim Pflanzenschutz gibt es einen Trend weg von der undifferenzierten Behandlung großer Flächen. Hier bietet John Deere Pflanzenschutzspritzen für die Präzisionslandwirtschaft an, die mit der „See & Spray Select“- Technologie ausgestattet sind. Diese verwendet Kameras, die über die Farbunterschiede blitzschnell die grünen Unkrautpflanzen auf dem Feld erkennen und so eine punktuelle Behandlung auslösen. Mittelfristig soll diese Technologie dazu beitragen, jedes Feld, jede Zone, jede Reihe und auch jede einzelne Pflanze separat mit Pflanzenschutzmitteln zu behandeln. „Mit all diesen Innovationen wollen wir den Gedanken der Industrie 4.0 auch auf dem Feld etablieren, denn die Landwirtschaft ist eigentlich nichts anderes als eine Industrieproduktion im Freien“, bringt es von Pentz auf den Punkt.