Bilfinger: Stabiles Fundament

Bilfinger: Stabiles Fundament

Wir sind auf einem guten Weg, aber wir können noch nicht zufrieden sein. Mit diesen Worten fasste Bilfinger-Vorstandschef Thomas Blades die Ergebnisse des vergangenen Jahres zusammen. Hoffnung gibt vor allem der Auftragseingang, der nach drei rückläufigen Jahren erstmals wieder organisch – das heißt, aus dem operativen Geschäft heraus – wuchs. Ein Plus gab es in der zweiten Jahreshälfte auch wieder bei der Leistung. In der Digitalisierung der Prozessindustrie sieht Bilfinger einen wesentlichen Wachstumstreiber des Konzerns für die kommenden Jahre. Rund 20 Millionen Euro investiert Bilfinger in den Ausbau des Leistungsspektrums in diesem Bereich. Bei der Bereinigung des Portfolios meldete Bilfinger ebenfalls Fortschritte. Von den 13 zum Verkauf stehenden verlustbringenden Gesellschaften, die nicht mehr zum Kerngeschäft zählen, wurden zehn Firmen veräußert. Bis Mitte 2018 soll dieser Prozess abgeschlossen sein.
Diese Restrukturierung beeinflusste auch das letztjährige Geschäft. Berücksichtigt man ausschließlich die weitergeführten Aktivitäten legte der Auftragseingang um 4 Prozent um 4,1 Milliarden zu, die Leistung blieb mit 4,0 Milliarden Euro stabil. Zu ihr trug der Bereich Engineering & Technologies, der sich mit der Entwicklung und Erweiterung von Anlagen sowie der Steigerung ihrer Energieeffizienz und Umwelttechnologien befasst, rund 1 Milliarde Euro und das Segment Maintenance, Modifications & Operations mit dem Schwerpunkt Instandhaltungs-, Modifikations- und Betriebsprozessen 2,5 Milliarden Euro bei.
Erst 2019 rechnet das Unternehmen angesichts noch ausstehender Sonderaufwendungen in Höhe von insgesamt 85 Millionen Euro wieder mit einem Jahresüberschuss nach minus 89 Millionen Euro 2017. Der Personalabbau sei weitgehend abgeschlossen, so Blades. Das Mannheimer Bilfinger-Team wird voraussichtlich Ende August 2018 in die neue Hauptverwaltung auf den Gewerbecampus in Mannheim-Neckarau umziehen.
Ende Februar 2018 entschied der Aufsichtsrat nach zwei Jahren Prüfung gegen zwölf Vorstände, die Bilfinger zwischen 2001 und 2015 führten, Schadensersatzansprüche in Zusammenhang mit verschiedenen Korruptionsfällen geltend zu machen. Der angenommene Schaden beläuft sich auf 100 Millionen Euro. Die prominentesten Namen sind Herbert Bodner, der von 1999 bis 2011 sowie 2014/16 an der Spitze des Unternehmens stand, und Roland Koch, der diese Position von 2011 bis 2014 innehatte.

Bildzeile: Auch derzeit kämpft Bilfinger noch mit hohen Restrukturierungskosten. Firmenfoto