Zentraler Standort für Autozulieferer
Premiumkunde Mobilitätsbranche
von Dr. Gabriele Koch-Weithofer

In Mannheim wurde das Automobil nicht nur erfunden – die Quadratestadt ist auch ein zentraler Standort für zahlreiche Zulieferer der Branche mit klangvollen Namen: Der Lanxess-Geschäftsbereich Rhein Chemie gehört mit seinen Produkten für die Reifenindustrie ebenso dazu wie der Kunststoffspezialist Röchling, Radbremsen-Hersteller WABCO oder das Beschichtungszentrum PPG Coating Services. Thermamax liefert thermische und akustische Dämmsysteme, Schraubenspezialist Karl Berrang mechanische Verbindungstechnik, FUCHS PETROLUB Schmierstoffe. Am umfassendsten aufgestellt ist die BASF.

Automobilindustrie ganz vorne

Beim weltgrößten Chemiekonzern BASF zählt die Automobilindustrie zu den wichtigsten Kunden. Allein 2018 machte das Geschäft mit der Branche 19 Prozent des Umsatzes aus. Der Grund: Moderne Fahrzeuge bestehen zu einem Großteil aus Kunststoff. Das spart nicht zuletzt Gewicht und damit Sprit. Nahezu universell einsetzbar ist vor diesem Hintergrund der Kunststoff Ultramid der BASF (Foto). Da er sehr temperaturbeständig ist, wird er sogar in elektronischen Bauteilen wie Hochspannungssteckern, Sensoren, Schaltern, Relais und elektronischen Steuergeräten verbaut. Neben Kunststoffen liefert der Chemie-Konzern auch Katalysatoren, Lacke, Kühlerschutz- und Bremsflüssigkeiten an die Automotive-Industrie. Und auch bei Elektroautos ist die „Anilin“ am Start. Für die Produktion von E-Fahrzeugen steuert das Unternehmen leistungsstarkes Dämmmaterial bei, um den Energiebedarf für Klimaanlage und Heizung zu reduzieren, sowie Kathodenmaterial für die Lithium-Ionen-Batterien. Dabei verfolgt BASF anspruchsvolle Ziele: Bis 2025 soll ein Mittelklassewagen mit einer einzigen Batterieladung bis zu 600 Kilometer weit fahren können. Außerdem ist geplant, die Lebensdauer der Batterie zu verdoppeln, während sich Batteriegröße und Kosten halbieren und sich die Ladezeit auf 15 Minuten verkürzt.

Im Jahr 2017 besuchte eine Delegation der Stadt Mannheim das Unternehmen: (v.l.)
Dr. Wolfgang Miodek (stellv. Leiter der Mannheimer Wirtschaftsförderung),
Ralf Großhauser und Klaus Darmstädter (damaliger Geschäftsführer und damaliger Hauptgesellschafter Thermamax) sowie Wirtschaftsbürgermeister Michael Grötsch Foto: Stadt Mannheim

Elektrofahrzeuge im Blick 

Thermamax Hochtemperaturdämmungen ist ein anerkannter Spezialist für die Konzeption und Produktion von thermischen und akustischen Dämmsystemen, die im Motorraum und beim Abgasstrang von Diesel-, Otto-, Brennstoffzellen- sowie Elektroantrieben eingesetzt werden. Jüngste Entwicklung: ein hochtemperaturbeständiges Gehäuse für Lithium-Ionen-Akkus in Elektrofahrzeugen. Die Lithium-Ionen-Batterien können sich im Falle eines Fehlers auf mehr als 1.000 Grad Celsius aufheizen und in Brand geraten. Die Thermamax-Ummantelung schützt die Batterie dabei nicht nur vor äußeren Einflüssen wie Wasser, Hitze, Kälte, Staub oder Vibrationen. Dank integriertem Temperaturmanagement überwacht sie permanent die Wärmeentwicklung, kühlt bei Bedarf oder öffnet bei starkem Druckanstieg ein Berstventil. Zudem ist das Gehäuse so konstruiert, dass es sich bei einem Unfall möglichst wenig verformt und so das Kurzschluss-Risiko minimiert. 

Das Unternehmen in der Ölhafenstraße wurde 1976 in Mannheim gegründet und gehört zur international tätigen Thermamax-Gruppe. 2017 hat es seine Produktionskapazitäten mit der Einrichtung einer neuen Fertigungshalle für Turbolader-Isolierungen verfünffacht.

Foto: Röchling

Spezialist für Kunststoff

Kunststoffspezialist Röchling ist praktisch in allen Automarken mit seinen innovativen Lösungen wie leichtgewichtigen Unterbodenverkleidungen und steuerbaren Luftklappensystemen vertreten. Letztere lassen in geöffnetem Zustand viel Luft durch und kühlen dabei besonders stark. Sind sie geschlossen, verringern sie den Luftwiderstand und Aggregate können schneller die Betriebstemperatur erreichen. Gute Aerodynamik und effizientes Thermomanagement verringern Spritverbrauch und Emissionen. Solche Aspekte spielen auch bei Unterbodenverkleidungen neben geringem Gewicht und Schalldämmungseigenschaften eine große Rolle. Die Unternehmensgruppe mit Sitz in Mannheim ist an 90 Standorten in 25 Ländern aktiv. Am Standort in der Quadratestadt arbeiten rund 35  Mitarbeiter.

Foto: BERRANG

Lösungen für jedes Problem

Auch beim Schraubenspezialisten Karl Berrang GmbH zählen Kunden aus der Automobilbranche zu den Premiumkunden. Berrang berät sie schon im Rahmen des Engineering und beliefert sie dann mit den benötigten anspruchsvollen Verbindungselementen wie Schrauben, Muttern und anderen Teilen. Diesen Service schätzen viele Industriekunden, Produzenten von Landmaschinentechnik, Kunden aus der Luft- und Raumfahrt oder Autobranche, ob sie nun Sitze oder Armaturenbretter, Fahrwerks- oder Motorenkomponenten herstellen. Auch für E-Mobilität hat Berrang geeignete Lösungen im Programm, von temperatursensiblen Schraubverbindungen bis hin zu kompletten Kleinbaugruppen.

Die Beschaffungskompetenz und Erfahrung des Familienunternehmens aus Mannheim ist gefragt, ebenso wie die RFID-Logistiklösungen oder die moderne Berrang Bestell-App, aber auch das Prozess-Know-how zur Kleinteileoptimierung. 

Das gilt nicht nur für Großserien, sondern auch dort, wo kleine Stückzahlen und Bedarfsschwankungen die Regel sind. Denn dies stellt besondere Anforderungen an die Flexibilität der Lieferkette. Bei Berrang ist man besonders stolz auf das internationale Netzwerk, das sich mit zwölf Standorten von Europa über Asien bis nach den USA erstreckt. Damit bietet Berrang weltweit technisch wie wirtschaftlich überzeugende Lösungen in jedem Einzelfall.

Foto: RheinChemie

Partner der Reifenindustrie

Der Geschäftsbereich Rhein Chemie des Spezialchemie-Konzerns LANXESS versorgt die gesamte kautschukverarbeitende Industrie mit einem breiten Portfolio an vordispergierten Chemikalien, Verarbeitungswirkstoffen, Vulkanisations- und Füllstoffaktivatoren, Lichtschutzwachsen, Trennmitteln, Reifenmarkierungsfarben und Vulkanisationsheizbälgen. Durch innovative Lösungen und ein umfassendes Produktions-Know-how unterstützen die Mannheimer ihre Kunden in jeder Phase der Prozesskette. 

Besonders Hersteller von Hochleistungsreifen und Produkten aus Elastomeren (verformbaren Kunststoffen) sind auf wirksame Trennmittel angewiesen, die sich nach der Vulkanisation der Kautschukteile wieder gut entfernen lassen. Prozesssicherheit und niedrige Ausschussraten sind entscheidend. Die Mannheimer haben dafür u. a. Trennmittel der Marke „Rhenodiv“ im Programm. Diese sind besonders umweltfreundlich, weil sie ausschließlich auf Wasserbasis hergestellt werden und damit ohne Lösungsmittel oder flüchtige organische Verbindungen (VOCs) auskommen. Gleiches gilt für Rhenomark-Reifenmarkierungsfarben für die Farbcodierung von Reifen.

Foto: Rinderspacher

Der Lack-Experte

Auf der Friesenheimer Insel ist der US-amerikanische Chemiekonzern PPG mit einem Beschichtungszentrum aktiv. PPG Coatings Services (vormals ein Unternehmen der MetoKote-Gruppe) veredelt dort seit 2011 verschiedenste Bauteile inklusive Vorbehandlung mit kathodischer Tauchlackierung (KTL). Nasslacke und Pulverlacke gehören zu den Kernkompetenzen in der Gruppe. Laut Standortleiter André May finden die Schutzlacke in der Automobilbranche, bei Landmaschinen, Baumaschinen sowie bei Lkw und Bussen Verwendung. Ab einem bestimmten Beschichtungsvolumen kommen die Spezialisten auch direkt zum Kunden ins Werk. „Als hundertprozentige Tochter des Lackherstellers PPG bieten wir alle Beschichtungsdienstleistungen aus einer Hand – inklusive eigener Anlagentechnik“, so Vertriebsleiter Markus Albersmann. Neben dem Werk in Mannheim mit 85 Mitarbeitern unterhält PPG noch in England, Tschechien und Ungarn sowie in den USA und Mexiko Beschichtungszentren. Für PPG arbeiten weltweit über 46.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in 70 Ländern.

Foto: WABCO

Der Bremsenspezialist

Bei WABCO in Mannheim-Friedrichsfeld dreht sich alles um Radbremsen. Das Werk produziert Druckluftscheibenbremsen für Hersteller von Nutzfahrzeugen, Anhängern und Bussen weltweit. Besonders innovativ: die neueste Generation der Druckluftscheibenbremse MAXX. Sie ist bei höchster Bremskraft ein Leichtgewicht, spart Sprit und schont das Fahrgestell. Mit über sechs Millionen verkauften Exemplaren zählt sie zu den Verkaufsschlagern der Mannheimer.

Das Werk im Mannheimer Süden ist unter wechselndem Firmennamen seit 1924 auf die Produktion von Bremsen spezialisiert. Seit 1994 gehört es zum US-amerikanischen WABCO-Konzern, einem führenden Lieferanten von Technologien und Dienstleis-
tungen zur Verbesserung von Sicherheit, Effizienz und Vernetzung von Nutzfahrzeugen. Im Februar 2019 wurde bekannt, dass der Autozulieferer
ZF Friedrichshafen mit WABCO eine Übernahmevereinbarung geschlossen hat.